Flugschau in Bayern Doppeldecker rast in Zuschauermenge

Schweres Unglück bei einer Flugveranstaltung in Mittelfranken: Ein Flugzeug geriet beim Start außer Kontrolle und raste ins Publikum. Eine Frau starb, zahlreiche Zuschauer wurden verletzt. Auch in Hessen kam es bei einer Flugschau zu einem Unfall.

Verunglückter Doppeldecker in Bayern: Pilot verlor offenbar die Kontrolle über die Maschine
dpa

Verunglückter Doppeldecker in Bayern: Pilot verlor offenbar die Kontrolle über die Maschine


Lillinghof - Ein Doppeldecker ist bei einer Flugschau am Sonntag in eine Zuschauermenge gerast und hat eine Frau getötet. 38 Menschen wurden bei dem Unglück in der Nähe von Schnaittach-Lillinghof bei Nürnberg nach Polizeiangaben verletzt, fünf davon schwer.

Nach Augenzeugenberichten war die getötete 46-jährige Frau in den Propeller der Maschine geraten. Die Schwerverletzten wurden von mehreren Hubschraubern in umliegende Krankenhäuser geflogen. Von den 33 Leichtverletzten wurden laut Polizei 22 in Kliniken gebracht, darunter auch ein sieben Jahre altes Kind.

Der 68 Jahre alte Pilot der Unglücksmaschine blieb dagegen unverletzt. Bei einer ersten Befragung machte der Mann, ein sehr erfahrener Pilot, von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Der Doppeldecker war der Polizei zufolge beim Start zu einem Formationsflug nach rechts ausgebrochen und in die Zuschauermenge gerast.

"Wir waren gerade beim Kaffeetrinken, als auf einmal Tische und Bänke durch die Luft flogen - und auf einmal hatten wir den Propeller der Maschine vor uns", berichtete ein Augenzeuge. Die Maschine kam 20 Meter vor dem Kontrollturm zum Stehen und kippte dort auf die Nase.

Ursache noch unklar

Warum das Flugzeug beim Starten plötzlich nach rechts ausbrach, war zunächst unklar. Mehrere Augenzeugen berichteten übereinstimmend, die Maschine habe anscheinend nicht ausreichend Tempo gehabt, um abzuheben. "Der Pilot hatte wohl die Kontrolle über sein Flugzeug verloren", sagte ein Beamter in der Nürnberger Polizeieinsatzzentrale.

Noch Stunden später war das havarierte Flugzeug von Neugierigen umringt. Daneben erinnerten noch herumstehende Bierbänke und ein Bierschankwagen an den Volksfestcharakter der Flugschau auf dem Segelflughafen am Fuß der Frankenalb. Die Veranstaltung wurde nach dem Unglück sofort abgebrochen.

Der Doppeldecker - ein Original-Oldtimer vom Typ Tigermoth - war bei dem vom Segelflugclub Lauf veranstalteten Flugtag eine der Hauptattraktionen. Zum Programm hatten auch Segelkunstflüge und Fallschirmformationssprünge gehört. Die Veranstalter selbst lehnten Angaben zu dem Unglück zunächst ab und verwiesen auf die Polizei.

Flugunfall auch in Hessen

Auch in Hessen kam es bei einer Flugschau am Sonntag zu einem Unfall. In Langenselbold ist ein Kleinflugzeug beim Anlassen am Boden außer Kontrolle geraten. Die führerlose Maschine rollte über den Rasen und blieb schließlich in einer Hecke stecken, teilte die Polizei in Offenbach mit. Verletzt wurde niemand.

Der Pilot habe vor der Maschine stehend den Propeller gestartet, als sich das Flugzeug in Bewegung setzte. Zu der zweitägigen Veranstaltung auf dem Flugplatz in Langenselbold im Main-Kinzig-Kreis waren mehrere tausend Besucher erwartet worden. Die Sicherheitszone zwischen den Zuschauern und den Flugzeugen sei so groß gewesen, dass keine Gefahr bestanden habe, erklärte die Polizei.

