Flugzeugabsturz Deutsche Marine koordiniert Sucheinsatz vor Beirut

Mindestens 90 Menschen sind an Bord einer Boeing der Ethiopian Airlines vor der libanesischen Küste ins Meer gestürzt. Mit Hubschraubern und Schiffen suchen jetzt auch deutsche Rettungstrupps nach möglichen Überlebenden. Doch bisher konnten nur Leichen geborgen werden.


Berlin - Aus bisher ungeklärter Ursache ging die Boeing 737 nach dem Start in Beirut in der Nacht zum Montag in Flammen auf und stürzte rund dreieinhalb Kilometer vor der libanesischen Küste ins Meer.

Jetzt hat ein deutsches Schiff der Uno-Mission UNIFIL vor die Koordination des Sucheinsatzes übernommen. Seit 6.15 Uhr MEZ ist das Versorgungsschiff "Mosel" an der Absturzstelle und regelt mit Einheiten der libanesischen Marine, dem deutschen Minensuchboot "Laboe" und mehreren Hubschraubern die Suche. Dies teilte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam mit.

Die Mannschaft der "Laboe" habe bereits drei Leichen geborgen, sagte der Sprecher. Doch es gibt weitere Tote, deren Zahl beständig wächst: "Wir haben am Ort des Absturzes vor der Küste von Naameh südlich von Beirut zehn Leichen gefunden", sagte ein Mitarbeiter des libanesischen Verteidigungsministeriums, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Dies ist ein schmerzliches Drama", fügte er hinzu und betonte, es werde "alles unternommen, um Überlebende zu finden".

An der Suche vor der Küste beteiligten sich auch ein Hubschrauber der italienischen Fregatte "Zeffiro", die sich in Beirut befindet, sowie ein libanesischer Polizeihubschrauber. Die UNIFIL-Mission wurde im Jahr 2006 vom Uno-Sicherheitsrat beschlossen und soll zu Stabilität und Sicherheit des Libanon beitragen. Die internationalen Kriegsschiffe vor der Küste des Mittelmeerlandes sollen vor allem Waffenschmuggel in das Land unterbinden.

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Beirut: Passagiermaschine verunglückt
Die Boeing 737-800 war mit 90 Menschen an Bord auf dem Weg nach Addis Abeba. Zunächst hatte es geheißen, sieben Menschen seien gerettet worden. Dies wurde jedoch von einem Sprecher der Fluglinie, Girma Wake, unter Berufung auf örtliche Behörden dementiert.

Die Regierung des Libanon hat den heutigen Montag zum Staatstrauertag erklärt. Premier Saad al-Hariri besuchte den Internationalen Flughafen, um mit Angehörigen zu sprechen, die aufgebracht darüber waren, dass die Maschine bei schlechtem Wetter überhaupt gestartet war.

Den libanesischen Streitkräften zufolge soll es an Bord der Maschine ein Feuer gegeben haben. Präsident Michel Suleiman erklärte, bislang deute nichts auf einen Terroranschlag hin. Er sagte: "Sabotage schließen wir derzeit aus." Vielmehr soll das schlechte Wetter eine Rolle gespielt haben. Lokalzeitungen hatten zunächst berichtet, ein Blitz habe in den Flieger eingeschlagen.

"Zweifellos war das Wetter sehr schlecht", sagte der libanesische Verkehrsminister Ghasi Aridi. Seit Sonntag fiel in Beirut starker Regen, und es gab Gewitter. Die Maschine der Ethiopian Airlines war gegen 2.30 Uhr Ortszeit in Richtung der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gestartet.

An Bord der Maschine waren laut libanesischen Angaben 83 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder. Ethiopian Airlines sprach von 82 Passagieren und acht Besatzungsmitgliedern. Unter den Fluggästen waren 54 Libanesen und 22 Äthiopier, außerdem Briten, Kanadier, Russen, Franzosen, Iraker und Syrer. Auch die Frau des französischen Botschafters im Libanon, Marla Pietton, soll unter de Passagieren gewesen sein.

ala/dpa/APD/Reuters



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