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Flutkatastrophe: Polens Innenminister gibt Bibern Schuld am Hochwasser

Der Pegel der Oder steigt stetig, Brandenburg rüstet sich für Überschwemmungen, in Polen ist die Lage schlimmer als erwartet. Innenminister Jerzy Miller hat nun die Schuldigen an der Flutkatastrophe ausgemacht: Biber sollen das Hochwasser verursacht haben.

Hochwasser: Land unter in Polen Fotos
dpa

Warschau - Die schweren Überschwemmungen in Polen ließen Deiche brechen, überfluteten Dörfer und kosteten 15 Menschen das Leben. Innenminister Miller erklärte dazu: "Der größte Feind der Deiche ist ein Tier, das sich Biber nennt. Biber leben überall an den Weichseldeichen und tragen zu ihrer Zerstörung bei", sagte Miller auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Warschau.

Der polnischen Naturschutzbehörde zufolge leben 50.000 Biber im Land, teilweise stehen sie unter Schutz. Nach den Überschwemmungen wurden aber mehr Tiere zur Jagd freigegeben.

Nicht alle Experten geben jedoch alle Schuld den Bibern. "Die Biber graben Tunnel in den Deichen und destabilisieren sie so von innen", sagte Feuerwehrsprecher Pawel Fratczak. "Aber sie sind nicht die einzigen, es gibt auch noch die Wühlmäuse."

In Brandenburg wird voraussichtlich am Wochenende die Hochwasser-Alarmstufe 4 ausgerufen. Das kündigte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, am Dienstag in Frankfurt an der Oder an. Die Alarmstufen beginnen mit der unteren Kategorie 1. Bei Alarmstufe 4 besteht die Gefahr, dass Deiche und Dämme überflutet werden.

"Es geht am Freitag richtig los, jetzt steigt die Oder noch moderat", sagte Matthias Freude. Gleichzeitig gab der Fachmann Entwarnung: "Wir haben 1997 sechs Wochen Höchstwasserstände gehabt. So lange wird es dieses Mal bestimmt nicht dauern." Die Experten rechnen mit drei Tagen. Auch die Höhe der Wasserstände von 1997 dürfte diesmal nicht erreicht werden.

Viele Menschen müssen mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden

In Polen kämpfen die Menschen schon seit Tagen gegen die Fluten der Oder und der Weichsel: Nach einem Deichbruch bei Plock, rund hundert Kilometer von Warschau entfernt, wurden bisher 18 Ortschaften überflutet. Rund 200 Warschauer Schulen in Ufernähe waren seit Montag geschlossen. Unter Wasser steht polnischen Medien zufolge ein Gebiet von rund 8000 Hektar.

Um weitere bedrohte Orte zu schützen, wurde am Montag der Deich an mehreren Stellen gesprengt, berichtete der Fernsehsender TVN24. Die Behörden erhoffen sich von dieser Maßnahme, dass die Weichsel in ihr Flussbett zurückfließt.

Aus der Krisenregion müssen etwa 4000 Menschen und Tausende Tiere in Sicherheit gebracht werden. Im schlimmsten Fall könnten sogar zehntausend Einwohner der Gemeinden Gabin und Slubice gefährdet sein.

Polizeisprecher Mariusz Sokolowski appellierte an die Anwohner in den Flutgebieten, die Evakuierungsangebote der Behörden anzunehmen. Zu oft zögerten die Menschen aus Angst vor Einbrüchen bis zum letzten Augenblick. Das sei sehr riskant, warnte er. Nach dem Deichbruch in Swiniary bei Plock müssten viele Menschen, darunter Kinder, mit Hubschraubern in Sicherheit geflogen werden.

