Bombenentschärfung in Frankfurt Rekord-Evakuierung hat begonnen

60.000 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen: In Frankfurt am Main wird am Sonntag eine Weltkriegsbombe entschärft. Die Evakuierung hat bereits begonnen, Polizisten sollen Einbrüche in den verwaisten Häusern verhindern.


Es ist die wohl größte Evakuierung in der Geschichte der Bundesrepublik: Einen Tag vor der Entschärfung einer Weltkriegsbombe hat in Frankfurt am Main die Umquartierung von mehr als 60.000 Menschen begonnen.

Patienten aus zwei Krankenhäusern in der Sperrzone wurden am Samstag verlegt, wie Sprecher von Polizei und Feuerwehr berichteten. "Bislang gab es keine Probleme", hieß es von den Behörden. Außer den beiden Krankenhäusern müssen am Samstag noch zehn Altenheime geräumt werden.

Von der größten Geburtsstation Hessens im Frankfurter Bürgerhospital wurde mittlerweile das letzte Baby in eine umliegende Klinik verlegt, wie Steffen Kunzmann, Chefarzt der Neonatologie, sagte. Bereits seit Donnerstag seien nach und nach Neugeborene wegtransportiert worden. Insgesamt waren 20 Babys betroffen.

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Bombenentschärfung in Frankfurt: Raus aus der Sperrzone

Damit Einbrecher und andere Kriminelle die Notsituation nicht ausnutzen können, will die Polizei bereits am Samstag mit mehr Kräften als sonst in den betroffenen Stadtteilen unterwegs sein und die vorübergehend leerstehenden Wohnung bewachen.

Bombe mit dünner Außenhaut

Die 1,8 Tonnen schwere Luftmine war während Bauarbeiten am Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität entdeckt worden. Der mit der Untersuchung des Geländes beauftragte Kampfmittelräumdienst hatte die Bombe HC 4000 mit dünner Außenhaut gefunden. Die Polizei bezifferte die Sprengkraft auf rund 1,4 Tonnen.

Als bisher größte Evakuierung der Nachkriegszeit gilt eine Bombenentschärfung Ende 2016. Damals mussten in Augsburg rund 54.000 Menschen raus aus ihren Wohnungen. Grund war eine Luftmine desselben Typs, wie sie jetzt in Frankfurt gefunden wurde. Im Mai 2017 wurden in Hannover 50.000 Anwohner in Sicherheit gebracht, weil drei Fliegerbomben unschädlich gemacht werden mussten.

In Koblenz wird am Samstagnachmittag ebenfalls eine Weltkriegsbombe entschärft, dort müssen rund 21.000 Bürger vorsorglich in Sicherheit gebracht werden.

cst/dpa



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