Frost in Europa: "Cooper" bringt die Eiseskälte

Aus Sibirien rollt eine Kältewelle heran: Hoch "Cooper" kühlt Osteuropa und Deutschland herunter - mit gravierenden Folgen. In Polen, der Ukraine und im Baltikum sind bereits Dutzende Menschen gestorben. In Brandenburg ist eine Frau nach einem Sturz in einen Graben erfroren.

Winterwetter: Kalt, kälter, "Cooper" Fotos
DPA

Offenbach - Die Kälte kriecht von Ost nach West über ganz Deutschland. Mit eisiger Luft aus Sibirien sorgt Hoch "Cooper" für tiefe Temperaturen. Am Montagmorgen herrschten im Osten stellenweise bereits zweistellige Minusgrade. Um 8 Uhr registrierte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Görlitz 10,4 Grad unter Null, in Cottbus waren es minus 9,9 Grad. Auch im übrigen Land herrschte Frost - die beiden einzigen Stationen ohne Temperaturen unter dem Gefrierpunkt waren Karlsruhe (plus 0,2 Grad) und Mannheim (plus 0,6 Grad).

Die eisigen Temperaturen haben offenbar ein erstes Todesopfer gefordert. Wie die Polizei am Montag bekanntgab, war in Brandenburg in der Nacht zum Sonntag eine 55-jährige Fußgängerin erfroren, nachdem sie in einen Wassergraben gefallen war. Die Frau hatte sich bei Leegebruch im Landkreis Oberhavel zunächst aus eigener Kraft wieder ans Ufer gerettet, war dann aber gestorben. Ein Jagdpächter fand die Leiche am Morgen auf einem Feldweg.

Nach knapp einer Woche Dauerfrost gefrieren die ersten Boddengewässer an der deutschen Ostseeküste. Mit Behinderungen für die Schifffahrt sei jedoch noch nicht zu rechnen, sagte Jürgen Holfort vom Eisdienst des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) in Rostock. Mit bis zu sieben Zentimetern ist das Eis in der kaum befahrenen Dänischen Wiek bei Greifswald am dicksten. Kompaktes Eis gibt es auch südlich von Darß-Zingst sowie im Greifswalder Bodden. In der Lübecker Bucht und im Fahrwasser nach Schleswig hat sich ebenfalls Eis gebildet.

In der zweiten Wochenhälfte werde es überall in Deutschland noch kälter, sagte DWD-Meteorologe Thomas Schumann. Von der Ostseeküste über die Mittelgebirge bis nach Bayern lägen die Temperaturen dann deutlich unter minus zehn Grad. Am kältesten werde es mit bis zu minus 20 Grad im Nordosten Thüringens und in Bayern. Der Kälterekord im Messnetz des Deutschen Wetterdienstes ist aber noch in weiter Ferne. Er liegt bei minus 37,8 Grad, gemessen am 12. Februar 1929 im bayerischen Wolnzach-Hüll nördlich von München.

Dutzende Kältetote in Osteuropa

Die eisigen Temperaturen sorgten auch in Polen für den bisher kältesten Tag des Winters. Am Wochenende erfroren mindestens zehn Menschen. Allein in der Nacht zu Montag kamen bei Minusgraden fünf Menschen ums Leben, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums am Montag mit. Im Dorf Stuposiany, gelegen im südostpolnischen Bieszczady-Gebirge, betrug die Temperatur am Morgen minus 27 Grad. In mehreren Städten des Landes waren angesichts der angekündigten Kältewelle bereits am Wochenende zusätzliche Übernachtungsplätze für Obdachlose eingerichtet worden.

Bulgarien hat angesichts der Kälte fast im ganzen Land die zweithöchste Warnstufe ausgerufen. Am kältesten war es mit 24 Grad unter null in der Stadt Tschirpan, berichtete das Staatsradio am Montag. Für die mittelbulgarische Stadt sei dies ein neuer Kälterekord - der alte bestand seit 1933. Straßen und Bürgersteige wurden vielerorts zu Rutschbahnen. Dutzende Menschen mussten mit Bein- oder Armbrüchen zum Arzt.

