Flutwelle Pazifik-Tsunami trifft Samoa

Im Pazifik hat ein schweres Erdbeben einen Tsunami ausgelöst. Aus Samoa werden Tote gemeldet, mehrere Dörfer sollen schwer getroffen worden sein. Flutwarnungen für Hawaii und Neuseeland hoben die Behörden wieder auf.

Reuters

Wellington - Ein schweres Erdbeben hat mehrere Inseln in der Südsee erschüttert und einen Tsunami ausgelöst. Die Flutwelle zerstörte nach einem Bericht von Radio Neuseeland einige Dörfer auf Inseln vor Samoa. Viele der betroffenen Regionen liegen nur wenige Meter über dem Meeresspiegel und werden regelmäßig überschwemmt.

Mehrere Dörfer seien von dem Tsunami getroffen worden, sagte ein Journalist des Senders Radio Polynesia im neuseeländischen Rundfunk. Zahlreiche Häuser wurden demnach zerstört. Die Ortschaft Sau Sau wurde nach Angaben eines neuseeländischen Urlaubers dem Erdboden gleich gemacht. "Es ging sehr schnell", sagte der Tourist Graeme Ansell in einem Radiointerview. "Das ganze Dorf ist ausgelöscht worden. Kein einziges Gebäude steht mehr."

Es gebe Informationen über ausgedehnte Zerstörungen. Möglicherweise seien Tausende Menschen obdachlos geworden, sagte der Lokaljournalist Jona Tuiletufuga der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben eines Diplomaten kamen mindestens fünf Menschen ums Leben. Das teilte der neuseeländische Vizehochkommissar in der Hauptstadt Apia, David Dolphin, mit.

Eine eineinhalb Meter hohe Flutwelle schwappte etwa hundert Meter weit in die Hauptstadt von Amerikanisch-Samoa, Pago Pago, bevor sie sich wieder zurückzog. Nach offiziellen Angaben werde mit bis zu 14 Toten gerechnet, hieß es im lokalen Rundfunk. Samoa ist ein Inselstaat im südwestlichen Pazifik. Der Westteil der Inselgruppe war früher eine deutsche Kolonie. Der Ostteil gehört zu den USA. Die Inseln liegen etwa auf halbem Weg zwischen Hawaii und Neuseeland und werden von rund 200.000 Menschen bewohnt.

Augenzeuge berichtet von Panik

Ein US-Behördenvertreter sprach von mehreren Todesopfern auf Amerikanisch-Samoa, Zahlen nannte er aber nicht. Nach Angaben von CNN war die Welle, die Samoa traf, etwa sieben Meter hoch. Die US-Meeresforschungsbehörde NOAA sprach dagegen von einer 1,57 Meter hohen Welle.

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Tsunami im Pazifik: Wie er sich ausbreitete

In dem betroffenen Küstengebiet versuchten zahlreiche Bewohner, ins Inland zu gelangen, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur AFP. Der deutsche Honorarkonsul auf Samoa sprach ebenfalls von Todesopfern. "Hier war die Rede von toten Schulkindern", berichtete Arne Schreiber der dpa aus der Hauptstadt Apia am Telefon. Ob auch Touristen zu Schaden gekommen sind, sei noch nicht bekannt. Ein Sprecher der Feuerwehr auf Samoa sprach im neuseeländischen Rundfunk von drei getöteten Schulkindern im Bezirk Falealili.

"Hier ist überall Panik entstanden, weil die Kinder auf dem Weg zur Schule und die Menschen auf dem Weg zur Arbeit waren", sagte ein Korrespondent aus Apia dem neuseeländischen Rundfunk. Ein Mitarbeiter des Fernsehsenders TVNZ war in Samoa am Strand, als er die Erdstöße spürte. Auf der Website des Senders berichtet er, das Meer habe sich zuerst zurückgezogen und sei dann innerhalb von wenigen Sekunden mit Macht über die Küste hereingebrochen. Mehrere Dörfer seien überschwemmt worden. Einwohner suchten nach ihren Angehörigen. Der TVNZ-Mitarbeiter konnte sich auf höheres Terrain retten.

