Absturz in Ägypten Fluggesellschaft schließt Defekt und Pilotenfehler aus

Die Fluggesellschaft Kogalymawia hält es für unmöglich, dass ihre Maschine ohne Fremdeinwirkung über dem Sinai auseinandergebrochen ist. Die einzige Erklärung für den Absturz sei "mechanische Einwirkung".

Wrackteil bei Hassana: Maschine soll im Flug auseinandergebrochen sein
AP/Russian Ministry for Emergency Situations

Wrackteil bei Hassana: Maschine soll im Flug auseinandergebrochen sein


Warum stürzte ein Airbus A 321 der sibirischen Fluggesellschaft Kogalymawia in Ägypten ab? Bislang wird vermutet, dass die Maschine in der Luft zerbrach. Die Airline teilte nun mit, es sei unmöglich, dass die Maschine wegen eines technischen Defektes oder eines Pilotenfehlers auseinandergebrochen sei. Ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft sagte, man schließe beides aus. Weder Risse noch ein Ausfall der Systeme oder schlechter Treibstoff hätten das Unglück bewirken können.

Die einzige Erklärung für den Absturz sei "mechanische Einwirkung". Die Crew habe keinen Notruf abgesetzt - zu diesem Punkt hatte es am Wochenende widersprüchliche Angaben gegeben. Der Fluggesellschaft zufolge verhindere irgendetwas außerhalb der Maschine eine Kontaktaufnahme der Crew mit der Flugkontrolle am Boden.

Die Auswertung der Flugschreiber ist noch nicht abgeschlossen. Vorläufige Erkenntnisse widersprechen aber offenbar den Angaben der Airline. Es habe keine Einwirkung von außen gegeben, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ein Mitglied des Teams, das die Flugschreiber untersucht.

Ein Vertreter des Airline-Besitzers sagte, das Unternehmen habe keinerlei finanzielle Probleme gehabt, die sich auf die Flugsicherheit ausgewirkt haben könnten. Der Airbus A321 sei in "hervorragendem technischem Zustand" gewesen.

Damit will die Fluggesellschaft offenbar Kritik vorbeugen, die die Moskauer Zeitung "Iswestija" formulierte: Weil es sich wohl nicht um einen Terrorakt handle, rücke "die Kritik an kleinen Fluggesellschaften und dem technischen Zustand von Maschinen in den Mittelpunkt". In der russischen Luftfahrtbranche gebe es Firmen, "die an allem sparen und trotz großen Risikos mit uralten Maschinen fliegen".

Im Video: Airbus offenbar in der Luft zerborsten

Der Fluggesellschaft zufolge wurde die Maschine vor kurzem gewartet. Bei einer Überprüfung beider Triebwerke am 26. Oktober in Moskau seien keine Probleme gefunden worden.

Mit ihrer Aussage steht die Airline im Widerspruch zum Kreml. Von dort hieß es, bislang könne keine Theorie zu einer Absturzursache ausgeschlossen werden - auch ein Terroranschlag nicht.

Das Passagierflugzeug vom Typ Airbus A 321 war auf dem Weg vom Badeort Scharm el Scheich nach St. Petersburg, als es am Samstag über der Sinai-Halbinsel abstürzte. Die Maschine soll vor dem Absturz rapide an Geschwindigkeit verloren haben.

Alle 224 Menschen an Bord starben. Inzwischen wurden die ersten Opfer nach Russland gebracht. In St. Petersburg begannen Experten mit der Identifizierung der Opfer. Spezialtransporter brachten erste sterbliche Überreste vom Flughafen der Stadt zu einem gerichtsmedizinischen Labor. Die Überreste werden mit Hilfe von DNA-Proben identifiziert und dann den Hinterbliebenen übergeben.

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Absturz auf dem Sinai: Russland trauert

ulz/Reuters/AP/AFP/dpa

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