Flugunglück Goodyear stoppt Luftschiff-Flüge

Drei Insassen können sich rechtzeitig retten, der Pilot verbrennt in den Flammen: Nach dem Absturz eines Luftschiffs hat Reifenhersteller Goodyear seine Reklameflüge bis auf weiteres eingestellt. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist weiter unklar.

DPA

Hanau/Reichelsheim - Es ist ein sonniger Pfingstsonntag im hessischen Hochtaunuskreis, die Aussicht perfekt: Tausende Besucher tummeln sich auf der Festmeile des Hessentags zwischen den Gässchen der Oberurseler Altstadt. Am Himmel schwebt ein blau-silbernes Luftschiff, in gelben Lettern prangt das Goodyear-Firmenlogo drauf. Von dort oben aus der Gondel heraus erkennt man die Menschen wie Ameisen. Sie flanieren, machen Halt vor einem der Hunderten Leckerei-Ständen oder vor einer der zahlreichen Konzertbühnen.

Der Bad Homburger Pressefotograf Joachim Storch und seine beiden Journalistenkollegen von RTL wollen Luftaufnahmen von dem Volksspektakel im Taunus machen, als sie beim Landeanflug schlagartig eine Hitzewelle vom hinteren Ende der Gondel verspüren, dort wo die Motoren des Luftschiffs sitzen. "We had an accident!" ("Wir hatten einen Unfall!") schreit der Pilot von vorne. "I crashed the airship!" ("Ich habe das Luftschiff zertrümmert!"). Kurz darauf vernehmen sie den Brandgeruch.

Die drei Journalisten, darunter eine Frau, können sich retten: Kurz vor der Landung, bei der das Gefährt in Flammen aufgeht, springen sie aus niedriger Höhe über dem Rollfeld aus dem zweimotorigen Prallluftschiff vom Typ Lightship A60 ab. Der Pilot schafft es nicht mehr. Der 52-Jährige, ein Australier, verbrennt, das Wrack des Luftschiffs stürzt schließlich wenige hundert Meter entfernt auf einem Feld ab.

"Er hatte keine Chance", sagte ein Sprecher der Polizei. Nun wird untersucht, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Die Firma Goodyear Dunlop, in deren Auftrag das von Lightship Europe Limited betriebene Luftschiff flog, reagierte schockiert auf den Unfall. Goodyear habe zwei derartige Luftschiffe für Werbezwecke gemietet, werde nun aber auch das zweite bis auf weiteres nicht mehr einsetzen. "Zu diesem Zeitpunkt gelten unsere Gedanken und unser Mitgefühl der Familie und den Angehörigen des Piloten", erklärte die Reifenfirma weiter, aber auch dem Bodenpersonal und den Passagieren. Anlässlich des tragischen Vorfalls habe Goodyear die übrigen Veranstaltungen auf dem Hessentag abgesagt.

Das Wrack konnte noch nicht geborgen werden

Die Unglücksursache war auch am Pfingstmontag noch nicht bekannt. Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen in Braunschweig waren vor Ort mit den Ermittlungen beschäftigt. Ihre Untersuchungen werden noch mindestens ein, zwei Tage dauern, wie Polizeisprecher Jörg Reinemer sagte. Das Wrack des Luftschiffs konnte daher zunächst auch noch nicht geborgen werden.

Das Luftschiff war am Samstagabend um 18 Uhr in Reichelsheim, wenige Kilometer vom Hessentag entfernt, zu Werbezwecken gestartet und gegen 20.15 Uhr zu dem dortigen Flugplatz zurückgekehrt. Zeugen sagten der Polizei, dass es bei der Landung der Maschine auf dem Rollfeld des Flughafens Probleme gab. Es habe nach Benzin gerochen und im hinteren Teil des Kabine sei Feuer ausgebrochen. Die drei Passagiere seien auf die Landebahn gesprungen.

Die Maschine wurde dabei leichter und schoss deshalb samt dem Piloten einige Dutzend Meter in die Höhe, erklärte die Polizei. In der Luft ging die Kabine völlig in Flammen auf. Der Pilot habe das Luftschiff nach dem ersten Bodenkontakt nicht unten halten können, berichtete der Fotograf Storch. Mit einer dunklen Rauchfahne stürzte das brennende Wrack dann etwa 300 Meter weiter auf ein Feld.

Das Prallluftschiff kommt anders als ein "richtiger" Zeppelin ohne inneres Gerüst aus, die Hülle steht unter Druck von nicht brennbarem Heliumgas. Laut Ermittlungsstand von Sonntagnacht zerschellte beim Aufsetzen auf die Rollbahn aus ungeklärten Gründen das kleine, einachsige Fahrwerk unter der Gondel. Offenbar kam es danach zu dem Brand. Die drei Pressevertreter waren mit dem Goodyear-Luftschiff von der Wetterau in den Taunus geflogen, um den Hessentag aus der Luft zu fotografieren und zu filmen. "Mike war ein routinierter Pilot", sagte Storch. "Er ist unseren Hinweisen immer minutiös und mühelos gefolgt."

cib/dpa/dapd



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