Frankreich: McDonald's-Randalierer gefeiert wie ein Held

Wegen der Zerstörung einer McDonald's-Filiale musste der französische Bauernaktivist José Bové für 43 Tage ins Gefängnis. Nun kam der Schafzüchter raus - und ist der gefeierte Rebell.

McDonald's-Randalierer Bové: Ein Rebell kommt frei
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McDonald's-Randalierer Bové: Ein Rebell kommt frei

Villeneuve-les-Maguelone - Als der populäre Globalisierungsgegner nach 43 Tagen vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, feierten ihn rund 1000 Anhänger vor den Gefängnistoren der Haftanstalt im südfranzösischen Villeneuve-les-Maguelone. Sie skandierten: "José zu seinen Schafen, Chirac ins Gefängnis."

Bové, nach einer Fastenkur um elf Kilo abgemagert, umarmte seine Freundin Ghislaine und fühlte sich angesichts der aus dem ganzen Land angereisten Sympathisanten sichtlich wohl.

Der schnauzbärtige Schafzüchter war mit seiner spektakulären Aktion in Millau zur Symbolfigur der Globalisierungsgegner in Frankreich aufgestiegen. Als Vorsitzender des Bauernverbands Conféderation paysanne wollte er mit der Zerstörung der McDonald's-Filiale gegen Strafzölle auf französischen Roquefort-Käse in den USA protestieren.

Bovés Popularität steigt
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Bovés Popularität steigt

Dafür wurde er zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt, die er vergeblich vor dem Kassationsgerichtshof anfocht. Am 19. Juni hatte Bové seine Haft anzutreten. Auch dies inszenierte er öffentlichkeitswirksam. Zum Gefängnis fuhr er mit seinem Traktor, begleitet von Hunderten Gesinnungsgenossen. Einige seiner Anhänger campierten Tag und Nacht vor der Haftanstalt. Auch den Gefängnisaufenthalt nutzte Bové zur Verbreitung seiner Ansichten. In seiner Zelle gab er Interviews und empfing Politiker der Grünen und Kommunisten.

Weil Bové bereits drei Wochen in Untersuchungshaft saß und er von der traditionellen Präsidenten-Amnestie zum Nationalfeiertag profitierte, kam er nun vorzeitig frei. Noch ist fraglich, wie lange seine Freiheit währen wird. Wegen der Zerstörung von gentechnisch veränderten Maispflanzen muss er möglicherweise bald wieder ins Gefängnis. Der Kassationsgerichtshof wird im September darüber entscheiden, ob seine Verurteilung rechtskräftig ist.

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