Fehde um "Foie gras": Leber und Leber lassen

Feinschmecker in Kalifornien haben nur noch wenige Wochen Zeit, um sich Foie gras schmecken zu lassen. Ab Juli ist der Verkauf von Stopfleber dort verboten. Ein jahrelanger Kleinkrieg zwischen Tierschützern und Gourmets geht zu Ende. Entsteht nun ein Schwarzmarkt?

Delikatessen-Verbot: Keine Leber mehr in Kalifornien Fotos
AFP

San Francisco - Noch wirbt das Feinschmecker-Restaurant "Mélisse" im kalifornischen Santa Monica mit einem achtgängigen "Foie for All"-Menü zum Preis von 185 Dollar. Von der Vorspeise bis zum Dessert enthält jedes Gericht die umstrittene Fettleber-Delikatesse. Doch mit dem Foie-gras-Gelage ist bald Schluss: Am 1. Juli führt Kalifornien als erster US-Staat ein striktes Verbot ein. Nicht nur Herstellung und Verkauf der Stopfleber ist dann tabu, auch der Handel mit Federn und anderen Produkten von Gänsen und Enten, die unfreiwillig mit Riesenmahlzeiten gestopft wurden, wird verboten.

Für Tierschützer ist das Inkrafttreten des neues Gesetzes längst überfällig. Bereits 2004 war das Verbot in Kalifornien beschlossen worden, der damalige Gouverneur Arnold Schwarzenegger segnete es ab. Landwirten und Restaurants wurde viel Zeit gelassen, um sich auf den Bann einzustellen oder Vorschläge zu einer humaneren Fütterung zu unterbreiten. Bei der Zwangsfütterung wird den Tieren mehrere Wochen lang mehrmals täglich mit langen Stäben oder Druckluft Getreide in den Magen gepresst. Ihre Lebern werden dadurch unnatürlich groß - und fein im Geschmack, wie Fans finden.

Beim Countdown zum Foie-gras-Verbot liegen sich nun Gourmets, Gesetzgeber und Tierschützer in den Haaren. Top-Restaurants wie das "Mélisse" locken - so lange es noch geht - mit Gourmetangeboten, während vor den Türen Stopfleber-Gegner laut protestieren. "Mélisse"- Chef Josiah Citrin gehört zu einer Gruppe von über 100 Promi-Köchen in Kalifornien, die sich für die Gänseleber starkmachen. "Coalition for Humane and Ethical Farming Standards", kurz CHEFS, nennen sie ihre Initiative für eine "humane und ethische" Tierhaltung. Sie seien gegen das Stopfleberverbot, aber für die Behandlung von Tieren "mit Respekt und Würde". Sie sollten Auslauf haben und so gestopft werden, dass sie dabei nicht verletzt werden.

Der demokratische Politiker John Burton, der 2004 das Verbot mitverfasste, feuerte mit gepfefferten Worten zurück. Er wollte den Köchen am liebsten "Enten - und Gänsefett, oder besser noch trockene Haferflocken immer und immer wieder in den Rachen stopfen". Gourmet-Koch Mark Pastore vom "Incanto"-Restaurant forderte eine öffentliche Entschuldigung. Der Wortkrieg dürfte sich bis Juli weiter zuspitzen.

Der Staat Kalifornien hat einige Spitzenköche auf seiner Seite. Bereits 2007 verbannte Hollywoods Star-Koch Wolfgang Puck Gänseleber von seinen Menüs. Gemeinsam mit der Tierschutzorganisation "Humane Society" kündigte der gebürtige Österreicher damals an, nur noch Produkte aus dem organisch-biologischen Anbau zu servieren, Eier von freilaufenden Hühnern sowie Fleisch von Schweinen und Kälbern, die nicht in engen Ställen gehalten werden. 2008 stimmten die Wähler in Kalifornien für eine humanere Haltung von Hühnern, trächtigen Schweinen und Kälbern. Bis 2015 müssen Landwirte zu enge Käfige abschaffen. Ab 2013 sind in Kalifornien der Handel und die Verarbeitung von Haifischflossen verboten.

