Polizeieinsatz in Berlin: Labor bestätigt Verdacht auf Flusssäure

Spurensicherung an einer Berliner Haltestelle: Geringe Mengen Flusssäure gefunden Zur Großansicht
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Spurensicherung an einer Berliner Haltestelle: Geringe Mengen Flusssäure gefunden

Erst wurde Alarm ausgelöst, dann folgte die Entwarnung - nun hat ein Labor nachgewiesen, dass an sechs Bus- und Straßenbahnhaltestellen in Berlin tatsächlich Flusssäure gefunden wurde. Drei Menschen wurden verletzt.

Berlin - Säure-Alarm am Berliner Alexanderplatz: Zwei Männer und ein zwölfjähriges Mädchen sind verletzt worden, nachdem sie an Bus- und Straßenbahnhaltestellen mit ätzender Flusssäure in Kontakt gekommen waren. Auf einigen Scheiben der Haltestellen seien Rückstände der Säure nachgewiesen worden, teilte die Polizei am Dienstagnachmittag mit. Zuvor hatte sie entsprechende Berichte dementiert.

Am Morgen waren die Beamten in Berlin-Mitte zu einem mehrstündigen Einsatz ausgerückt. Zwei Mitarbeiter eines Unternehmens, das Werbeplakate an Nahverkehrshaltestellen anbringt, hatten sie in die Karl-Liebknecht-Straße gerufen und über Atemwegsreizungen geklagt. Die beiden 28 und 62 Jahre alten Männer kamen ins Krankenhaus.

Gegen 11.30 Uhr meldete sich die Mutter einer Zwölfjährigen. Die Schülerin berichtete von Schmerzen im Arm, nachdem sie an einer Bushaltestelle an der Marienkirche in eine Flüssigkeit auf einer Sitzbank gegriffen hatte. Das Mädchen wurde im Krankenhaus ambulant behandelt.

In der Zwischenzeit hatten Experten einige Scheiben aus dem Straßenbahnhäuschen begutachtet. Der Verdacht auf eine Beschädigung durch Flusssäure bestätigte sich zunächst nicht. Erst im Labor ließen sich "geringe Mengen" der Säure nachweisen, wie die Polizei später mitteilte.

Flusssäure ist eine farblose, stechend riechende Flüssigkeit, die stark ätzend ist und Haut sowie Atemwege angreift. Gefürchtet ist sie unter anderem bei Betreibern von öffentlichen Verkehrsmitteln, weil sie häufig von "Scratchern" benutzt wird, um Symbole in die Scheiben zu ätzen.

Über weitere Verletzungen und Schäden sei bislang nichts bekannt, hieß es bei der Polizei. Die Beamten stellten Anzeigen gegen Unbekannt wegen des Freisetzens von Giften, Sachbeschädigung und Körperverletzung.

aar/dpa/dapd

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Ich kann nicht glauben ...
westerwäller 29.01.2013
... dass "Scratcher" schon seit längerem Flusssäure für ihre "Kunstwerke" benutzen ... Bei diesem gefährlichen Stoff (in der hier benötigten recht hohen Konzentration) hätten die sich - bei ihrer notorischen Dummheit - schon längst selbst aus dem Geschehen eliminiert ... Ätzt übrigens nur "echze" Glas und kein "Plexiglas" ....
2. Ganz schön verharmlosend
tssd47 29.01.2013
ausgedrückt, wenn es heißt, Flusssäure sei stark ätzend. Die Ätzwirkung ist bei F. nur eine Nebensache, F ist hochgiftig. Das schlimme daran ist, dass man kaum Schmerzen verspürt, und wenn eine Handtellergroße Hautpartie mit F benetzt ist kann man dabei hops gehen.
3. Nicht ganz richtig
kanopus 29.01.2013
Zitat von tssd47ausgedrückt, wenn es heißt, Flusssäure sei stark ätzend. Die Ätzwirkung ist bei F. nur eine Nebensache, F ist hochgiftig. Das schlimme daran ist, dass man kaum Schmerzen verspürt, und wenn eine Handtellergroße Hautpartie mit F benetzt ist kann man dabei hops gehen.
Die Ätzwirkung mag tatsächlich nebensächlich sein, aber fast schmerzfrei ist so ein Flusssäure-Unfall keineswegs. Vielmehr kommt es nach einer gewissen Latenzzeit zu tiefgreifenden Schädigungen und rasenden Schmerzen, da duch die Ausfällung von Calcium als Calciumflourid ein lokaler Kaliumüberschuss entsteht, der die Nervenenden reizt.
4.
7eggert 29.01.2013
Ich habe nur mit einer schwächeren Säure Erfahrung, nämlich mit Essigsäure beim Basteln über einige Zeit eingewirkt. Dort war die Verätzung wie ein Sonnenbrand spürbar. Daher hätte ich jetzt erwartet, daß man stärkere Verätzungen ähnlich oder wie Verbrennungen spürt.
5. ...
JDR 29.01.2013
Zitat von sysopErst wurde Alarm ausgelöst, dann folgte die Entwarnung - nun hat ein Labor nachgewiesen, dass an sechs Bus- und Straßenbahnhaltestellen in Berlin tatsächlich Flusssäure gefunden wurde. Drei Menschen wurden verletzt. Flusssäure-Alarm in Berlin: Polizei bestätigt ätzende Substanz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/flusssaeure-alarm-in-berlin-polizei-bestaetigt-aetzende-substanz-a-880413.html)
Hmm, wenn das Phänomen an mehreren Bushaltestellen aufgetreten ist, dann scheint es sich ja wohl weniger um ein Versehen zu handeln, als um Absicht. Dies wiederum wirft die Frage auf, ob in Berlin eine ganze Reihe potenziell gefährlicher Psychopathen lebt, oder ob verschiedene Ereignisse (Brandanschläge auf die Bahn, Giftanschläge auf dem Weihnachtsmarkt, Säureanschläge an Bushaltestellen) von einem hochgefährlichen Serientäter verübt wurden. Gegen die letztere Annahme sprechen die sehr unterschiedlichen Vorgehensweisen. Jedoch gibt es auch mögliche Gemeinsamkeiten. So wurde in allen Fällen mit chemischen Substanzen "experimentiert", welche nicht in jedem Alltagshaushalt zu finden sind. Die Brandanschläge und jetzigen Säureanschläge verbindet zudem stark das Thema Mobilität. Damals kam einem der Gedanke an Schwarzfahrer in den Sinn. Wenn die selbe Person nun wegen Schwarzfahrens vom Busbetreiber angegangen wurde, könnte dies das neuerliche Aufbrechen erklären. Bei den Brandanschlägen wurde die Möglichkeit eines Pärchens in Betracht gezogen. Als ein Aspekt der Giftanschläge wurde ein mögliches Ende einer Beziehung in Betracht gezogen. Die Veränderung in der Dynamik könnte den weniger exzessiven Stil der neuen Anschläge erklären. Egal, ob es sich nun um einen oder mehrere Täter handelt. Es ist mehr als an der Zeit, dass die Berliner Polizei die Fähigkeit entwickelt, solche Angriffe aufzuklären.
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