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Flugzeugabschuss: Die gefundenen Raketenteile stammen aus der Ukraine

Nun ist es sicher: Die Tu-154 der Fluggesellschaft Sibir wurde über dem Schwarzen Meer tatsächlich abgeschossen. Die zuvor entdeckten Teile entstammen offenbar einer Flugabwehrrakete S-200. Diese setzte das ukrainische Militär bei seinen Manövern ein.

Schwarzes Meer: Am 4. Oktober stürzte die Tu-154 ab
AFP

Schwarzes Meer: Am 4. Oktober stürzte die Tu-154 ab

Moskau - "Wir gehen ernsthaft davon aus, dass wir Teile einer Flugabwehrrakete S-200 entdeckt haben", wurde ein Mitglied der Sonderkommission der russischen Regierung zitiert, die in der Küstenstadt Sotschi nach den Ursachen des Unglücks forscht. Zuvor war bereits verlautet, dass in Trümmerteilen der Tupolew-154 kleine Löcher entdeckt worden seien, die auf Splitter einer Luftabwehrrakete zurückzuführen sind. Außerdem hatten die Rettungsmannschaften an der Absturzstelle zwischen den Flugzeugtrümmern Teile einer "fremden Konstruktion" gefunden.

Damit ist es ziemlich sicher, dass die Explosion des russischen Passagierjets mit 78 Menschen an Bord über dem Schwarzen Meer in der Vorwoche in der Tat von einer Luftabwehrrakete verursacht worden war. Russland hofft nun, dass Kiew eine "schwierige aber einzig richtige Entscheidung" trifft und Verantwortung für die Katastrophe übernimmt, meldete die Agentur Interfax.

Flugabwehrraketen Typs S-200 hatte das ukrainische Militär bei seinen Übungen auf der Halbinsel Krim abgeschossen. Doch bisher hat das Verteidigungsministerium der Ukraine kategorisch dementiert, dass das Flugzeug versehentlich im Verlauf eines Übungsschießens getroffen wurde. Am Dienstag erklärte der Verteidigungsminister Alexander Kusmuk vor dem Parlament in Kiew, auf Grund seiner Unterlagen sei es unmöglich, dass das Zielradar oder die Rakete die Tupolew erfasst haben könnten. Die Flugabwehrrakete S-200 sei allen Kontrollaufzeichnungen zufolge ins Meer gestürzt, bevor die Tupolew-154 mit bis zu 78 Menschen an Bord in der Luft explodierte.

Russische Behörden hatten aber einen technischen Fehler oder einen Anschlag nicht als Unglücksursache ausgeschlossen.

Die letzten Schreie

Die Untersuchungen der Aufnahmen der Flugaufsicht haben ergeben, dass die Besatzungsmitglieder um 13.45 Uhr geschrien hatten. Der stellvertretende Verkehrsminister Russlands, Alexander Neradjko, äußerte gegenüber den Journalisten die Vermutung, das Bordpersonal hätte auf die Explosion mit Schreien reagiert.

Mitarbeiter eines Militärbetriebes, das auf die Herstellung von Luftraketen spezialisiert ist, sagten unterdessen gegenüber der Nachrichtenagentur Itar-Tass, ein versehentlicher Abschuss des Flugzeuges von der Halbinsel Krim aus sei technisch möglich gewesen.

Die britische Zeitung "Financial Times" hat gemeldet, dass auf Grund der Analysen von israelischen Experten missglückte Militärübungen in der Ukraine als Katastrophenursache zu sehen sind. Vor einem Jahr habe es einem ähnlichen Unfall gegeben, erinnert die Zeitung. Damals hat eine Rakete ein Wohnhaus getroffen. Vier Menschen wurden dabei getötet.

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