Air Algérie Passagiermaschine mit 116 Insassen stürzt über Mali ab

Auf dem Weg von Burkina Faso nach Algerien ist ein Passagierflugzeug abgestürzt. Nach Uno-Angaben ereignete sich das Unglück über Mali. An Bord der Maschine von Air Algérie waren 116 Menschen, darunter auch vier Deutsche.


Ouagadougou - Eine Maschine der Fluggesellschaft Air Algérie mit 116 Menschen an Bord ist über Mali abgestürzt. Das Flugzeug sei im Zentrum des Landes zwischen den Städten Gao und Tessalit verunglückt, sagte ein Kommandeur der Uno-Mission in Mali, Brigadegeneral Koko Essien. "Ich kann bestätigen, dass das Flugzeug abgestürzt ist", teilte ein Offizieller von der algerischen Luftfahrtbehörde mit. Die Ursache für das Unglück ist unklar, ebenso das Schicksal der Insassen.

Der algerische Ministerpräsident Abdelmalek Sellal sagte lokalen Medien zufolge, die Maschine sei in der Gao-Region, rund 500 Kilometer vor der algerischen Grenze verschwunden. Den letzten Kontakt habe es mit einem Kontrollturm im Niger gegeben. Laut "Aviation Herald" gibt es keine Meldung eines Flughafens, den die Maschine mit dem Treibstoff an Bord hätte erreichen können. Der Flughafen Ouagadougou veröffentlichte auf Facebook eine Karte mit dem möglichen Absturzgebiet.

Das Flugzeug gehört der spanischen Airline Swiftair. Air Algérie hatte die Maschine gechartert. Die Fluggesellschaft verlor nach eigenen Angaben den Kontakt zu dem Flugzeug im Luftraum über Afrika. Die Verbindung mit der Flugüberwachung riss etwa 50 Minuten nach dem Start in der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou ab. Das Flugzeug war auf dem Weg nach Algier. Es sollte Angaben der Website flightradar24.com zufolge um 0.45 Uhr starten und um 4.40 Uhr landen. Laut Essien war das Wetter in der mutmaßlichen Absturz-Region über Nacht schlecht.

Dutzende Franzosen in verschollenem Flugzeug

An Bord waren 110 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder. "Es waren Franzosen an Bord, und sicherlich viele von ihnen", sagte Frankreichs Verkehrsminister Frederic Cuvillier. Air Algérie bestätigte dem französischen Nachrichtensender BFMTV, rund 50 Franzosen seien an Bord gewesen. Unter den Passagieren waren demnach auch vier Deutsche, mehr als 20 Burkiner, acht Libanesen, sechs Algerier, fünf Kanadier und zwei Luxemburger. BFMTV meldete, auch eine Nichte Fidel Castros sei an Bord gewesen. Nach Angaben der spanischen Pilotengewerkschaft Sepla sind die sechs Besatzungsmitglieder Spanier.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, Berlin bemühe sich "mit Hochdruck um Aufklärung", ob deutsche Staatsangehörige betroffen seien. Die deutsche Botschaft in Ouagadougou sei eingeschaltet.

Die französische Luftwaffe nahm unterdessen die Suche nach der Maschine auf. Zwei Kampfjets vom Typ Mirage-2000 von einem Stützpunkt in N'Djamena, der Hauptstadt des Tschad, starteten zu einer Suchmission, wie ein Sprecher des französischen Generalstabs sagte. Das Suchgebiet erstrecke sich vom Punkt der letzten Ortung in Richtung der "wahrscheinlichen" Flugroute. Frankreichs Außenministerium richtete ein Krisenzentrum ein. Außenminister Laurent Fabius sagte, trotz intensiver Suche sei noch keine Spur von dem Flugzeug gefunden worden. Die Maschine sei "wahrscheinlich abgestürzt".

Frankreich unterhält in dem zentralafrikanischen Staat Tschad eine Militärbasis, ist aber auch seit eineinhalb Jahren federführend an einem Anti-Terror-Einsatz gegen aufständische Islamisten in Mali beteiligt. Das Absturzgebiet soll innerhalb der früher stark umkämpften Zone liegen. Zuletzt waren noch rund 1700 französische Soldaten in Mali im Einsatz.

Flug AH5017 wurde laut flightradar24.com mit einer Maschine des Typs McDonnell Douglas MD-83 angeboten. Es war die einzige Verbindung am Donnerstag zwischen den Städten. Die MD-83 ist ein zweistrahliger Jet und wurde bis in die neunziger Jahre Jahre von McDonnell Douglas hergestellt. Das Unternehmen ging 1997 mit Boeing zusammen.

Kursänderung wegen Kollisionsgefahr in Sturm?

"Das Flugzeug war nicht weit von der algerischen Grenze entfernt, als die Besatzung aufgefordert wurde, wegen schlechter Sicht den Kurs zu ändern, um eine Kollision mit einem anderen Flugzeug auf der Strecke Algier-Bamako zu vermeiden", sagte ein Mitarbeiter von Air Algérie, der namentlich nicht genannt werden wollte. Nach der Kursänderung sei die Maschine verschwunden.

Der Verkehrsminister von Burkina Faso, Jean Bertin Ouedrago, teilte hingegen mit: Kurz vor dem Verschwinden des Flugzeuges habe die Crew um eine Kursänderung wegen eines Unwetters in der Gegend gebeten. Der französische Luftsicherheitsexperte Alain Bauer hielt in der französischen Tageszeitung "Figaro" einen wetterbedingten Unfall für sehr wahrscheinlich.

Swiftair hatte ebenfalls bestätigt, man habe Kontakt mit einer Maschine verloren, die von Air Algérie genutzt werde. Swiftair zufolge startete die Maschine um 1.17 Uhr und sollte um 5.10 Uhr landen. Das Flugzeug kam aber niemals in Algier an.

Es wurde bereits seit Stunden vermisst, ehe der Vorfall öffentlich gemacht wurde. Rettungsmannschaften und die Fluggesellschaft arbeiteten daran, die Umstände des Verschwindens zu klären, teilte Swiftair mit.

Swiftair verfügt nach eigenen Angaben über eine Flotte von 30 Maschinen und beschäftigt 400 Mitarbeiter. Sie verchartert ihre Flugzeuge an Unternehmen, Behörden, internationale Organisationen und an andere Fluglinien. Die Flugzeuge der Firma sind demzufolge in Europa, Afrika und Nahost im Einsatz.

ulz/wit/vez/AFP/Reuters/AP/dpa



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