Moskau - Eine Region trauert, und die Eishockey-Fans stehen unter Schock: Der Absturz der Maschine mit der Mannschaft des Eishockey-Clubs Lokomotive Jaroslawl sorgt für Bestürzung. In der Stadt, die circa 280 Kilometer nordöstlich von Moskau entfernt liegt, erinnerten in der Nacht etwa 3000 Eishockey-Fans mit Kerzen und Blumen an die Opfer. Kirchenglocken schlugen. "Vielen Dank, Jungs", stand auf einem Plakat. Die Region Jaroslawl gedenkt von diesem Freitag an mit drei Trauertagen der Opfer.
Am Donnerstagmorgen beendeten die Behörden in Russland die Bergungsarbeiten. Alle 43 Toten seien geborgen, teilte das Zivilschutzministerium am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax mit. Taucher hätten insgesamt 30 Tauchgänge in die Wolga unternommen. Teile der Maschine waren in den Fluss gestürzt.
Insgesamt waren 45 Menschen an Bord der Maschine vom Typ Jak-42. Nur zwei Menschen überlebten das Unglück schwerverletzt: der Eishockey-Spieler Alexander Galimow und ein Besatzungsmitglied. Die beiden Überlebenden befinden sich nach Krankenhausangaben in kritischem Zustand.
An Bord der Unglücksmaschine war der gesamte Kader des dreimaligen russischen Eishockey-Meisters Lokomotive Jaroslawl, darunter zahlreiche Weltklassespieler. Unter den Opfern ist auch der deutsche Eishockey-Nationalspieler Robert Dietrich. Er war mit seinen Teamkollegen auf dem Weg zum Auswärtsspiel in der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Der gebürtige Kasache Dietrich war erst vor wenigen Wochen vom deutschen Erstligisten Adler Mannheim nach Jaroslawl gewechselt.
Liga sagt Spieltag ab
Ermittler schickten die Flugschreiber zur Untersuchung nach Moskau. Die wahrscheinlichste Unglücksursache sei, dass eines der Triebwerke ausgefallen sei, sagte ein namentlich nicht genannter Flughafenmitarbeiter zu Interfax.
Die Agentur Ria Nowosti zitierte einen Mitarbeiter der Luftfahrtindustrie, nach dessen Ansicht das Flugzeug mit minderwertigem Treibstoff betankt worden sei. Angeblich gewann die Maschine nach dem Start vom Flughafen Jaroslawl zu langsam an Höhe, streifte eine Antenne und zerschellte dann am Boden.
Als Reaktion auf das Unglück sagte die Kontinentale Eishockey-Liga (KHL) alle Partien des ersten Spieltags ab, der Saisonbeginn wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Darauf hätten sich der KHL-Aufsichtsratsvorsitzende Wjatscheslaw Fetissow, KHL-Präsident Alexander Medwedew und der Vorsitzende der Spielervereinigung, Andrej Kowalenko, geeinigt, teilte die KHL mit. Die Spielervereinigung rief zu Spenden für die Angehörigen der Opfer auf.
Offenbar sollen Spieler aus anderen Vereinen das Team neu aufbauen. "Viele Jungs haben in den ersten Stunden nach der Tragödie ihren Wunsch erklärt, für Lokomotive zu spielen", sagte Fetissow dem TV-Sender Rossija 24. Bereits in zwei bis drei Tagen könne eine neue Mannschaft aufgestellt werden, die sofort in der KHL mitspielt. Cheftrainer der neuen Mannschaft soll nach Angaben von Fetissow der Coach der Lokomotive-Nachwuchsmannschaft, Pjotr Worobjow, werden.
ulz/dpa/sid
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