Flugzeug-Hubschrauber-Kollision Unglück über dem Hudson entsetzt New York

Mit einem dumpfen Knall stießen sie zusammen - dann fielen der Helikopter und die Kleinmaschine wie Steine in den Hudson. Bei einem Flugzeugunglück in New York sind neun Menschen gestorben. Jetzt werden Fragen laut: Wieso lassen die Behörden so dichten Luftverkehr zu?

Von , New York


Nach drei Stunden macht Mike Bloomberg allen Hoffnungen ein Ende. "Aus einer Rettungs- ist eine Bergungsmission geworden", sagt New Yorks Bürgermeister resigniert. "Hier wird es kein Happy End geben."

Bloomberg steht hemdsärmelig an einem Pier auf Manhattans West Side. Er trägt das Tragische mit routinierter Monotonie vor - in seinem Job gewöhnt man sich an so was. Hinter ihm im Hudson River haben sich Schiffe um die Absturzstelle geschart: Motorboote, Ausflugsdampfer, die Küstenwache, sogar eine private Party-Yacht, von deren Tanzdeck Musik herüberschallt. Marinetaucher springen ins trübe Wasser.

Retten können sie keinen mehr.

Neun Tote nach einer Kollision zwischen einem Hubschrauber und einem Kleinflugzeug, CNN zufolge vier davon schon geborgen - diesmal gibt es kein "Wunder auf dem Hudson" wie vor fast genau sieben Monaten, als eine Linienmaschine der US Airways nur wenige hundert Meter nördlich im Fluss notwasserte. Alle 155 Passagiere überlebten damals unversehrt.

Doch an diesem Samstagnachmittag "war Gott zu beschäftigt", sagt ein Schaulustiger. Bloomberg drückt es so aus: "Dies war ein Unglück, das unserer Meinung nach nicht zu überleben war."

Ein Unglück, das als Touristentraum begann. "Ein einmaliges Erlebnis" verspricht das Sightseeing-Unternehmen Liberty Helicopters: Der "Nervenkitzel eines Hubschrauberflugs" an der Skyline vorbei, über den Hafen und um die Freiheitsstatue, 30 Dollar pro Person, plus 120 bis 150 Dollar pro Tour, je nach Dauer. Und keine Sorge, die Firma verspricht auf ihrer Website: "Ihre Sicherheit ist unser Geschäft!"

Darauf hoffte auch eine italienische Reisegruppe. Die Touristen - deren Identität die Behörden vorerst nicht bekanntgaben - versammelten sich mittags am Heliport, dem Liberty-Startplatz am Flussufer auf Höhe der 30th Street. Fünf Italiener bestiegen einen der blauen Helikopter mit weiß-roten Rennstreifen, der von einem Piloten gesteuert wurde. Um rund 11.50 Uhr hoben sie ab. Gut ein Dutzend Familienmitglieder blieb am Boden zurück.

Fast zur gleichen Zeit startete auf dem Flughafen Teterboro jenseits des Hudsons in New Jersey eine Propellermaschine. Eine einmotorige sechssitzige Piper PA-32R, auch Piper Saratoga genannt. Das Flugzeug steuerte nach Südosten, offenbar um wie üblich am Fluss entlang den New Yorker Luftraum zu verlassen. Die "New York Times" schreibt unter Berufung auf Polizisten, an Bord seien drei Menschen gewesen: der Pilot und Besitzer der Piper, Steven Altman, sein Bruder Daniel sowie dessen Sohn Brett.

Wenige Minuten später kollidierten der Helikopter und die Piper mitten über dem Hudson mit einem dumpfen Knall, in schätzungsweise 150 bis 300 Metern Höhe - noch in direkter Sichtweite der Angehörigen, die nicht mitgeflogen waren, sowie Tausender New Yorker, die an diesem strahlenden Samstag ans Flussufer geströmt waren. Augenzeugen berichten, das Flugzeug habe den Hubschrauber von hinten geschnitten. Dessen Rotoren seien abgerissen worden, ebenso eine Tragfläche der Piper, und beide Maschinen seien ins Wasser gestürzt. Trümmer seien "wie Konfetti" herabgeregnet.

