Islamabad/New York - Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Welt eindringlich zur Hilfe für die Flutopfer in Pakistan aufgerufen. 15 bis 20 Millionen Menschen seien in Not, sagte Ban am Donnerstag zum Auftakt einer internationalen Geberkonferenz bei den Vereinten Nationen in New York. " Pakistan ist mit einem Zeitlupen-Tsunami konfrontiert."
Der Generalsekretär warnte mit Blick auf Vorhersagen, nach denen noch vier weitere Wochen Monsun zu erwarten seien: "Die zerstörerische Kraft wird... im Laufe der Zeit noch zunehmen." Auf der Tagung der Uno-Vollversammlung soll mehr Geld für die Opfer des Jahrhunderthochwassers beschafft werden. Die Vereinten Nationen befürchten, dass die bisher geforderten knapp 460 Millionen Dollar Nothilfe für das überflutete Pakistan nicht ausreichen.
Die Konferenz "wird die Gelegenheit sein, seine Solidarität auszudrücken und konkret zu helfen", sagte der Präsident der Vollversammlung, der Libyer Ali Abdussalam Treki. Die Fluten haben nach jüngsten Angaben etwa 4,6 Millionen Pakistaner obdachlos gemacht. Bisher war die Uno von zwei Millionen Obdachlosen unter den bis zu 20 Millionen Betroffenen ausgegangen.
Drei Wochen nach Beginn der Überschwemmungen steht etwa ein Fünftel von Pakistan - eine Fläche so groß wie Italien - unter Wasser. Jüngsten Angaben der Katastrophenschutzbehörde NDMA zufolge wurden bei den Fluten 1491 Menschen getötet und 2052 weitere verletzt. Fast eine Million Häuser wurden zerstört.
Bislang lief die Nothilfe für Pakistan schleppend an. Von den insgesamt 460 Millionen Dollar (rund 357 Millionen Euro), welche die Uno vergangene Woche erbeten hat, sind erst gut die Hälfte bewilligt.
Unmittelbar vor der Sondersitzung der Uno-Vollversammlung über eine schnellere Hilfe bat die Regierung des unter einer Überschwemmungskatastrophe leidenden Landes erneut eindringlich um Unterstützung. "Wir brauchen internationale Hilfe, und wir brauchen sie jetzt", sagte Außenminister Shah Mehmood Qureshi am Donnerstag in New York.
Gefechte zwischen Taliban-Kämpfern und Sicherheitskräften
Ungeachtet der Katastrophe kam es im Nordwesten des Landes zu Gefechten zwischen Taliban-Kämpfern und Sicherheitskräften. Dabei starben neun Menschen. Wegen verschmutzten Trinkwassers bei der Jahrhundertflut starben drei weitere Kinder in einem Auffanglager an Krankheiten. Es habe sich um zwei Jungen und ein Mädchen im Alter zwischen zweieinhalb und sechs Jahren gehandelt, sagte der Sprecher der pakistanischen Hilfsorganisation Edhi, Qamar Abbas. Zu den Todesfällen sei es in einem Lager in der südpakistanischen Hafenstadt Karachi gekommen.
"Drei Kinder sind im Camp an Magen-Darm-Entzündungen gestorben, eine Krankheit, die durch schmutziges Wasser hervorgerufen wird", sagte Abbas. "Diese Todesfälle sind ein Grund für große Sorge." Hilfsorganisationen befürchten wegen des Mangels an sauberem Wasser den Ausbruch von Seuchen im Katastrophengebiet.
Schätzungen zufolge sind rund die Hälfte der von der Flut in Pakistan betroffenen Menschen Kinder. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen kündigte an, es werde angesichts des großen Leids in Pakistan das Dreifache der bislang angeforderten Nothilfe verlangen. Anstelle der bislang errechneten Summe von 47 Millionen Dollar werde Unicef mindestens 141 Millionen Dollar benötigen, sagte der Regionaldirektor für Südasien, Daniel Toole, am Donnerstag telefonisch aus der Provinz Punjab.
Bundesregierung gibt mehr Geld
Die Bundesregierung hat ihre finanzielle Unterstützung für die Hochwasseropfer aufgestockt. Die Gelder werden von bisher 15 Millionen Euro auf 25 Millionen Euro erhöht, wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mitteilte. "Das Ausmaß der Überschwemmungen in Pakistan ist weitaus größer als ursprünglich angenommen." Deutschland beteiligt sich auch an internationalen Hilfsmaßnahmen und stellt nach Regierungsangaben damit insgesamt 68 Millionen Euro zur Verfügung.
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) begrüßt die Aufstockung, mahnt jedoch eine genaue Kontrolle der Mittel an. DRK-Präsident Rudolf Seiters appellierte im Berliner "Tagesspiegel" an die Bundesregierung, "ebenso wie die humanitären Organisationen strikt darauf zu achten, dass die Gelder direkt bei den Bedürftigen ankommen". Er regte an, wenn staatliche Gelder aus Deutschland bereitgestellt werden, "solle sich die Bundesregierung der Erfahrung und der Kompetenz von Organisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz bedienen".
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) vervielfachte seinerseits den Hilfsappell auf 73,6 Millionen Dollar - vier Mal so viel wie bislang. Das zusätzliche Geld werde gebraucht, um die immer größer werdende Not der Flutopfer zu lindern, teilte die Organisation am Donnerstag in Genf mit. Das Geld werde dem pakistanischen Roten Halbmond helfen, Menschen zu retten und die medizinische Versorgung und Unterbringung von über 900.000 Pakistanern zu verbessern. Die Organisation stellt mit rund 130.000 freiwilligen Helfern eine der größten Hilfsaktionen in den Katastrophengebieten.
siu/can/AFP/dpa/ddp/apn
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