Flugzeugcrash in Mailand "Es hörte sich an wie eine Bombe"

Kurz vor 18 Uhr ist eine Maschine in den 25. Stock eines Hochhauses in Mailand gerast. Die oberen Stockwerke des Gebäudes standen in Flammen. Inzwischen ist der Brand unter Kontrolle. Der italienische Innenminister Claudio Scajola geht von einem Unfall aus.


in den oberen Stockwerken kam es zu mehreren Explosionen
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in den oberen Stockwerken kam es zu mehreren Explosionen

Mailand - Bei dem Unglück kamen nach italienischen Medienberichten mindestens vier Menschen ums Leben. Unter den Toten ist auch der Pilot. Außerdem wurden ungefähr 60 Menschen verletzt, zehn davon schwer. Verwundete wurden noch an Ort und Stelle auf der Straße verarztet. Zunächst hatten Meldungen, es könnte sich um ein Terrorattentat handeln, für Panik gesorgt. Der italienische Senatspräsident Marcello Pera erklärte kurz nach dem Zwischenfall, es handele sich höchstwahrscheinlich um einen Anschlag. Auch Innenminister Claudio Scajola war zunächst von einem Attentat ausgegangen. Später korrigierte er die Aussage. Es handle sich um einen Unfall, sagte er. Die italienische Regierung setzte einen Krisenstab ein. Ministerpräsident Silvio Berlusconi brach einen Bulgarien-Besuch ab.

Nach Medienberichten soll der 55-jährige Pilot, Luigi Fasulo, Probleme mit dem Fahrwerk gemeldet haben. Er habe SOS gefunkt, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Nach Augenzeugenberichten soll das Flugzeug schon vor dem Einschlag gebrannt haben. Der Pilot, der sich allein in der Piper befunden haben soll, hat angeblich beim Mailänder Flughafen eine Notlandung angemeldet. Da die normale Notlandebahn jedoch nicht zur Verfügung stand, soll ihm eine andere Landebahn, Richtung Stadt, zugewiesen worden sein. Nach Angaben des Flughafens habe der Pilot plötzlich abgedreht, nachdem er bereits einen Notruf abgesetzt hatte.

Noch ist unklar, wie viele Menschen in dem Flugzeug saßen
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Noch ist unklar, wie viele Menschen in dem Flugzeug saßen

Bei der Maschine soll es sich um ein Piper-Kleinflugzeug handeln. Die Maschine soll in Locarno im Schweizer Kanton Tessin gestartet sein. Augenzeugen berichteten, in den oberen Stockwerken sei es zu mehreren Explosionen gekommen. Oberhalb der Einschlagstelle im 25. Stock des so genannten Pirelli-Hochhauses standen mehrere Etagen in Flammen. Sie sollen jedoch leer gestanden haben, da dort momentan Renovierungsarbeiten ausgeführt werden.

Im Gebäude sollen sich zum Zeitpunkt des Unglücks nur noch 15 Menschen befunden haben. Die meisten hatten am späten Nachmittag ihre Büros bereits verlassen. "Wir haben eine riesigen Knall gehört. Der Wolkenkratzer hat gewackelt, dann sind wir alle über die Treppen geflüchtet," sagte ein Mann, der in dem Hochhaus war, als das Flugzeug einschlug. Eine Augenzeugin sagte: "Es hörte sich an wie eine Bombe. Der Boden zitterte wie bei einem Erdbeben."

Mindestens 20 Menschen sollen verletzt worden sein
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Mindestens 20 Menschen sollen verletzt worden sein

Eine Feuerwehreinheit wurde per Helikopter auf dem Dach des Gebäudes abgesetzt. Sie arbeitet sich Stockwerk für Stockwerk nach unten, retten Verletzte und Eingeschlossene aus Fahrstühlen. 80 Rettungskräfte waren im Einsatz sein.

Kurz nach Bakanntwerden des Zwischenfalls war in Mailand das Handy-Netz vollkommen überlastet. Die Polizei rief die Bürger auf, keine Mobiltelefone zu benutzen.

In dem 127 Meter hohen Pirelli-Hochhaus befinden sich Büros der Regionalbehörde der Lombardei. Das Gebäude befindet sich nahe des Mailänder Hauptbahnhofs, es gilt als Symbol der italienischen Finanzwirtschaft.



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