Flutwelle auf Java "Wie eine schwarze Wand"

In Indonesien ist nach einem Seebeben eine zwei Meter hohe Welle auf die Küste getroffen. Nach Angaben des Roten Kreuzes gibt es mindestens 104 Todesopfer. 127 Menschen werden noch vermisst.


Jakarta - Nach dem Beben der Stärke 7,7 traf der Tsunami nach indonesischen Regierungsangaben auf die Küste West-Javas. Am schlimmsten getroffen wurde der auch bei ausländischen Touristen beliebte Badeort Pangandaran. "Wir sind in die Hügel gerannt, vier Leute aus meiner Gruppe werden vermisst", berichtete eine Augenzeugin im Radiosender ElShinta. Sie habe drei leblose Körper gesehen, die von Einheimischen weggetragen worden seien. Strandhotels seien von hohen Wellen getroffen worden, Boote seien gegen die Hotelmauern geworfen worden, Fenster zu Bruch gegangen. Viele kleine Hotels seien zerstört worden. "Ich konnte die Fische auf dem Meeresboden sehen", sagte ein anderer Urlauber. Das Meer habe sich rund 500 Meter vom Strand zurückgezogen. Dann sei die Welle gekommen, "wie eine schwarze Wand".

Bewohner der Stadt Pangandaran flüchten: Im Hinterland suchten die Menschen Sicherheit vor dem Meer
DPA

Bewohner der Stadt Pangandaran flüchten: Im Hinterland suchten die Menschen Sicherheit vor dem Meer

Offiziellen Angaben zufolge starben mindestens 80 Menschen, das Rote Kreuz geht von mindestens 104 Toten aus. Knapp 150 Menschen seien verletzt und 127 weitere würden noch vermisst, sagte ein Vertreter der Hilfsorganisation. Tausende sind auf der Flucht. Das Beben ließ nach weiteren Berichten von Augenzeugen Hochhäuser in der auf Java gelegenen Hauptstadt Jakarta zwei Minuten lang schwanken. In mehreren Orten sind Straßen zerstört worden und die Stromversorgung ausgefallen.

Bisher ist nicht bekannt, ob auch Ausländer ums Leben gekommen sind. Ein schwedischer Tourist wird im Krankenhaus behandelt, seine beiden Söhne im Alter von fünf und zehn Jahren werden vermisst, wie ein Sprecher des schwedischen Außenministeriums mitteilte. Die Familie machte in Pangandaran Urlaub.

Die japanischen meteorologischen Behörden hatten zuvor vor möglicherweise verheerenden Riesenwellen an den indonesischen Inseln Java und Sumatra gewarnt. Auch die rund 400 Kilometer südlich gelegene Weihnachtsinsel und die Kokosinseln, die zu Australien gehören, könnten betroffen sein, hieß es. Doch die Warnung erreichte die Menschen auf Java nicht rechtzeitig, weil es dort kein Frühwarnsystem gibt.

Alarm auf den Nikobaren und Andamanen

Auch auf der Inselgruppe der Nikobaren und der Andamanen, die zu Indien gehören, lösten die Behörden Alarm aus. "Wir haben alle Bewohner der Küstengebiete gewarnt, aber noch nicht damit begonnen, die Menschen in Sicherheit zu bringen", sagte ein Behördensprecher. Man wolle kein Risiko eingehen, auch wenn man nicht ernsthaft mit einem Tsunami rechne.

Das Beben habe sich um 3.20 Uhr am Nachmittag (10.20 Uhr MESZ) ereignet, teilte der Geophysikalische Dienst Jakartas mit. Das Epizentrum habe im Indischen Ozean gelegen, etwa 366 Kilometer südlich von Jakarta. Ein US-Warnzentrum auf Hawaii erklärte auf seiner Internetseite, mit einem größeren Tsunami sei nicht zu rechnen. "Wir haben bislang keine Schadensberichte bekommen", sagte ein Seismologe der staatlichen Meteorologie- und Geophysikdienstes Indonesiens.

Die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean an Weihnachten 2004 hatte mehr als 216.000 Menschen das Leben gekostet, am stärksten betroffen war die indonesische Provinz Aceh.

dab/AFP/dpa/reuters/AP



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