Flugzeugabsturz in Russland Ermittler beginnen mit Identifizierung der Opfer

War es ein Fehler des Piloten? Oder versagte das Höhenruder? Nach dem Flugunglück in Russland mit 62 Toten gibt es mehrere Theorien zur Ursache. Die Flugschreiber wurden bereits gefunden.

Wrackteil der Unglücksmaschine in Rostow am Don
AFP

Wrackteil der Unglücksmaschine in Rostow am Don


Einen Tag nach dem Absturz der Passagiermaschine aus Dubai in Südrussland haben Experten in Rostow am Don mit der Identifizierung der 62 Opfer begonnen. Dies berichtet das russische Fernsehen. Hinterbliebene waren schon seit Samstag aufgefordert worden, Proben für einen Genvergleich abzugeben.

Eine fünf Jahre alte Boeing 737-800 des Billigfliegers FlyDubai aus Dubai war in der Nacht auf Samstag bei schlechtem Wetter über dem Flughafen von Rostow abgestürzt und in Flammen aufgegangen. Es gab keine Überlebenden.

Als Soforthilfe stellte die Fluggesellschaft den Familien jedes getöteten Passagiers 20.000 US-Dollar (etwa 17.750 Euro) in Aussicht. Die Fluggäste waren nach Angaben von FlyDubai 33 Frauen, 18 Männer und vier Kinder. Neben Russen saßen acht Ukrainer, zwei Inder und ein Usbeke in der Maschine. Die Besatzung von Flug FZ981 kam unter anderem aus Griechenland, Spanien, Zypern, Russland und Kirgisien.

Airline-Chef bittet um Geduld

Das oberste russische Ermittlungskomitee übernahm am Sonntag die Suche nach der Unglücksursache. Mitarbeiter des Flughafens, Fluglotsen, Meteorologen und Vertreter der Fluglinie seien bereits befragt worden, sagte ein Sprecher der Behörde. Nach russischer Einschätzung könnte der Absturz durch Seitenwindböen, einen technischen Defekt oder menschliches Versagen ausgelöst worden sein. "Zu den Versionen, die überprüft werden, gehört ein Fehler, den der Pilot womöglich bei dem schlechten Wetter gemacht hat, aber auch ein Versagen des Höhenruders", sagte ein nicht genannter Ermittler der Agentur Interfax. Der Chef von FlyDubai, Ghaith Al Ghaith, bat auf Facebook um Zeit für die notwendigen Ermittlungen.

Die zwei Flugschreiber der Boeing wurden gefunden und zur Auswertung nach Moskau gebracht. Die Geräte seien von außen beschädigt, das Auslesen der Daten könne nicht sofort beginnen, sagte ein Vertreter der Moskauer Luftfahrtaufsichtsbehörde MAK der Agentur Interfax. Ein Twitter-Post der Webseite Flightradar24.com zeigt die letzten Bewegungen der Maschine vor dem Unglück:

Der Sturm über Südrussland in der Nacht auf Samstag traf mehrere Flugzeuge. Einige landeten wohlbehalten in Rostow - wobei Passagiere hinterher berichteten, sie hätten in den Böen Todesangst ausgestanden. Ein Airbus der russischen Aeroflot aus Moskau versuchte dreimal zu landen und wich dann nach Krasnodar aus, etwa 250 Kilometer entfernt. Dorthin wurde auch ein Flugzeug von Czech Airlines aus Prag umgeleitet. Eine Maschine aus Istanbul kehrte zum Herkunftsflughafen zurück.

Die Boeing aus Dubai hatte der Pilot nach einem missglückten Anflug zunächst zwei Stunden über der Region kreisen lassen, er hielt mit dem Tower Kontakt wegen der Wetterlage. Eigentlich habe der Kapitän auch den verhängnisvollen zweiten Anflug abbrechen wollen, berichtete der TV-Sender Rossija24 unter Berufung auf Ermittler. "In dem Moment, als er eine weitere Schleife fliegen wollte, ist etwas geschehen, und die Maschine ist abgestürzt", sagte ein Korrespondent.

Die Nachrichtenagentur "Associated Press" zitiert einen Freund des Unglückspiloten, der sagte, der aus Zypern stammende Mann habe kurz vor einer Kündigung und einem Wechsel zu Ryanair gestanden - weil er dann mehr Zeit mit seiner Familie auf seiner Heimatinsel hätte verbringen können. Er habe jedoch nie schlecht über seinen Arbeitgeber gesprochen und sei sehr glücklich gewesen, als er vor eineinhalb Jahren zum Flugkapitän befördert wurde.

Trauernde am Flughafen von Rostow
AFP

Trauernde am Flughafen von Rostow

sto/dpa/AP

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