jjc/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 77 Beiträge
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1. die biber sind schuld
Gebetsmühle 25.05.2010
Zitat von sysopDer Pegel der Oder steigt stetig, Brandenburg rüstet sich für Überschwemmungen, in Polen ist die Lage schlimmer als erwartet. Innenminister Jerzy Miller hat nun die Schuldigen an der Flutkatastrophe ausgemacht: Die Biber sollen das Hochwasser verursacht haben. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,696581,00.html
mein gott, wie kann man sich noch mehr entblöden? die biber sind jetz plötzlich schuld dass es 40 l auf den quadratmeter versiegelten boden regnet. jedes kind weiß, dass die biber das genaue gegenteil bewirken, nämlich den geregelten abfluß von wasser. unfassbar wie wenig ahnung solche politiker von der natur haben.
2. Erklärungsversuch
Mo2 25.05.2010
Die Biber haben sicher auch die Flugzeugelektrik der Präsidentenmaschine angenagt - und Jerzy Millers Gedankenbahnen...
3. Böser Biber
maipiu 25.05.2010
Ist das Wasser dem polnischen Innenminister schon ins Hirn gelaufen? So einen Schwachsinn habe ich noch selten gehört. Allerdings dass Hochhäuser in Überschwemmungsgebiete gebaut wurden. Ist da dann auch der Biber schuld oder vielleicht korrupte Politiker?
4. Wir sind Experten
wup 25.05.2010
Ahhh.. alle hier Experten in Sachen Hochwasser und Deichbau. Hier sind ja auch die schlausten Köpfe, die sich zu jedem Thema bestens auskennen. Wir sind halt nicht nur ein Volk von 80 Mio. Nationaltrainern, sondern auch ein Volk von 80 Mio. Wirtschafts-, Politik-, Flugsicherheits-, Hochwasser-, Umwelt-, Internet- und "was es sonst nocht gibt"-Experten
5. sehr offensichtliches Abblenkungsmanöver
berner69 25.05.2010
Schön, wenn man einen - vermeintlichen - Sündenbock findet. Würde super ablenken von den wirklich Verantwortlichen, wenn es nicht so offensichtlich daher käme...
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Karte - Aktuelle Lage

Hochwasser - Alarmstufen in Deutschland
Wer ruft die Alarmstufen aus?
An deutschen Flüssen gibt es bei Hochwasser bis zu vier Alarmstufen, sobald die für jeden Flussabschnitt festgelegten Hochwassermeldepegel erreicht werden. Die Alarmstufen 1 und 2 werden von der Landesbehörde ausgerufen, die Alarmstufen 3 und 4 auf deren Vorschlag hin von den Oberbürgermeistern und Landräten der betroffenen Regionen. Zudem tritt dann ein Krisenstab der Landesregierung zusammen.
Alarmstufe 1
Bei Alarmstufe 1 beginnen Flüsse über ihre üblichen Uferpegel zu treten und an den Messstellen wird ein erster festgelegter Pegel überschritten. Sie wird nur ausgerufen, wenn ein weiterer Anstieg der Richtwasserstände zu erwarten ist. Mit Beginn der untersten Alarmstufe werden die Pegel an den Messstellen häufiger als sonst abgerufen, die Hochwasserschutzanlagen noch einmal überprüft und es wird kontrolliert, ob Bauern ihre Tiere und Geräte aus gefährdeten Überschwemmungsgebieten entfernt haben.
Alarmstufe 2
Wird der Richtwert für Alarmstufe 2 erreicht, sind erste Grünland- und Waldflächen entlang der Ufer überflutet. Das Wasser steigt aus dem Flussbett bis an den Fuß der meist einige Meter neben dem Ufer verlaufenden Deiche. Ab Alarmstufe 2 werden die Deiche und die Sperrtore zu den Poldern täglich kontrolliert, ein durchgehender Wachdienst am Deich vorbereitet.
Alarmstufe 3
Mit Alarmstufe 3 werden erste besonders tief gelegene Straßen, Grundstücke und Keller vom Wasser erreicht. Das tritt bei grobporigem sandigem oder kiesigem Boden durch den hohen Wasserdruck unter dem Deich hindurch und strömt und an der Innenseite des Deichs wieder aus. Im Flusslauf hat der Pegel dann etwa die Hälfte der Deichhöhe erreicht, ein ständiger Wachdienst beobachtet Risikostellen. Experten beginnen damit, zu diesem Zeitpunkt meist nur kleinere Deichschäden mit Hochwasserschutzmaterialien abzudichten.
Alarmstufe 4
Bei Alarmstufe 4 wird auch der höchste festgelegte Richtwert vom Pegel überschritten und die Katastrophenabwehr beginnt. Meist sind Deiche und andere Hochwasserschutzanlagen in dieser Phase bereits akut in ihrer Funktion gefährdet, das Wasser droht über die Deichkrone zu schwappen. In bebauten Gebieten sind Keller, Straßen, Schienen und andere Infrastruktur großflächig überschwemmt. Neben der Deichsicherung wird die Evakuierung von Menschen aus den überfluteten Gebieten vorbereitet.
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Hochwasser: Polen kämpfen verzweifelt gegen die Fluten


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