Der TV-Sender Fox News zeigt Fotos, die Touristen von einem Ausflugsboot der Circle Line aus gemacht haben. Sie dokumentieren die Sekunden nach dem Zusammenstoß, als beide Maschinen noch in der Luft schwebten. Der Piper fehlt der rechte Flügel. Vom Helikopter steigt eine schwarze Rauchsäule auf. Beide Fluggeräte sind wie eingefroren, bevor sie abstürzen, der Hubschrauber zuerst, der Flieger hinterher.

"Ich fuhr gerade mit dem Fahrrad am Hudson entlang, da hörte ich einen lauten Knall", sagt die New Yorkerin Jenny Fisher. "Ich schaute hoch und sah ein kleines Flugzeug und einen Hubschrauber abstürzen. Sie fielen ins Wasser. Ein Flügel des Flugzeugs schien abzubrechen."



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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HabeFertig 09.08.2009
1. Falsche Fragestellung
Der New Yorker Luftraum ist einer der am dichtesten beflogenen und besten regulierten der Welt. Der kontrollierte Luftraum ueber Manahttan geht knapp auf 1000ft herunter, wodurch der ganze unkontrollierte Luftverkehr auf einige wenige hundert Meter "zusammmengedrueckt" wird. Eine Freigabe fuer VFR Verkehr durch die Kontrollzonene ueber 1000Ft gibt es fast nie (wegen der Arbeitsbelastung der Kontroller) obwohl abfliegende Jets aus Newark und LaGuardia ueber dem Hudson mindestens 5000-6000 Fuss hoch sind... Die korrekte Fragestellung muss also lauten: "Inwiefern haben behoerdliche Ueberregulierung des Luftraums zu diesem Unglueck beigetragen?"
altruist 09.08.2009
2. in frankfurt nicht anders
das ist am frankfurter flughafen bei der betriebsrichtung 07(ostanflug)auch nicht anders.zu dem hochfrequenten flugverkehr kommt noch die business-jets ,die helikopter und sportflieger vom flughafen egelbach hinzu. vom flughafen geht ein höheres unfallrisiko aus als vom kernkraftwerk biblis
E. Bär, 09.08.2009
3. Hauptsache Geld
Auch hier in Frankfurt wird der Luftraum mehr und mehr zum Rummelplatz, mit Helikopterflügen rund um die Skyline und ähnlichem. Daß die Bevölkerung dem damit verbundenen zusätzlichen Lärm ausgesetzt wird, ist den Verantwortlichen wurscht - Hauptsache, es wird Geld verdient. Von einer möglichen Gefährdung ganz zu schweigen.
csuess1 09.08.2009
4. Wieso? Warum? Weshalb?
„Jetzt werden Fragen laut: Wieso lassen die Behörden so dichten Luftverkehr zu?“ Keine Ahnung. Gääähn.
Pablo alto, 09.08.2009
5. Sightseeing-Flüge raus aus der Stadt
In Hamburg gab's vor drei Jahren einen ähnlich katastrophalen Absturz eines Sightseeing-Fliegers mit mehreren schrecklich verbrannten Toten. Stationiert war das Wasserflugzeug mitten in der Stadt auf der Elbe. Offenbar eine beliebte Touri-Attraktion. Und nicht nur das Geschäft brummte. Auch der extrem laute Uraltmotor dieses Veterans der Lüfte, der jahrelang täglich von morgens bis abends über Innenstadt und Alster kreiste. Schön für die Betreiber und Besucher - eine Pest für zehntausende Hamburg-Bewohner, die auf Balkonen und in Gärten Ruhe vor Verkehrslärm suchten. Da fragt man sich auch: Wie kann eine Behörde so eine fliegende Zeitbombe genehmigen? Dieser alleine aus Umweltschutz- und Lärmgründen längst ausgemustert gehörte Oldtimer hätte statt auf ein abgelegenes Bahngelände genauso mitten in eines der ständig überflogenen Wohngebiete stürzen können. Dann hätte man hunderte Tote gehabt statt einem halben Dutzend. Mir wäre nicht bekannt, dass da einer aus der Genehmigungsbehörde Verantwortung übernommen hätte ...
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