Eine Verwechslung mit Folgen Über den kurzen Besitz eines Michelin-Sterns

Aus heiterem Himmel hat ein kleines französisches Bistro einen Michelin-Stern verliehen bekommen. Irrtum: Der Stern ist nun wieder weg, die Verwunderung bleibt. Bistrobesitzerin Veronique Jacquet berichtet.

"Le Bouche à Oreille"
Google Street View

"Le Bouche à Oreille"


Der Restaurantführer Michelin hat in der letzten Woche die relativ unscheinbare und am Straßenrand gelegene Brasserie "Le Bouche à Oreille" mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Das kleine französische Bistro befindet sich in der Stadt Bourges und fällt von außen allenfalls durch seine blaue Markise und einfachen Sitzgelegenheiten auf.

Der dem kleinen Imbiss kurzweilig verliehene Stern hätte eigentlich einem namensgleichen Restaurant in Boutervilliers im Süden von Paris verliehen werden sollen. Doch durch einen Fehler auf der Internetseite des Restaurantführers Michelin konnte sich Bistrobesitzerin Veronique Jacquet vor Reservierungen kaum retten. Die Restaurantauszeichnung wurde mittlerweile korrigiert, dem Bistro der Stern wieder abgenommen. Aufregung und eine immer noch hohe Anzahl an Gästen bleiben, wie Veronique Jacquet berichtet.

SPIEGEL ONLINE: Frau Jacquet, erzählen Sie doch kurz, was sich ereignet hat an dem Tag, an dem Sie den Michelin-Stern erhalten haben.

Jacquet: Vormittags hat sich direkt der lokale Radiosender gemeldet und mir mitgeteilt, dass ich einen Stern erhalten habe. Seitdem hörte das Telefon nicht mehr auf zu klingeln. Die ganze Welt hatte ich schon am Apparat. Ich habe es wirklich nicht glauben können. Das konnte nicht möglich sein.

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

Jacquet: Ich führe eine kleine Brasserie für Handwerker, die nur von Montag bis Freitag und auch nur mittags geöffnet ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie reagiert?

Jacquet: Ich war sehr überrascht, sehr erstaunt. Michelin hat mich dann aber angerufen und erklärt, dass ihnen ein Fehler unterlaufen ist.

SPIEGEL ONLINE: Was hatte die Verwechslung für Auswirkungen?

Jacquet: Normalerweise muss ich mittags 30 Gedecke vorbereiten. Jetzt sind alle neugierig und wollen mein Restaurant sehen. Heute Mittag habe ich 56 Gäste bedient.

SPIEGEL ONLINE: Hoffen Sie auch langfristig auf positive Auswirkungen für Ihren Betrieb?

Jacquet: Einen Michelin-Stern möchte ich auf gar keinen Fall bekommen. Das steht fest. Ich möchte die Kosten der Brasserie decken können. An unserem Buffett können die Gäste für 12,50 Euro einen hausgemachten Salat, ein Tagesgericht, einen Viertel Liter Wein und einen Nachtisch bekommen. Mit einem großen gastronomischen Betrieb habe ich aber absolut nichts zu tun.

csc



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