Flughafen Stuttgart Müntefering übersteht Notlandung einer Fokker 100

Auf dem Flughafen in Stuttgart musste eine Maschine vom Typ Fokker 100 auf einem Schaumteppich notlanden - an Bord waren 87 Menschen, darunter auch SPD-Chef Müntefering. Nach dem Zwischenfall nahm er wie geplant an einer Kundgebung in Stuttgart teil.

Florian Conrad

Stuttgart - Die Maschine mit dem Kennzeichen D-AFKE musste laut Contact Air um 10.49 Uhr mit nur teilweise ausgefahrenem Hauptfahrwerk auf dem Stuttgarter Flughafen landen. Trotz mehrfacher Versuche der Cockpitcrew ließ sich das Fahrwerk demnach nicht ausfahren. Die Fokker 100 musste auf einem Schaumteppich zu Boden gehen, wie die Fluggesellschaft mitteilte. Der Fluggesellschaft zufolge wurde ein Passagier leicht verletzt, eine Flugbegleiterin begab sich zur Beobachtung in eine Klinik.

Die 73 Passagiere konnten laut Fluggesellschaft die Maschine über die Rutschen verlassen. Außerdem waren fünf Besatzungsmitglieder an Bord. Rettungskräfte und Seelsorger waren vor Ort einsatzbereit, wie der Flughafen mitteilte.

Der Flug LH 288 war am Montagmorgen um 8.44 Uhr in Berlin-Tegel nach Stuttgart gestartet. Müntefering war mit der Maschine zu mehreren Wahlkampfterminen unterwegs und nahm nach dem Zwischenfall wie geplant an einer SPD-Kundgebung in Stuttgart teil. "Es war eine ernste, sehr ernste Situation", sagte Müntefering nach Angaben des SPD-Vorstands in Berlin. "Wir sind lange gekreist, haben den Anflug versucht und mussten dann notlanden." Alle im Flugzeug seien "sehr diszipliniert" gewesen. "Unser großer Dank gilt dem Kapitän, der eine Meisterleistung hingelegt hat, und seiner Crew, die die Situation professionell gehandhabt hat."

Am Rande der Stuttgarter Veranstaltung beschrieb Müntefering die Notlandung als "sanft, sanfter als auf Rädern". Anschließend seien die Passagiere "schnell auf der Rutsche raus". Im Anschluss sei er zu der Wahlkundgebung gefahren, "leider mit zehn Minuten Verspätung". Der SPD-Chef fügte mit Blick auf den Zwischenfall hinzu: "Das sind so Sachen, wo jeder sich so seine eigene Gedanken macht." "Das reicht einmal im Leben." Müntefering wollte nach Parteiangaben am Montag noch weitere Wahlkampftermine in Uhingen und Augsburg wahrnehmen.

Die Piloten samt Crew handelten "in dieser schwierigen Situation umsichtig"

Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil zeigte sich erleichtert über den glimpflichen Ausgang der Notlandung. "Wir sind froh und dankbar, dass alle Passagiere unverletzt sind", sagte Heil nach einer Schaltkonferenz des SPD-Präsidiums in Berlin. "Wir danken dem Piloten und der Crew, dass sie in dieser schwierigen Situation umsichtig gehandelt haben."

Die notgelandete Maschine wurde laut Contact Air im November 1995 gebaut und hatte bis zu dem Zwischenfall 31.465 Flugstunden sowie 33.541 Landungen absolviert. Die jüngste umfassende Überprüfung des Flugzeugs fand demnach Anfang August statt. Zur Cockpit-Crew zählten der 60-jährige Flugkapitän mit 17.443 Flugstunden und der 30 Jahre alte Co-Pilot mit 2309 Flugstunden. Da es sich um einen Ausbildungsflug für den Co-Piloten handelte, befand sich der Fluggesellschaft zufolge zusätzlich eine 27-jährige Ausbildungs-Co-Pilotin mit 2605 Flugstunden im Cockpit.

Vier Stunden nach der Notlandung hat der Stuttgarter Flughafen wieder einzelne Starts kleinerer Maschinen freigegeben. Dazu werde ein parallel zur Start- und Landebahn verlaufender Rollweg genutzt, teilte der Airport am Montagnachmittag mit. Die reguläre Piste bleibe voraussichtlich bis zum Abend gesperrt.

jjc/AFP/Reuters/dpa

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