Frankfurter Polizei-Skandal Der Folterer stand schon bereit

Wolfgang Daschner gibt sich unbeirrt. Der Frankfurter Polizei-Vize hat seine Folter-Anweisung im Mordfall Metzler verteidigt. Sogar ein Kampfsportlehrer, der dem mutmaßlichen Entführer Schmerzen zufügen sollte, stand bei der Vernehmung bereit. Der Fall beschäftigt inzwischen den Europarat.


Frankfurt am Main - Gewaltandrohungen gegen den Verdächtigen Magnus G. wären notfalls auch umgesetzt worden, erklärte Daschner in einem Interview der "Frankfurter Rundschau". Dafür habe ein Kampfsportlehrer der Polizei bereit gestanden, der dem mutmaßlichen Täter "mit Überdehnen eines Handgelenks" Schmerzen zufügen sollte.

Dazu sei es allerdings nicht mehr gekommen. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte der 50-jährige Polizei-Vize: "Ohne weitere Einwirkung hatte er zehn Minuten später eingeräumt, das Kind könne tot sein. Unmittelbar danach hat er den Fundort der Leiche genannt. Daraufhin wurde das Verhör abgebrochen."

Daschner rechtfertigte seine Anweisung damit, dass es ihm um Gefahrenabwehr und nicht um Strafverfolgung gegangen sei. Den Foltervorwurf wies er zurück. Der "Frankfurter Neuen Presse" sagte er: "Es ging einzig und allein darum, das Kind so schnell wie möglich zu finden. ... Wir wussten, das Kind ist seit Sonntag unversorgt, denn seit jenem Tag haben wir G. lückenlos beschattet. Wir wussten: Jakob hat seitdem nichts zu essen, nichts zu trinken bekommen, und er ist womöglich verletzt."

Er habe noch nie in seinem Leben vor einer solch schwierigen Entscheidung gestanden. "Ich hatte aber keine andere Möglichkeit", sagte Daschner der FAZ. Zur Androhung und möglicher Zufügung von Schmerzen gebe das hessische Polizeirecht die rechtlichen Möglichkeiten. Diese Extremsituation müsse nun von der Justiz überprüft werden. "Das ist in Ordnung so", sagte Daschner.

Inzwischen beschäftigt der Fall auch den Europarat. "Ich werde das Anti-Folter-Komitee des Europarates bitten, diese Angelegenheit zu Prüfen", sagte der Generalsekretär des Europarates, Walter Schwimmer. Die Europäische Menschenrechtskonvention ächte die Folter ausnahmslos. "Wenn wir wirklich ein Europa bauen wollen, das die Menschenrechte achtet, müssen wir dieses Prinzip verbissen verteidigen."



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