Flugzeugabsturz in Schiphol Piloten von Instrumententafel erschlagen

Warum stürzte die türkische Passagiermaschine nahe des Amsterdamer Flughafens auf einen Acker? Die Piloten setzten keinen Not-Funkspruch ab - jetzt hoffen Experten auf die Analyse der Cockpit-Gespräche.


Amsterdam - Der Schauplatz des Flugzeugsabsturzes nahe Amsterdam, ein Acker am Rande des Airports Schiphol, wird wohl noch für Tage abgesperrt bleiben. Die Trümmer der Boeing 737 der Turkish Airlines werden durchsucht, der inzwischen geborgene Flugschreiber wurde zur Auswertung nach Paris geschickt. Luftfahrtexperten hoffen durch die Analyse der Cockpit-Gespräche eine Erklärung für das Unglück zu bekommen.

Zur Ursache des Absturzes gebe es noch keine wesentlichen Erkenntnisse, sagte der Leiter der Untersuchung, Pieter van Vollenhoven. In einem Fernsehinterview äußerte sich der Experte "sehr überrascht" darüber, dass es nicht noch mehr Tote gegeben habe.

Neun Menschen starben, als die Maschine mit 134 Insassen an Bord am Mittwochvormittag im Landeanflug auf Schiphol plötzlich abstürzte, mit dem Heck zuerst auf den Acker krachte. Das Flugzeug brach in drei Teile. Die Triebwerke wurden abgerissen, eines wurde weit von der Maschine weggeschleudert. 86 Passagiere wurden verletzt, 24 schwer. Der Zustand von sechs Schwerverletzen ist nach Angaben der behandelnden niederländischen Ärzte lebensbedrohlich. Dem Umstand, dass die Maschine beim Aufprall nicht in Flammen aufging, ist es wohl zu verdanken, dass nicht noch mehr Menschen in den Trümmern umkamen. Die Piloten im Cockpit seien durch eine Instrumententafel erschlagen worden, hieß es.

Der dritte Pilot an Bord der Maschine, der 29-jährige Olgay Özgür, erhielt offenbar ein Training für den Typ Boeing 737-800, wenn er auch bereits seit 2004 eine Pilotenlizenz gehabt habe, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft am Donnerstag in Istanbul.

Derweil gib es Hinweise, dass der Absturz durch einen Ausfall beider Triebwerke verursacht worden sein könnte. "Wahrscheinlich ist etwas mit den Antrieben schiefgegangen", sagte der Experte Michel van Tooren von der Technischen Universität Delft. Spekulationen, wonach der Maschine der Treibstoff ausgegangen sein könnte, wurden nicht bestätigt. Experten schlossen nicht aus, dass der Pilot wegen technischer Probleme auf dem Feld notlanden wollte. Einen entsprechenden Funkspruch gab es jedoch nicht.

Die niederländische Königin Beatrix sprach den Angehörigen der Toten ihr Beileid aus. Auch Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende kondolierte - ebenso wie Tausende Menschen, die auf einer eigens eingerichteten Website Trauer und Bestürzung bekundeten.

Bei einem Besuch der Unglücksstelle lobte Balkenende den "professionellen Einsatz" aller Rettungskräfte. Dadurch seien viele Menschen in sehr kurzer Zeit aus den Trümmern des Flugzeugs geborgen und die Verletzten sehr schnell in Krankenhäuser gebracht worden.

pad/dpa



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