Frost und Schnee in Europa "Daisy" geht, der Winter bleibt

Blockierte Autobahnen in Deutschland, Stromausfälle in Polen, Überflutungen auf dem Balkan: Heftiger Schneefall, Eis und Hochwasser haben in ganz Europa für Ausnahmezustand gesorgt. Sturmtief "Daisy" zieht nun langsam gen Osten - doch der Winter bleibt.


Hamburg - "Langsam kommen wir zurück zu einem ganz normalen Winterwetter", sagt Andreas Wagner von Meteomedia SPIEGEL ONLINE. Will heißen: In den kommenden Tagen bleibt es kalt in Deutschland, verbreitet gibt es Schneeschauer und Dauerfrost, die Straßen können glatt sein. Besorgniserregend ist all das aber nicht - vielmehr ganz normales Januarwetter.

Am Morgen hat sich die Lage in ganz Deutschland nach dem Winter-Wochenende langsam entspannt. Im Landkreis Ostvorpommern wurde der Katastrophenalarm aufgehoben. "Wir haben eine Entwicklung zum Positiven, es fällt kein Schnee mehr und auch die Pegelstände gehen zurück", sagte ein Polizeisprecher in Lübeck.

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Eis und Kälte: Schnee bedeckt Europa
Die Situation auf den Straßen beruhigte sich, allerdings war die Autobahn 20 zwischen Anklam und Stralsund weiter voll gesperrt. Problematisch blieb die Lage auf Fehmarn. Auf der Ostseeinsel waren am Morgen noch immer viele Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Ob sie im Laufe des Tages wieder erreichbar sein werden, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Die Passagiere am Frankfurter Flughafen und Bahnkunden müssen sich auf Ausfälle und Verspätungen einstellen. Es sei "auf jeden Fall mit einigen Annullierungen und Verspätungen zu rechnen", sagte eine Sprecherin des Frankfurter Flughafens am Morgen. Am Wochenende waren mehr als 300 Flüge ausgefallen, von den Streichungen waren etwa 60.000 Passagiere betroffen. Tausende Fluggäste verbrachten die Nacht im Hotel, einige campierten auf Feldbetten im Flughafen.

Leere Stadien in Großbritannien

Auch in Großbritannien hat sich die Lage nach den chaotischen letzten Wochen etwas entspannt. Zwar gab es immer noch Behinderungen im Verkehr, aber die meisten Straßen waren wieder geöffnet und mehr Zugverbindungen sowie Flüge wurden aufgenommen. Auch konnte die Schule in den meisten Regionen wieder beginnen, nachdem der Unterricht vielerorts eine Woche lang ausgefallen war.

Der Billigflieger Easyjet strich in London-Gatwick am Montag nur sechs Flüge, vergangene Woche waren es rund 70 pro Tag gewesen. Dennoch warnten Fluggesellschaften wie British Airways vor Verspätungen. Auch der Eurostar fährt immer noch eingeschränkt. Die Betreiber kündigten an, dass weiterhin einige Züge ausfielen. Reisende wurden gebeten, ihre Fahrten möglichst auf einen anderen Tag zu verschieben.

Am Wochenende half die britische Armee, eingeschneite Menschen in der Grafschaft Kent mit Lebensmitteln zu versorgen. Durch den Schnee waren viele ländliche Gebiete von der Außenwelt abgeschnitten.

Bis auf zwei Spiele fielen die Partien der Premier League am Wochenende aus: Man hatte Sorge, die Sicherheit der Besucher in den eingeschneiten und vereisten Stadien nicht gewährleisten zu können. Zum ersten Mal seit 140 Jahren blieb auch der traditionelle "Serpentine Swimming Lake" ein Freibad im Londoner Hyde Park geschlossen.

Die Temperaturen stiegen am Montag in Großbritannien wieder über die Null-Grad-Grenze. Das bedeutete für die Winterdienste, deren Streusalz ausgegangen war, leichte Erholung. Auch in London setzte Regen statt Schnee ein. Laut Meteomedia währt die Erholung aber nicht lang: Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt erwarten die Meteorologen ab Dienstag Neuschnee im Königreich.

In Polen waren am Wochenende zeitweise 80.000 Menschen ohne Strom. Die Schneemassen ließen Bäume und Masten einstürzen und die Versorgung zusammenbrechen. Überfrierende Nässe sorgte auf den Straßen für chaotische Verhältnisse, auf der Bahntrasse von Krakau nach Warschau kam es zu Verspätungen.

Stromausfall in Tschechien

Die seit Freitag andauernden Schneefälle haben in Tschechien auch am Montag den Verkehr behindert. Wegen Schneeverwehungen kam es im Zugverkehr teilweise zu mehrstündigen Verspätungen, von denen auch die Verbindungen nach Deutschland, Österreich und in die Slowakei betroffen waren. Der Flughafen Prag konnte den Betrieb weitgehend normal fortführen, hier verspäteten sich hauptsächlich ankommende Flüge.