In Lettland starben drei Menschen an Erfrierungen, berichteten lokale Medien am Montag. In Litauen gab es ein weiteres Kälteopfer. Nach Angaben der meteorologischen Institute sind in Estland, Lettland und Litauen Anfang Februar stellenweise Tiefstwerte unter minus 30 Grad in der Nacht möglich.

In der Ukraine sind infolge des Wintereinbruchs mit Temperaturen von bis zu minus 32 Grad Celsius 18 Menschen erfroren. Das berichtete die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass. 473 Personen mussten zudem zwischen Freitag und Sonntag wegen Erfrierungen in Krankenhäusern behandelt werden. Die Regierung rief die Bevölkerung auf, die Häuser nur zu verlassen, wenn dies unbedingt erforderlich sei.

Ausläufer der Kältewelle haben auch auf Spanien übergriffen. Auf der Ferieninsel Mallorca schneite es im Bergland der Sierra de Tramuntana zum ersten Mal in diesem Jahr. Auf dem Festland herrschte in weiten Teilen Nord- und Mittelspaniens Nachtfrost.

Nach starken Schneefällen liegt auch der Nordwesten Italiens unter einer dicken weißen Decke. Weil auch in der piemontesischen Metropole Turin knapp 20 Zentimeter Schnee gefallen sind und Gefahr durch Eisglätte drohte, blieben die Schulen dort am Montag geschlossen.

wit/dpa/dapd

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insgesamt 28 Beiträge
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1. ?
novoma 30.01.2012
Wo bleibt die Erderwärmung, wenn man sie mal braucht? ;-)
2. Kälte im Winter
anders_denker 30.01.2012
Zitat von sysopAus Sibirien rollt eine Kältewelle heran: Hoch "Cooper" kühlt Osteuropa und Deutschland herunter - mit gravierenden Folgen. In Polen, der Ukraine und im Baltikum sind bereits Dutzende Menschen erfroren. Selbst auf Mallorca fiel Schnee. Frost in Europa: "Cooper" bringt die Eiseskälte - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,812228,00.html)
Ich mag mich ja irren, aber etwa -6°C in Hamburg heute Morgen sind eher Wintertypisch als selten. Und auch mal 1-2 Wochen mit deutlich unter -10 sind nicht unüblich. Ja, die beiden letzten Winter waren etwas strenger, aber auch in "im mittel" milden Wintern gibt es mal Frost Phasen - nur dauern diese keine x-Wochen an. Was soll diese Sensationshascherei weil es einfach mal "kalt" wird?
3. Auf Thema antworten
c.PAF 30.01.2012
Oh Klasse, eine Diskussion über das Wetter. Warum ist es im Winter kalt? Warum ist es im Sommer heiß? Wichtig finde ich auch die Wetterwarnstufen. Vor jedem Mist wird gewarnt. Dabei handelt es sich zum überwiegenden Teil um jahreszeitlich normale Ereignisse. Nebel/Regen im Herbst, Kälte im Winter, Hitze im Sommer. Ich kann das schon lange nicht mehr ernstnehmen. Ist die Menschheit wirklich schon so degeneriert, daß sie mit jahreszeitlich normalen "Wetterereignissen" nicht mehr klarkommt. Peinlich peinlich...
4. Expterten
VNV 30.01.2012
Hatten wir nicht erst vor kurzem eine Meldung, wonach einige "Expterten" für den Rest dieses Winters weiterhin so milde Temperaturen prognostiziert hatten? Soviel zum Thema Experten.. ;-) Ein paar echte Wintertage sind gar nicht schlecht, bislang konnten wir uns da ja zum Glück nicht beklagen.
5. Titel
headmiller 30.01.2012
Zitat von novomaWo bleibt die Erderwärmung, wenn man sie mal braucht? ;-)
Keine Panik! Abwarten und Grog trinken!
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