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Flughafen Newark: Abschiedskuss löste Sicherheitsalarm aus

Tausende Reisende saßen am Sonntag stundenlang am US-Flughafen Newark fest, nachdem dort Alarm ausgelöst worden war. Ein Unbekannter war unbefugt in die Sicherheitszone vorgedrungen. Jetzt wurde sein Motiv bekannt: Der Mann wollte knutschen.

New York - Es klingt nach einer Szene aus einem Hollywood-Film: Ein Mann, der eine Frau zum Abschied noch einmal küssen will, schlüpft unter einem Absperrband am Flughafen hindurch und eilt seiner Liebsten nach. Dies ist am vergangenen Sonntag auf dem US-Flughafen Newark passiert - mit weitreichenden Konsequenzen. Da der Mann unbefugt in die Sicherheitszone gelangte, wurde Alarm ausgelöst und der Flughafen für sechs Stunden gesperrt - erst jetzt wurde der harmlose Hintergrund bekannt.

Auf dem nun veröffentlichten Videomaterial ist zu sehen, wie ein Sicherheitsbeamter seinen Posten am Terminal verlässt. Danach schlüpft ein Mann unter dem Absperrband hindurch, geht zu einer Frau, die neben dem Kontrollpunkt steht, küsst sie - und schreitet dann Hand in Hand mit ihr in den Sicherheitsbereich.

Die Turtelei hatte beträchtliche Folgen: Am Sonntag ging an dem Flughafen stundenlang nichts mehr. Alle wartenden Passagiere, die ihre Flugzeuge besteigen wollten, wurden erneut kontrolliert. Die Flugabfertigung am Terminal C in Newark verzögerte sich stundenlang.

Die Flugsicherheitsbehörde hatte zuvor verschärfte Sicherheitsmaßnahmen angeordnet und damit auf den vereitelten Anschlag auf eine US-Passagiermaschine beim Landeanflug auf Detroit an Weihnachten reagiert.

Probleme bei der Videoüberwachung

Der Zwischenfall in Newark offenbarte indes eine zweite Panne: Am vergangenen Wochenende funktionierten die Überwachungskameras am Flughafen nicht richtig. Die Flugsicherheitsbehörde TSA musste die Bilder von der US-Fluglinie Continental Airlines anfordern, um nachzuvollziehen, ob wirklich ein Passagier unkontrolliert in den Sicherheitsbereich hatte vordringen können.

Fotostrecke

3  Bilder
Newark: Ein Küsschen in Ehren...
Erst mit stundenlanger Verzögerung konnte die TSA daraufhin die Bilder auswerten, die nun von dem US-Senator Frank Lautenberg aus New Jersey veröffentlicht worden sind. Wer der Mann aus dem Video ist, konnte bislang nicht ermittelt werden.

Das Video, das keinen Ton enthält, zeigt außerdem, wie der Sicherheitsbeamte vor dem Verlassen seines Postens den Mann offenbar auffordert, sich vom Absperrband zu entfernen. Der Bereich trennte ankommende Passagiere von dem Abflugbereich. Der unaufmerksame Sicherheitsbeamte wurde vorübergehend vom Dienst suspendiert.

Obama will Kontrollen verbessern

"Es ist nicht hinnehmbar, das die Flughafensicherheitsbehörde so lange gebraucht hat, um dieses Video zu produzieren. Aber durch die Veröffentlichung haben wir die Möglichkeit, dieser großen Sicherheitspanne auf den Grund zu gehen", sagte Senator Lautenberg.

US-Präsident Barack Obama hat eine Mitverantwortung für die Versäumnisse an US-Flughäfen eingeräumt und strengere Sicherheitsvorkehrungen angeordnet. "Wenn das System versagt, ist das meine Verantwortung", sagte er am Donnerstag nachdem er zwei Prüfberichte zu dem Anschlagsversuch an Weihnachten erhalten hatte. Als Präsident habe er die Pflicht, "unsere Nation und unser Volk zu schützen".

Obama kündigte Schritte an, die eine Wiederholung derartiger Pannen verhindern sollen. Dabei will der Präsident eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Ausland insbesondere bei der Verbesserung der Kontrollmaßnahmen an den Flughäfen, so auch beim Screening, dem Durchleuchten an den Sicherheitssperren. Heimatschutzministerin Janet Napolitano will noch in diesem Monat mit ihren europäischen Amtskollegen darüber sprechen. Nach Angaben der Zeitung "El Pais" soll das Treffen vom 20. bis 22. Januar im spanischen Toledo stattfinden. Spanien führt derzeit die EU-Präsidentschaft.