Ein weiteres Unglück bei einem Flugtag ereignete sich am Wochenende im bayerischen Füssen. Eine 50 Jahre alte Drachenfliegerin habe am Samstag in der Startphase einen Fehler gemacht und sei dann in die Tiefe gestürzt, erklärte die Polizei. Am Boden prallte sie auf ein geparktes Segelflugzeug. Die Schwerverletzte wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Unfallklinik geflogen. Dort starb sie in der Nacht zu Sonntag.

Trotz der Beschwichtigung von Flugschauorganisatoren, das Risiko solcher Veranstaltungen sei gering, kam es in Deutschland immer wieder zu schweren Unfällen:

  • 26. April 2008 in Eisenach: Zwei Menschen sterben, als ein Propellerflugzeug in einen Verkaufsstand rast. 15 Personen werden verletzt.

  • 28. August 1988 in Ramstein: 70 Menschen sterben, als drei Jets der italienischen Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" zusammenprallen und in die Zuschauermenge stürzen. 352 Verletzte.

  • 23. Mai 1983 in Frankfurt am Main: Sechs Mitglieder einer Familie verbrennen in ihrem Auto, als ein kanadischer Düsenjäger bei einer Flugschau abstürzt und auf der Autobahn das Fahrzeug trifft.

  • 5. September 1982 in Bad Dürkheim: Fünf Menschen werden durch einen abgestürzten Doppeldecker getötet. Der Pilot wird schwer verletzt.

boj/dpa/ddp/apn

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insgesamt 109 Beiträge
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Seite 1
WolArn 05.09.2010
1. verbieten
---Zitat--- Trotz der Beschwichtigung von Flugschauorganisatoren, das Risiko solcher Veranstaltungen sei gering, kam es in Deutschland immer wieder zu schweren Unfällen: * 26. April 2008 in Eisenach: Zwei Menschen sterben, als ein Propellerflugzeug in einen Verkaufsstand rast. 15 Personen werden verletzt. * 28. August 1988 in Ramstein: 70 Menschen sterben, als drei Jets der italienischen Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" zusammenprallen und in die Zuschauermenge stürzen. 352 Verletzte. * 23. Mai 1983 in Frankfurt am Main: Sechs Mitglieder einer Familie verbrennen in ihrem Auto, als ein kanadischer Düsenjäger bei einer Flugschau abstürzt und auf der Autobahn das Fahrzeug trifft. * 5. September 1982 in Bad Dürkheim: Fünf Menschen werden durch einen abgestürzten Doppeldecker getötet. Der Pilot wird schwer verletzt. ---Zitatende--- Wird langsam Zeit, daß solche Flugschaus ein für allemal verboten werden.
haltetdendieb 05.09.2010
2. Und dann gab's noch ein Unglück in der Ukraine...
...über 80 Tote!!! http://www.spiegel.de/panorama/a-207206.html Son Quatsch müsste verboten werden.....!!! Jeder Tote ist einer zu viel. Man kann sich die Flugzeuge auch am Boden angucken und gut iss!
blaumupi 05.09.2010
3. Jetzt geht das schon wieder los
Verbieten, verbieten!!!!! Immmer gleich das Geschrei nach Verboten! Verbieten wir doch gleich alles was irgendwie mit Risiken behaftet ist! Spannendes Leben. Wieso nicht gleich die Verkehrsfliegerei verbieten, da hat es in den letzten 20 Jahren deutlich mehr Opfer gegeben. Ach ja, dass geht ja nicht, die Schreier nach Verboten wollen ja noch in den Urlaub! ;)
Holledauer, 05.09.2010
4. Warum denn immer alles verbieten?
Zitat von WolArnWird langsam Zeit, daß solche Flugschaus ein für allemal verboten werden.
Wenn keiner mehr hingeht, dann hört das von selber auf! Oder wird jemand gezwungen, sich das anzugucken? Ach ja, was halten Sie davon. - Schwimmen wird verboten! - Gewitter werden verboten! - Wintersport wird verboten! Ach ja, und ganz wichtig: - Das Leben wird verboten, denn es führt unweigerlich zum Tode!
Wavebreaker26 05.09.2010
5. Kein Verbot!
Verbieten ist leider nicht die richtige Lösung. Als nächstes würden dann Autorennen verboten werden, danach Pferdeumzüge, Tauchen, Kitesurfen .... Man kann nur die Zuschauer sensibilisieren und hoffen, dass zu solchen Veranstaltungen keine Leute mehr hingehen.
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