Flut in Thailand: Hochwasserlage in Bangkok spitzt sich zu
Im Norden Bangkoks drohen weiträumige Überschwemmungen: Das Hochwasser schwappt immer weiter in die Außenbezirke der thailändischen Hauptstadt. Regierungschefin Shinawatra spricht von einer besorgniserregenden Lage - mit einer Entspannung wird erst Anfang November gerechnet.
Bangkok - Das bedrohlich steigenden Hochwasser vor Bangkok drückt immer weiter in die Außenbezirke der thailändischen Hauptstadt - und versetzt Millionen Menschen in Alarmbereitschaft. Der Gouverneur rief die Einwohner entlang des mächtigen Flusses Chao Phraya am Sonntag auf, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen und Notunterkünfte anzusteuern. Ein paar hundert Meter vom Königspalast in der Altstadt entfernt habe das Wasser am Abend (Ortszeit) bis an die Deichkante gestanden, berichteten Augenzeugen. Einige Straßen waren knöcheltief überschwemmt. In vielen Supermärkten gingen Trinkwasser und Fertiggerichte aus.
"Das Wasser dürfte (in einigen Bezirken) einen halben bis einen Meter steigen, und wir wissen nicht, wann es abfließt", sagte Regierungschefin Yingluck Shinawatra. In der Povinz Nonthaburi nördlich von Bangkok wurde ein zweieinhalb Meter langes Krokodil gefangen. Politiker warnten die Einwohner davor, nachts auf die Straßen zu gehen. Es seien zwei Krokodilfarmen mit 20 Tieren überschwemmt worden und mehrere der Reptilien entkommen.
Yingluck fürchtet, dass das Hochwasser mehr als vier Wochen anhalten könne. Strom- und Wasserversorger sowie andere wichtige Gebäude würden besonders geschützt. Die prekäre Situation wird sich nach Behördenangaben frühestens in der ersten Novemberwoche entspannen.
Yingluck bezeichnete die Lage als besorgniserregend. In sieben Bezirken stand das Wasser bis zu 30 Zentimeter hoch. In den Straßen verkehrten Schlauchboote. Die Luftwaffe habe schwer kranke Patienten aus Krankenhäusern in weiter entfernte Spitäler in den Provinzen ausgeflogen, berichtete die Zeitung "Nation". Ein Campus der Thammasat-Universität sei 70 Zentimeter unter Wasser gestanden, berichtete der Rektor der Lokalpresse. In dem Gebäude hätten mehr als 4000 Menschen Zuflucht gesucht. Er brauche Trinkwasser und Nahrung für die Menschen.
Tausende Soldaten und Freiwillige im Einsatz
Ein Drittel der thailändischen Provinzen steht nach den verheerenden Monsunregen teilweise unter Wasser. 356 Menschen sind nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde ums Leben gekommen. 2,5 Millionen Menschen sind betroffen. 720.000 Menschen seien wegen der Überschwemmungen erkrankt, sagte der Gesundheitsminister. Sieben Industrieparks mit Hunderten Fabriken und mehr als 400.000 Angestellten sind überschwemmt.
Das wirtschaftliche Zentrum Bangkoks mit unzähligen Firmensitzen und Hotels blieb bislang trocken. Die Stadtverwaltung tut alles, um die Wassermassen umzuleiten. In der Monsunsaison in Thailand ist 30 bis 45 Prozent mehr Regen gefallen als in vergangenen Jahren. 20 Milliarden Kubikmeter Wasser müssen aus den Überschwemmungsgebieten in Zentralthailand in den Golf von Thailand abfließen. Bangkok liegt genau dazwischen. Bis zur Mündung des Chao Phraya im Golf von Thailand sind es rund 35 Kilometer.
Die Anwohner des Chao Phraya sind Überschwemmungen gewohnt. Der Fluss tritt jedes Jahr in der Regenzeit über die Ufer. Prekärer war die Lage nördlich der Innenstadt. In der Umgebung des alten Flughafens Don Mueang standen zahlreiche Straßen unter Wasser, weil die Hochwassermassen aus Zentralthailand Richtung Süden drückten und die Kanäle durch Bangkok füllten.
In der Provinz Nonthaburi nördlich der Zwölf-Millionen-Metropole wurden Chemikalien im Hochwasser entdeckt. Sie seien aus einer Batteriefabrik ausgelaufen, sagte der Sprecher. Das Leck sei geschlossen worden. An zahlreichen Stellen brachen die Wälle aus Sandsäcken. Tausende Soldaten und Freiwillige waren teils mit Baggern rund um die Uhr im Einsatz, um Dämme zu verstärken.
wit/dpa/dapd
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Bevölkerung: 68,139 Mio.
Fläche: 513.000 km²
Hauptstadt: Bangkok
Staatsoberhaupt: König Bhumibol Adulyadej
Regierungschefin: Yingluck Shinawatra
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