Die Polizei empfahl Autofahrern erneut, nur unbedingt notwendige Fahrten zu unternehmen. Im mährischen Landesteil waren Reparaturteams unterwegs, um Stromleitungen, die unter Vereisung zusammengebrochen waren, wieder an das Netz zu schließen. Nach Angaben des Elektrizitätsversorgers CEZ hatten einige Dutzend Haushalte im Osten Tschechiens vorübergehend keinen Strom.

In Frankreich saßen am Wochenende Hunderte Reisende an den Flughäfen fest. Unter anderem strandete eine Reisegruppe von 800 Touristen in Lyon - die Passagiere wollten eigentlich zum Skifahren in die Französischen Alpen, saßen aber nach einer Sperrung am Flughafen fest.

Starke Regenfälle und schmelzender Schnee sorgten auf dem Balkan für schwere Überschwemmungen. In Kroatien wurde der Katastrophenalarm ausgelöst, 100 Häuser wurden evakuiert.

"Das Tauwetter scheint noch weit weg"

Sturmtief "Daisy" wird sich in den kommenden Tagen abschwächen und in Richtung Schwarzes Meer ziehen. In der Folge werden heftige Schneefälle in Teilen Osteuropas erwartet.

Nach dem Wegzug des Sturmtiefs sorgt ein Hochdruckgebiet in den nächsten Tagen stellenweise aber für noch mehr Kälte. Hoch "Bob" über Skandinavien werde eisige Luft aus dem Osten nach Deutschland drücken, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Montag.

"Es kommt kalte Luft aus Ost, aber mit deutlich weniger Wind", sagte ein DWD-Sprecher. Nur am Montag könne es an der Küste noch einmal stürmisch werden. Wo es schneit, sei hingegen nicht leicht vorherzusagen. Sicher sei nur, dass die Flocken nicht so heftig werden wie am Wochenende. In Südostbayern und an der Ostsee sei die Wahrscheinlichkeit für längeren Schneefall noch am größten.

Besonders dort, wo nachts die Wolken aufreißen, sei mit kräftigen Minusgraden zu rechnen. "Allgemein kann man sagen, dass das Tauwetter im Moment noch weit weg scheint", sagte der Sprecher. Am Mittwoch könne sogar ein neuer Tiefausläufer Deutschland erreichen und wieder kräftigen Schneefall mitbringen.

han/AP/AFP

Forum - Haben wir den Winter verlernt?
insgesamt 676 Beiträge
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Seite 1
Volker Gretz, 11.01.2010
1.
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
Nö. Man sollte sich einfach vom aufgesetzten weibischen Gejammer der Medien nicht verunsichern lassen. Wie Sie richtig bemerken: Es ist Winter (und nicht einmal besonders schlimm). Mir kommte so vore als ob der ganze Irrsinn mit dem "Sommermächen 2006" (Spiel um die goldene Zitrone im eigenen Land) begonnen hatte. Das ging dann über den Medikamententod eines abgehaltreten Popstars (Verkaufsteigerung) bis zum unwürdig durch die Medien gezerrten Freitod eines Fußballers - und endet jetzt (vorläufig)im "Winterchaos 2010".
Volker Gretz, 11.01.2010
2.
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
Nö. Man sollte sich einfach vom aufgesetzten weibischen Gejammer der Medien nicht verunsichern lassen. Wie Sie richtig bemerken: Es ist Winter (und nicht einmal besonders schlimm). Mir kommte so vore als ob der ganze Irrsinn mit dem "Sommermächen 2006" (Spiel um die goldene Zitrone im eigenen Land) begonnen hatte. Das ging dann über den Medikamententod eines abgehaltreten Popstars (Verkaufsteigerung) bis zum unwürdig durch die Medien gezerrten Freitod eines Fußballers - und endet jetzt (vorläufig)im "Winterchaos 2010".
Mulharste, 11.01.2010
3.
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
ja, haben wir. Das was wir hier erleben, war doch "früher" ganz normal und ich verstehe nciht, wie hier alle szusammenbrechen kann. Insebesondere bei der Bahn. Unfassbar.
schensu 11.01.2010
4.
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
Haben wir ihn je "gekonnt"?
Rainer Helmbrecht 11.01.2010
5. .
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
Offensichtlich schn. In den Wintern 1965-70 war die Strasse d. 12. Junis so zugeschneit, dass Autos,die von den Schneeeräumern umfahren wurden, nach einigen Tagen nicht mehr zu sehen waren und erst bei Tauwetter vom Besitzer wiederentdeckt wurden. Da sprach kein Mnsch vom Caos, sondern vom strengen Winter, weiter nix. Hute wird nur noch in Superlativen gesprochen. Der grösste, der längste aber nie davon,dass das im Winter eben so ist. MfG. Rainer
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