Frankfurt am Main Streit über "Mohren-Apotheken"

Rassismus oder traditioneller Name? In Frankfurt fordert die Ausländer-Vertretung die Umbenennung von zwei "Mohren"-Apotheken - Widerstand gibt es unter anderem vom Denkmalamt.

Leuchtschild der "Mohren-Apotheke" in Frankfurt
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Leuchtschild der "Mohren-Apotheke" in Frankfurt


In Frankfurt am Main wirft die Kommunale Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) zwei Apotheken Rassismus vor, weil sie die Bezeichnung "Mohr" im Namen tragen. Das Gremium forderte in einem Antrag die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung und den Magistrat deshalb auf, sich dafür einzusetzen, dass rassistische Bezeichnungen und Logos aus dem Stadtbild Frankfurts verschwinden.

"Leider muss auch im Jahre 2018 noch immer darauf hingewiesen werden, dass Wörter wie 'Neger' oder 'Mohr' einen rassistischen Hintergrund haben. Viel zu lange wurden sie in Deutschland weder hinterfragt noch aufgegeben", heißt es in dem Antrag.

Karin Schweizer, die Geschäftsführerin einer der betroffenen Apotheken, zeigte sich erstaunt über die Kritik. Die in den 1960er-Jahren gegründete Apotheke trage den Namen "Mohren" schon sehr lange, sagte sie der "Frankfurter Rundschau". Es sei ein bundesweit üblicher Name für Apotheken und gehe ursprünglich wohl auf die Verwendung von Arzneien aus fernen Ländern zurück.

Außerdem sei die Betriebserlaubnis an den Namen gebunden. Deshalb sei es aufwendig und teuer ihn zu ändern. Sie lehnt dies aber offenbar nicht komplett ab. Schweizer sagte laut des Artikels: "Wenn aber ein grundsätzliches Interesse daran besteht, muss man darüber sprechen."

Bei der zweiten Apotheke schaltete sich laut "Frankfurter Rundschau" auch das Denkmalamt ein, denn der Name "zum Mohren" ist auch in der Fassade des Gebäudes eingelassen, das unter Denkmalschutz steht. Die Leiterin des Amts Andrea Hampel sagte, dass sie "einer Entfernung oder Abdeckung auf keinen Fall zustimmen" würden. Das KAV schrieb in Hinblick auf diesen Aspekt, es müsse abgewogen werden, ob Menschenrechte nicht stärker wiegen würden als der Denkmalschutz.

bbr/dpa

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