Winterwetter "Hartmut" friert Deutschland weiter ein

Viele Unfälle, gestrichene Flüge, verspätete Züge: Mit Temperaturen um minus 20 Grad setzt sich das Winterwetter bei uns fest. Und es wird noch kälter.

AFP

Die bislang wohl kälteste Nacht in Deutschland 2018 hat in mehreren Gegenden zu erheblichem Verkehrschaos geführt. Auf den Straßen ereigneten sich viele Unfälle. Allein rund um Lübeck zählte die Polizei innerhalb weniger Stunden rund hundert Verkehrsunfälle. Verletzt wurde niemand, es blieb bei Blechschäden.

In Hamburg behinderten 75 Unfälle sowie ausgefallene und verspätete S-Bahnen den morgendlichen Berufsverkehr. In Mecklenburg-Vorpommern kam es vor allem durch Schneeverwehungen zu mindestens sechs Unfällen. In Bremen fielen seit Sonntagabend zehn Flüge aus. Nach 21 Uhr war die Wetterlage so schlecht, dass sechs ankommende Flugzeuge nicht landen konnten.

Die Nacht zu Montag soll die kälteste in diesem Winter gewesen sein. In Thüringen, Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg fielen die Temperaturen auf minus 10 bis minus 15 Grad. Am kältesten war es mit minus 27 Grad auf der Zugspitze, wie eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mitteilte. Dies sei für den höchsten Gipfel in Deutschland auch der bisherige Minusrekord in diesem Winter.

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Wetter: Klirrende Kälte in Deutschland

Entwarnung ist nicht in Sicht - es soll sogar noch eisiger werden. Besonders kalt wird es der Vorhersage zufolge in den kommenden Nächten erneut in den Alpen und im östlichen Mittelgebirgsraum. In den dortigen Tälern erwarten die Meteorologen Temperaturen unter minus 20 Grad, und auch andernorts in der Mitte und im Süden Deutschland wird es mit minus neun bis minus 16 Grad nochmals knackig kalt. Grund ist Hoch "Hartmut", das arktische Luft nach Mitteleuropa bläst.

Auch tagsüber herrscht weiter Dauerfrost, vor allem für den Norden wird zudem weiterer Schnee erwartet. Für den Küstenbereich warnte der DWD vor Schneeverwehungen. Am Mittwoch soll es an der Ostsee noch leicht bis mäßig schneien, ansonsten bleibt es trocken und die Sonne scheint bei Werten von minus acht bis minus einem Grad.

In der Nacht zum Donnerstag wird es nochmals knackig kalt mit minus vier bis minus 15 Grad, tagsüber werden minus zehn bis plus ein Grad erwartet. Etwas milder könnte es der Vorhersage zufolge in Richtung Wochenende werden. Derzeit herrscht eisiger Frost nicht nur in Deutschland - sondern auch in anderen Ländern Europas.

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Frost in Europa: Im Eisnahmezustand

Mehrere Kältetote in Europa

  • Österreich erlaubt wegen der Kälte Ausnahmen vom Verhüllungsverbot. "Bei diesen Temperaturen wird kein Polizist jemanden belangen, der sein Gesicht zum Schutz vor Kälte verhüllt", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Seit 1. Oktober 2017 muss eigentlich jeder sein Gesicht von der Stirn bis zum Kinn zeigen. Das Gesetz, mit dem gegen Burka oder Nikab auf der Straße vorgegangen werden soll, habe Ausnahmen wie eisige Temperaturen vorgesehen.
  • In Polen starben bei eisigen Temperaturen nach Regierungsangaben seit Freitag mindestens acht Menschen. Seit November stieg die Zahl der Kältetoten im Land damit auf 48. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, vor allem Obdachlosen und älteren Menschen zu helfen, die von der Kälte besonders bedroht seien. In Goldap im Nordosten des Landes fielen die Temperaturen auf minus 26,2 Grad.
  • In Schweden kollidierte auf glatten Straßen der Wagen von Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven südlich von Uppsala mit einem querstehenden Laster. Verletzt wurde niemand. "Wir fuhren sehr langsam, es bestand keine Gefahr", sagte Löfven dem schwedischen Fernsehen SVT. Nördlich von Stockholm kam es wegen Schneefalls zu einer Massenkarambolage mit 20 Fahrzeugen. An den Flughäfen Arlanda und Bromma fielen zahlreiche Starts und Landungen aus.
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  • In Litauen erfroren bei Temperaturen von bis zu minus 24 Grad in den vergangenen drei Tagen drei Menschen, wie die Nachrichtenagentur BNS berichtete.
  • In Frankreich sollten die Temperaturen bis auf minus zehn Grad fallen. In Valence im Südosten des Landes war am Sonntag die Leiche eines 35-jährigen Obdachlosen gefunden worden.
  • In Belgien, im Brüsseler Stadtteil Etterbeek, ordnete Bezirksbürgermeister Vincent de Wolf an, Obdachlose in Gewahrsam zu nehmen, wenn sie sich nicht freiwillig in Notunterkünfte begeben. Die derzeitige Kälte stelle ein "größeres Risiko" dar und es liege in seiner Verantwortung, Todesfälle zu verhindern, sagte de Wolf.
  • In Italien legte der Schneefall das öffentliche Leben lahm. Alle Schulen und Kindergärten in der Hauptstadt Rom blieben geschlossen. Bewohner sollten sich möglichst wenig fortbewegen. Das Militär sollte die Straßen räumen. In der Apennin-Bergregion soll es nachts bis zu minus 20 Grad kalt werden.
  • Im Norden Griechenlands fiel Schnee. Viele Straßen in der nordgriechischen Provinz Mazedonien waren nur mit Schneeketten befahrbar, wie das griechische Staatsradio (ERT) berichtete. Der Unterricht fiel in vielen Provinzen aus.
  • In Bulgarien blieben Lastwagen wegen Schnee und Eis liegen. In entlegenen Gebieten fiel der Schulunterricht aus. Wegen des Sturms gab es vielerorts Schneeverwehungen. Die Behörden riefen die höchsten Warnstufen Rot und Orange für gefährliche Wetterverhältnisse aus.
  • Der britische Wetterdienst erwartet die kälteste Woche in Großbritannien seit Jahren. Teile von England und Wales würden wahrscheinlich die schlimmste Kältewelle "seit mindestens 2013 - vielleicht sogar seit 1991" erleben, sagte Chef-Meteorologe Frank Saunders.

fok/apr/AFP/dpa



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