Rotlicht-Etablissement beschäftigt Kleinstadtverwaltung Das Puppentheater

Ein Unternehmen in Freiberg am Neckar bietet Kontakt zu "Traumfrauen aus medizinischem Silikon". Die Stadtverwaltung weiß nicht so recht, was sie davon halten soll.

Sexpuppen (Archivfoto)
Bongarts / Getty Images

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Peter Müller hätte nicht gedacht, dass er sich jemals mit so einer Frage beschäftigen muss. Vordergründig geht es für den Leiter des Ordnungsamtes von Freiberg am Neckar um eine "komplizierte baurechtliche Prüfung". Es geht aber auch um Sex mit "Traumfrauen aus medizinischem Silikon". Und um die Frage, wo ein Gewerbe aufhört und eine Vergnügungsstätte beginnt.

Ganz konkret geht es um die "Firma Charisma". Sie residiert in einem Gewerbegebiet in der 16.000-Einwohner-Stadt bei Stuttgart. Und sie verspricht mit einer "neuen Generation des Sex" Abwechslung, ohne dass man den Partner betrügen müsse: Die Ladys seien willig und absolut unkompliziert, wirbt die Firma. Besuche seien in "diskreter Atmosphäre und einer "niveauvollen Location" möglich. Geschlossene Gesellschaften können alle Puppen buchen, "perfekt für Junggesellenabschiede oder ähnliches".

"Scheint eine Vergnügungsstätte zu sein"

Ordnungsamtschef Müller sagt, er habe sich vor Ort noch kein Bild von dem Etablissement gemacht und auch noch nicht mit dem Betreiber gesprochen. Aber so wie sich die Sache derzeit für ihn darstelle, "scheint mir das doch eine Vergnügungsstätte zu sein, wenn man sich auch vor Ort der Leistung bedienen kann".

Und das ist ein Problem für die "Firma Charisma". Denn in dem Gewerbegebiet sind Vergnügungsstätten wie Spielhallen, Diskotheken oder auch Bordelle nicht erlaubt.

Die Idee, Geld für Sex mit Puppen zu verlangen, ist nicht neu. In Dortmund eröffnete 2016 das "Bordoll", das erste Etablissement dieser Art in Deutschland. Die Betreiberin sagte damals, die Puppen seien so beliebt, weil der Kunde mit ihnen machen könne, was er wolle und sich niemand beschwere.

Die Dortmunder Stadtverwaltung teilt auf Anfrage mit, das "Bordoll" sei eine regulär konzessionierte Prostitutionsstätte, in der die Betreiberin den Kunden auch Puppen anbiete. "Die Vorschriften des Prostituiertenschutzgesetzes wären nicht anwendbar, soweit dort ausschließlich Puppen angeboten würden."

Puppe "Jessica" im "Bordoll"
Bongarts / Getty Images

Puppe "Jessica" im "Bordoll"

Das Geschäft mit Sexpuppen ist international, wenn auch nicht überall gleich gern gesehen. Im vergangenen Jahr nahm eine chinesische Firma ihre Sexpuppen zum Ausleihen nach wenigen Tagen vom Markt, offenbar auf Druck der Behörden. Die Firma entschuldigte sich für den "schlechten Einfluss" der Puppen auf die Gesellschaft und versicherte, bessere Möglichkeiten zu erforschen, um das Sexleben der Menschen abwechslungsreicher zu gestalten.

Gereinigt und desinfiziert

Wo die chinesischen Anbieter vor machtvollen Moralvorstellungen den Kotau machten, könnte die "Firma Charisma" am deutschen Baurecht scheitern. "Ich gehe davon aus, dass die Stadt Freiberg keine Ausnahmegenehmigung erteilen wird", sagt Ordnungsamtschef Müller. Das wiederum würde einen unveränderten Weiterbetrieb ausschließen. Die Stadt müsste sich die Sache aber neu anschauen, wenn der Betrieb umgewandelt würde, etwa in einen Handel oder eine Vermietung.

Die "Stuttgarter Zeitung" zitierte den Charisma-Betreiber mit den Worten, es sei alles angemeldet, sein Angebot erfreue sich großer Nachfrage. Der Zeitung zufolge ist die Firma seit Ende Juli aktiv. Auf telefonische Nachfrage wollte man sich bei "Charisma" nicht äußern.

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Sexpuppen-Fabrik in China: Künstlich intelligent und immer zu Diensten

Bis Ende der Woche will sich Ordnungsamtschef Müller die Sache genauer angeschaut haben. Möglicherweise geht es auch um hygienerechtliche Fragen, das müsse er mit dem Landratsamt in Ludwigsburg besprechen.

Wenn man den Machern der Firma Charisma glauben mag, sollten zumindest in dieser Hinsicht keine Probleme auftreten: Nach jedem Gast, heißt es online, würden die Puppen gereinigt und desinfiziert.

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