han/AP/dpa/reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
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1. Menschliches Versagen
2cv 08.01.2010
Tja, wer meint, mit nem Flatterband sei die Absperrung eines inneren Sicherheitsbereichs gewährleistet, ... no comment. Da ist auch der weggehende Beamte nicht schuld, es reicht schon eine weitere ablenkende Person wenige Meter weiter, daß er seinen Posten verläßt. Bislang ist IMMER der Mensch als versagendes Glied in der Sicherheits-Kette aufgefallen. Zumindest dem ersten Anschein nach, ohne Kenntnis weitere örtlicher Gegebenheiten - warum hier z.B. keine Glaswände aufgestellt werden, von mir aus mit ner weiteren Tür drin, wenn Durchgang erforderlich ist, ist mir rätselhaft.
2. Nochmal Glück gehabt ...
Nils74, 08.01.2010
Der Romeo hatte immerhin noch Glück, nicht sofort von Kugeln durchsiebt worden zu sein oder den Rest seines Lebens in Guantanamo verbringen zu müssen ...
3. R e s p e k t !!
Mocs, 08.01.2010
Zitat von sysopTausende Reisende saßen am Sonntag stundenlang am US-Flughafen Newark fest, nachdem dort Alarm ausgelöst worden war. Ein Unbekannter war unbefugt in die Sicherheitszone vorgedrungen. Jetzt wurde sein Motiv bekannt: Der Mann wollte knutschen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,670761,00.html
RESPEKT - das nenne ich mal Hochsicherheitstechnik vom Allerfeinsten, so ein Absperrband. In Verbindung mit einer dicken gelben Linie auf dem Boden (bekannt aus den Raucherghettos unserer Bahnhöfe) ein schier unüberwindbares Hindernis. Da man hier, vermutlich aus Kostengründen, auf die gelbe Linie verzichtet hat, hätte man diesen schweren Zwischenfall eigentlich vorhersehen müssen. Also - alle an die Pinsel - damit so etwas nie wieder vorkommt.
4. Übersetzungsqualität
Axel Arend 08.01.2010
Liebe Spiegel-Redakteure, ich glaube kaum, oder besser: ich hoffe nicht, dass die Sicherheitsbehörde das Video extra produziert hat. In diesem Fall wäre "to produce" wohl besser mit vorlegen oder bereitstellen übersetzt worden. Wir sind ja nicht bei RIA Novosti.
5. Epic Fail!
Lethal Weapon 08.01.2010
Die Amerikaner werden ja immer empfindlicher. -.- Wahrscheinlich wird noch das turteln im Flughafen verboten, wegen Terrorgefahr. muahahaha!
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Nacktscanner
Was ist der Vorteil eines Nacktscanners?
Körperscanner sind Geräte, mit denen die Oberfläche des menschlichen Körpers unter der Kleidung abgebildet werden kann. So sollen versteckte Gegenstände sichtbar gemacht werden - etwa Sprengstoff oder sogenannte Nichtmetallwaffen wie Keramikmesser, die bei herkömmlichen Scannern unerkannt bleiben.
Wie funktioniert das Gerät?
REUTERS/ TSA
Für die Nacktscanner gibt es zwei technische Methoden: Röntgenstrahlen und die Terahertzstrahlen. Bei der Röntgenmethode ist die mittlere Gesamtstrahlenbelastung geringer als beim konventionellen Röntgen. Die dabei anfallende Strahlung entspricht nach Angaben der US-Flugsicherheitsbehörde TSA in etwa der Dosis, der ein Passagier innerhalb von zwei Minuten in einem Flugzeug auf Reiseflughöhe ausgesetzt ist.

Die Terahertzmethode setzt elektromagnetische Strahlung im Grenzbereich zwischen Infrarotlicht und Mikrowellenstrahlung ein. Die sogenannten T-Wellen sind Teil der natürlichen Wärmestrahlung. Bis vor wenigen Jahren waren diese technisch noch gar nicht zugänglich. Die Terahertzmethode wird untergliedert in eine aktive und eine passive Form. Bei der aktiven Methode scannt ein fokussierter Strahl den Körper ab und konstruiert aus der Rückstreuung ein Bild. Bei der passiven Methode wird nur die natürliche Wärmestrahlung des menschlichen Körpers erfasst, wodurch ein Bild ohne anatomische Details erzeugt wird. Im Vergleich zur Röntgenmethode ist die auf den menschlichen Körper wirkende Energie bei der aktiven Terahertzmethode wesentlich geringer, im Passivmodus wirkt sogar überhaupt keine Strahlenquelle auf den Körper.
Warum ist der Scanner umstritten?
Datenschützer halten den flächendeckenden Einsatz von Scannern für unverhältnismäßig. Besonders kritisiert wird an den Geräten, dass die erzeugten Nacktbilder die Privatsphäre oder sogar die Menschenwürde verletzen. Außerdem können die Scanner keine Substanzen oder Gegenstände erkennen, die in Körperöffnungen wie Mundhöhle, Gehörgang oder Rektum eingeführt wurden.
Wird der Körperscanner in Europa eingesetzt?
Sogenannte Nacktscanner werden in der EU bislang nur zu Testzwecken eingesetzt. Die EU-Kommission erklärte zwar im Herbst 2008, den Einsatz dieser Geräte an Flughäfen zulassen zu wollen, doch das Europaparlament stoppte das Vorhaben. In Deutschland begannen im Dezember 2008 Laborversuche bei der Bundespolizei, ab September 2010 sollen erste freiwillige Tests am Hamburger Flughafen stattfinden.

DPA
Eine neue Generation von Scannern wird derzeit in Amsterdam, London und Zürich getestet - ebenso wie in Moskau und US-amerikanischen Städten. Laut Experten sind diese Geräte vollkommen automatisiert. Die Scanbilder von unbekleideten Körpern bekommt - angeblich zumindest - kein anderer Mensch mehr zu sehen, sondern nur noch der Computer. Sobald dem Rechner an einem Körper etwas gefährlich erscheint, sendet er eine Warnmeldung.


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