Renovieren ohne Geld Mönche betteln per Crowdfunding

Viermal soll Franz von Assisi in einer Zelle in Rom übernachtet haben. Diese würden die der Armut verpflichteten Franziskaner nun gern renovieren. Um das Geld betteln sie im Web - mit Crowdfunding haben sie 800 Jahre Erfahrung.

Betteln anno 2014: Crowdfunding-Seite der Franziskaner-Mönche

Betteln anno 2014: Crowdfunding-Seite der Franziskaner-Mönche

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Reich ist die katholische Kirche, arm ihre Bettelorden: Seit dem 13. Jahrhundert gibt es neben dem augenfälligen Pomp und Prunk der Amtskirche auch Mönchsorden, die sich verpflichtet haben, allem weltlichen Besitz zu entsagen - mal mehr, mal weniger streng. Der bekannteste davon ist wohl der Orden der Franziskaner, auf dessen Gründer Franz von Assisi sich auch der aktuelle Papst Franziskus mit seiner Mahnung zur Bescheidenheit der Kirche beruft.

Der Ordensgründer hatte es zu seiner Zeit mit weniger verständigen Vorgesetzten zu tun. Viermal reiste er zwischen 1209 und 1223 nach Rom, um dort vom Papst die Anerkennung des von ihm begründeten Bettelordens zu erbitten.

Bei diesen Besuchen soll er in einer an Kargheit kaum zu übertreffenden Zelle einer Kirche, die heute San Francesco a Ripa genannt wird, übernachtet haben: Ein kühles Kämmerlein mit einem kleinen Steinquader, auf den der später heilig Gesprochene sein müdes Haupt gebettet haben soll. Bequem geht sicher anders, aus heiligenverehrender Sicht gilt dergleichen aber stets als beispielhaft.

Nicht beispielhaft, finden franziskanische Mönche, sei hingegen der Zustand der Zelle. Da fällt nicht nur der Putz von den Wänden, sondern auch mehrere darauf vermeintlich verewigte Bilder gleich mit. Das alles würden sie gern konservieren und renovieren, aber so etwas kostet Geld, und Geld haben Franziskaner quasi per definitionem nicht. Auch Staat oder Vatikan um die nötigen rund 90.000 Euro (125.000 Dollar) anzugehen, passt nicht so recht ins franziskanische Konzept.

Absolut naheliegend ist es für die Bettelmönche hingegen, um die Mittel zu betteln - und wo wäre das vielversprechender als auf der größten Bettel-Plattform der Welt: dem Internet?

Crowdsourcing: Franziskaner haben da 800 Jahre Erfahrung

Noch bis zum 11. April läuft die Kickstarter-Kampagne, die die nötigen Mittel einbringen soll. Professionell aufgezogen lockt die Bettel-Aktion mit netten Belohnungen für Spendierfreudige: Das Angebot reicht hier vom gedruckten Spendenzertifikat für die Wohnzimmerwand über schicke, von Klarissen-Nonnen handgeschnitzte Holz-Friedenstäubchen am Lederband bis hin zu T- und Sweatshirts mit dem Franziskaner-Motto "Pax et Bonum" ("Friede und Güte"). Was man konkret bekommt, hängt von der Spendenhöhe ab: Wer beispielsweise 300 Dollar gibt, bekommt nicht nur ein T-Shirt, sondern auch noch einen Kaffeepott mit Franz-Porträt dazu.

Bis zum 30.3.2014, Stand 15.30 Uhr, wollten sich das 455 Spendierfreudige nicht entgehen lassen, pro Stunde kommen circa zehn hinzu - die ersten rund 28.000 Dollar wurden auf diese Weise bereits zusammengetragen. Der zurzeit prominenteste Unterstützer ist der italienische Regisseur Franco Zeffirelli, der 1972 die berühmteste Verfilmung des Lebens von Franz von Assisi vorlegte: "Bruder Sonne, Schwester Mond" machte den heiligen Franz auch dank des mächtigen Soundtracks des Folksängers Donovan zeitweilig zu einer Hippie-Ikone.

Zeffirelli für das Projekt gewonnen hat wohl Raffaello Siniscalco, der Initiator der Kickstarter-Aktion. Der gläubige Katholik ist selbst kein Franziskaner, dafür kennt er sich mit Medien aus: Nach über 30 Jahren als TV-Korrespondent (RAI) und Produzent betreibt er heute eine PR-Agentur in New York - willkommenes Vitamin B für die Bettelbrüder.

Was die Mönche am Ende mit dem Geld anfangen werden, sollte die Aktion Erfolg haben, werden sich die selbstlosen Spender allerdings wohl nie ansehen können, denn die Zelle ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Außer man ist von Beruf beispielsweise Papst: Johannes Paul II. war 1991 einer der letzten prominenten Besucher. Der nächste könnte Franziskus heißen, der sich als Papst immerhin nach Franz von Assisi benannte: Die Zelle, glauben die Mönche, könnte durchaus auf seiner Besuchsliste stehen.

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