In Deutschland ist das Stopfen von Gänsen und Enten - wie in vielen anderen EU-Staaten auch - verboten. Die Überfütterung der Tiere mit Hilfe in den Hals eingeführter Stopftrichter wird als Tierquälerei angesehen. Angesichts des freien EU-Binnenmarkts wird der Import und Verkauf von Foie gras aber weiter zugelassen. Frankreichs Foie-gras-Industrie ist mit einer Jahresproduktion von rund 20.000 Tonnen mit Abstand die weltweit größte. Bereits 2006 wurde die Delikatesse per Gesetz als "Kultur- und Gastronomieerbe Frankreichs" dort unter besonderen Schutz gestellt.

Gourmet-Köche in Kalifornien rechnen mit Beschwerden ihrer Kunden. Sie habe eine Zeitlang keine Gänseleber auf dem Menü gehabt und "sehr viele negative Reaktionen" erhalten, erzählte Traci Des Jardins, Chefin vom "Jardiniere" in San Francisco, dem "San Francisco Chronicle". Nathan Ballard, Sprecher der CHEFS-Initiative, befürchtet, dass ein Schwarzmarkt für Gänseleberprodukte entstehen wird. Im Interview mit der Zeitung "USA Today" verwies er auf ein kurzlebiges Verkaufsverbot der Delikatesse in Chicago im Jahr 2006. Findige Köche umgingen den Bann, indem sie Croûtons für 25 Dollar verkauften und die Foie gras umsonst dazureichten, erzählt Ballard. Das Verbot wurde zwei Jahre später wieder abgeschafft.

jbr/dpa

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insgesamt 121 Beiträge
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1. ...
rufus008 30.05.2012
Schade für die Kalifornier. Ich esse sehr selten Foie Gras (meistens in Frankreich), aber wenn dann ist es jedesmal ein Fest. Ich kann nur hoffen, dass wir uns diesem Terror angeblicher "Tierschützer" noch eine Weile erwehren können. Zum Glück haben wenigstens die Franzosen diese Delikatesse als Kulturgut geschützt, sodass sie wenigstens nicht ausstirbt -- auch wenn sie immer seltener wird.
2. Gutmenschenquark
huw00 30.05.2012
Diese lästigen tierschützenden Gutmenschen... Der Genuss von Stopfleberprodukten rechtfertigt das Leiden der Gänse. In anderen Bereichen der Tierzucht springen schließlich auch keine glücklichen Schweinchen über grüne Weiden und sterben vor Glückseligkeit bevor sie in den Kochtopf wandern. Ich für meinen Teil lasse mir sicher nicht vorschreiben, auf etwas so vorzügliches wie Gänsestopfleber zu verzichten...
3. Ich bin bestimmt
felisconcolor 30.05.2012
Zitat von sysopFeinschmecker in Kalifornien haben nur noch wenige Wochen Zeit, um sich Foie gras schmecken zu lassen. Ab Juli ist der Verkauf von Stopfleber dort verboten. Ein jahrelanger Kleinkrieg zwischen Tierschützern und Gourmets geht zu Ende. Entsteht nun ein Schwarzmarkt? Foie gras: In Kalifornien soll die Delikatesse verboten werden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,835845,00.html)
kein Tierschmuser. aber bei 20tsd Tonnen Jahresproduktion sind das bei 1000 - 2000 Gramm pro Leber (siehe Wiki) zwischen 10 und 20 Millionen Tiere allein in Frankreich ähem.... nein das braucht kein Mensch oder? Ich lasse mich gern eines besseren belehren.
4.
schoenblond 30.05.2012
Hmm.... ich pers. kann einer Foie Gras nichts besonderes abgewinnnen, aber daraus dann einen ideologischen Kampf zu führen ist schon recht komisch. Wer's essen will, soll's essen und wer es nicht mag, der läßt es eben bleiben.
5. Bitte kurz nachdenken
lola80 30.05.2012
Lieber rufus008, lieber huw00, bitte denken Sie einmal nach. Genuss ist eine feine Sache (wir alle streben danach), aber rechtfertigt das tatsächlich, dass Tiere derart leiden? Das Argument, dass auch Schweine nicht vor Glückseligkeit sterben, finde ich nicht richtig. Das eine Unrecht rechtfertigt doch nicht das andere. Es gibt viele Menschen, die aus der Tierrechts- bzw. Tierschutzfrage einen Grabenkampf machen, in dem es eher um das Ego derjenigen zu gehen scheint, die die Aktionen betreiben - stimmt. Aber Leute, die tatsächlich versuchen, das Leiden anderer empfindender Lebewesen zu minimieren, deshalb reflexartig in Anführungsstriche zu setzen, finde ich nicht angebracht. Herzlich, lola80
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