Katastrophe in Lagos Deutscher Entwicklungshelfer stirbt bei Absturz in Nigeria

In der nigerianischen Metropole Lagos suchen Helfer weiter nach möglichen Überlebenden des Flugzeugabsturzes. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ging in Berlin die Meldung ein, dass unter den Todesopfern auch ein Deutscher ist.

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Nairobi/Berlin - Bei dem verheerenden Flugzeugabsturz in Nigeria sind nach Informationen von SPIEGEL ONLINE auch zwei Mitarbeiter der deutschen Entwicklungshilfeorganisation GIZ getötet worden. Dabei handelte es sich um einen deutschen Entwicklungshelfer und einen seiner einheimischen Kollegen der GIZ, hieß es von Sicherheitskräften in Nigeria. In Berliner Regierungskreisen wurde bestätigt, dass entsprechende Meldungen aus Nigeria gekommen seien.

Das Auswärtige Amt sagte am Morgen auf Anfrage, man gehe Hinweisen auf den Tod eines Deutschen intensiv nach. Das Ministerium bestätigt den Tod von Deutschen immer erst, wenn ein deutscher Beamter die Leiche zweifelsfrei identifiziert hat und die Angehörigen der Opfer informiert worden sind.

Die Maschine der Fluggesellschaft Dana Air war am Sonntagnachmittag in ein dicht besiedeltes Gebiet der nigerianischen Metropole Lagos gestürzt und in mehrere Teile zerbrochen. Augenzeugen berichteten kurz nach dem Unfall, ein kleines Mädchen sei lebend aus den Trümmern gerettet worden. Dafür gibt es jedoch bisher keine Bestätigung.

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Flugzeugabsturz: Trümmer in Lagos
Von den lokalen Behörden hieß es vielmehr, keiner der rund 150 Passagiere und Besatzungsmitglieder habe den Absturz überlebt. Zudem wird davon ausgegangen, dass beim Crash des Jets auch am Boden mehrere Menschen gestorben sind. Im Laufe des Vormittags stieg die Zahl der mutmaßlichen Opfer auf über 180. Die nigerianische Zeitung "Leadership" berichtete von über 30 toten Anwohnern und Passanten. Im Verlauf des Vormittags wurde auch der eine der beiden Flugschreiber geborgen.

Die Absturzursache ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Nach Angaben der lokalen Luftfahrtbehörde NCAA hatte die McDonnell Douglas MD-83 vor dem Crash eine Hochspannungsleitung gestreift. Der Pilot setzte daraufhin um 15.43 Uhr Ortszeit, elf Meilen vor der Landebahn, noch einen Notruf ab. Eine Minute später stürzte die Maschine ab.

Das Flugzeug rammte mindestens zwei Wohngebäude. Tausende Schaulustige strömten nach dem Absturz zum Unglücksort. Einige halfen der Feuerwehr, Schläuche auszurollen. Noch Stunden nach dem Unglück war Löschwasser knapp, junge Männer schleppten Plastikeimer mit Wasser herbei. Wegen der engen und überfüllten Straßen war die Absturzstelle für Fahrzeuge schwer zu erreichen.

Drei Tage Staatstrauer

Die Fluglinie Dana, die seit 2008 Inlandsflüge betreibt, galt bislang als eine der zuverlässigeren im Land. Nun gab es allerdings auch anderen Berichte. So berichtete die Zeitung "Leadership", die Unglücksmaschine sei wochenlang in Reparatur gewesen und schließlich vom indischen Management gegen den Willen des Operationschefs der Airline wieder in Betrieb genommen worden. Am 11. Mai soll die 22 Jahre alte Maschine - laut "Leadership" - wegen eines Hydraulikproblems bereits zu einer Notlandung in Lagos gezwungen gewesen sein, kurz davor habe es Fahrwerksprobleme bei einer Landung in der Stadt Uyo im Südosten des Landes gegeben.

Der zweistrahlige Jet war von der Hauptstadt Abuja unterwegs nach Lagos. Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Jonathan bete, "dass der Allmächtige den Familien der Opfer den Mut und die innere Stärke verleiht, ihren unersetzlichen Verlust zu ertragen", heißt es in einer Stellungnahme des Präsidentenbüros. Als der Präsident die Unglücksstätte am Montagmorgen besuchte, musste die Polizei Schaulustige mit Tränengas zurückhalten.

In den vergangenen 20 Jahren hat es allein in Nigeria sieben schwere Flugzeugabstürze gegeben, die Katastrophe am Sonntag war die gravierendste seit 1992, als eine Militärmaschine in Lagos kurz nach dem Start vom Himmel fiel. Damals starben über 200 Menschen. Erst am Samstagabend war in der ghanaischen Hauptstadt Accra während eines Gewitterregens eine nigerianische Frachtmaschine über die Landebahn hinausgeschossen und hatte einen Kleinbus getroffen. Die Bilanz: Zwölf Tote.

Afrika ist seit Jahren mit Abstand der Kontinent mit den meisten Flugunfällen. Zwischen 2005 und 2011 wurden allein im Kongo 25 Flugunfälle mit tödlichem Ausgang gezählt. Die große Mehrheit der afrikanischen Fluglinien steht auf der schwarzen Liste der EU und hat in Europa keine Start- und Landeberechtigung.

Mit Material von AP



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