Tsunami-Warnung für den Pazifikraum zurückgenommen

Das Tsunami-Zentrum auf Hawaii warnte zunächst auch vor Riesenwellen in Tonga, Tuvalu, Kiribati, auf den Salomonen-Inseln und auf Neuseeland. Wenige Stunden später nahmen die Behörden die Warnung für den Pazifikraum wieder zurück. Die Küste Neuseelands sei von einer Welle von 40 Zentimeter Höhe getroffen worden, hieß es. Die Behörden der Region Manawatu-Wanganui erklärten Radio-Neuseeland, die Bewohner zweier Strandabschnitte seien angewiesen worden, ihre Häuser zu verlassen.

Auch die Tsunami-Warnung für Hawaii wurde inzwischen aufgehoben. Behörden forderten die Einwohner auf, sich über die Entwicklung im Fernsehen, im Radio und im Internet zu informieren. Zivilschutz-Mitarbeiter Ray Lovell warnte vor Panik. Eine Evakuierung sei möglich, sagte er der Zeitung "Honolulu Advertiser". Allerdings sollten die Menschen jetzt nicht in ihren Autos flüchten und die Straßen verstopfen.

Beben war deutlich schwächer als Südasien-Tsunami 2004

Die US-Geologiebehörde stufte die Stärke des Bebens auf 8,0 hoch. Das Tsunami-Warnzentrum PTWC sprach von 8,3. Das Beben wurden am Mittwochmorgen um 6.48 Uhr Ortszeit (Dienstag 19.48 Uhr MESZ) registriert und habe rund eineinhalb Minuten gedauert, sagte ein Sprecher der nationalen Katastrophenschutzbehörde Samoas Radio-Neuseeland. Er rechne zudem mit Nachbeben.

"Auf Basis der vorliegenden Daten wurde ein Tsunami erzeugt, der selbst für weit entfernte Küstenregionen gefährlich sein könnte", heißt es in einer Stellungnahme des PTWC. PTWC-Experte Stuart Weinstein erklärte dem britischen Rundfunksender BBC, dass das Erdbeben viel schwächer gewesen sei als jene Erschütterung, die Ende 2004 die verheerende Flutwelle in Südasien auslöste. Bei dem Tsunami im Indischen Ozean waren damals mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen.

"Es war ein sehr flaches Beben"

Die Region bei Samoa und im Tonga-Graben gehört zu den aktivsten Erdbebenregionen der Welt. "Das ist nichts Ungewöhnliches. In dem Bereich gibt es weit über 80 Prozent aller weltweiten Beben", sagte der Leiter der Erdbebenstation der Universität Köln, Professor Klaus-G. Hinzen, der dpa.

Dort liege die Grenze zwischen der pazifischen und der australischen Erdplatte. Beide bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von etwa acht Zentimetern pro Jahr aufeinander zu. Das jetzige Beben mit der Stärke 8 sei bei weitem nicht so stark wie das schwere Beben vor Sumatra im Dezember 2004, bei dem Stärken bis 9,4 gemessen wurden. "Dennoch kann ein solches Beben Tsunamis auslösen, die in ungünstigen Bereichen der Küstenregionen Wellen erzeugen, die Zerstörungen anrichten."

Ähnlich äußerte sich der Leiter der Sektion Seismologie am Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam, Rainer Kind. "Es war ein sehr flaches Beben", erklärte Kind - nach den ersten Messungen nur zehn Kilometer unter dem Meeresboden. Auch die Tatsache, dass das Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii eine 1,57 Meter hohe Flutwelle beobachtet habe, spreche für ein flaches Beben. "Tsunamis, die von einem Beben der Stärke 8 ausgelöst werden, breiten sich normalerweise nicht über einen gesamten Ozean aus", sagte Kind.

wit/Reuters/dpa/AFP

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