Frostwinter Deutschland rüstet sich für das nächste Schneetief

Heftiger Wind, eisglatte Straßen und mehr als 40 Zentimeter Neuschnee haben den Westen und Norden Deutschlands zeitweise lahmgelegt. Züge fielen aus, die Polizei registrierte Hunderte Unfälle, Tausende Menschen saßen fest. Meteorologen sagen schon das nächste Schneetief voraus.


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Winterwetter: Als "Keziban" neuen Schnee brachte

Berlin - Drei Wochen nach dem Sturmtief "Daisy" hat am Samstag "Keziban" in weiten Teilen Deutschlands starke Verkehrsbehinderungen verursacht. Dramatisch waren die Verhältnisse erneut in Mecklenburg-Vorpommern, wo bis zu 43 Zentimeter Neuschnee fielen. Meterhohe Schneeverwehungen legten dort den Straßen- und Bahnverkehr weiträumig lahm. Vielerorts brach der öffentliche Personennahverkehr zusammen. Reisende mussten stundenlange Verspätungen in Kauf nehmen oder gar auf ein Weiterkommen verzichten.

Auch in anderen Bundesländern machten starke Schneefälle den Autofahrern zu schaffen. Zahlreiche Autobahnen und Bundesstraßen mussten wegen Unfällen oder Glätte gesperrt werden. Mindestens drei Menschen kamen ums Leben. Von den größeren Gemeinden war besonders die Hafenstadt Rostock vom Schneeunwetter betroffen. Busse und Straßenbahnen verkehrten nicht mehr, auf den Straßen kamen Fahrzeuge kaum durch. Ein stürmischer Wind hatte den Schnee vielfach zu unpassierbaren Hindernissen aufgetürmt. Die Stadtverwaltung richtete einen Krisenstab ein, der Rettungs- und Hilfsmaßnahmen koordinierte. Eingesetzt wurden Spezialkettenfahrzeuge und allradbetriebene Rettungswagen.

Auch in Stralsund, im Landkreis Nordvorpommern sowie auf Rügen wurde der öffentliche Personennahverkehr eingestellt. Auf 18 Strecken fiel der Zugbetrieb aus, unter anderem zwischen Bad Kleinen und Lübeck, Stralsund und Greifswald. IC-Züge aus Hamburg endeten bereits in Schwerin. Ersatzverkehr war wegen der Straßenverhältnisse nicht möglich.

Stellenweise dramatischere Lage als nach "Daisy"

"Keziban" wütete besonders im Küstenbereich. Am Kap Arkona auf Rügen wurde Windstärke elf gemessen, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Zwölf ist der Höchstwert. Auch über den übrigen Küstenbereich fegte der Sturm mit Windstärke acht und trieb die Schneemassen vor sich her. Stellenweise lag der Schnee über einen halben Meter hoch.

Auf mehreren Bundesstraßen steckten am Samstagmorgen in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 70 Fahrzeuge fest. Wegen Schneeverwehungen kam der Verkehr auf mehreren Abschnitten der A20 und der A14 zum Erliegen. Die neue Rügenbrücke in Stralsund wurde ebenfalls gesperrt.

Die Lage sei teilweise noch dramatischer als nach "Daisy", sagte ein Sprecher im Lagezentrum des Innenministeriums. Die Insel Hiddensee ist von der Außenwelt abgeschnitten, nachdem die Eisbrecher-Fähre ausgefallen war. Das in Rostock geplante Spiel der zweiten Fußballbundesliga zwischen Hansa Rostock und Union Berlin wurde abgesagt. Im Müritzkreis fiel zeitweise die Stromversorgung aus.

Autos blieben in Schneewehen stecken

Auch im Osten Schleswig-Holsteins musste der öffentliche Nahverkehr zum Teil eingestellt werden. Betroffen hiervon war nach Polizeiangaben unter anderem die Region um Ratzeburg. Auf der Insel Fehmarn waren Straßen nicht befahrbar. Im Norden Brandenburgs blieben einige Autos in Schneeverwehungen stecken. Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand.

Zweiter Schnee-Schwerpunkt war am Samstag Nordrhein-Westfalen. Dort fielen bis zu 29 Zentimeter Neuschnee. Die Polizei zählte bis zum Morgen rund 300 witterungsbedingte Verkehrsunfälle. Der Gesamtsachschaden belief sich auf rund 1,32 Millionen Euro. Ein Mensch wurde getötet. Auch in anderen Landesteilen ereigneten sich Hunderte von Unfällen. Dabei wurden zahlreiche Menschen verletzt. In Bayern kamen zwei Autofahrer ums Leben.

Auf den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn kam es wetterbedingt zu Verspätungen. In Frankfurt am Main lief der Flugverkehr nach Angaben eines Sprechers hingegen problemlos.

Neue heftige Schneefälle am Dienstag

Sturmtief "Keziban" zog am Samstag von der Ostseeküste nach Südfinnland ab. Inzwischen müsse bundesweit nur noch mit Schneeschauern gerechnet werden, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes.

Dem DWD zufolge zieht bereits ein weiteres Tief mit anhaltendem Schneefall heran. "Eine flächendeckende Schneemenge, die so lange hält, hatten wir das letzte Mal im Winter 1978/79", sagte eine Sprecherin.

Der neue Schneesturm soll am Dienstag Deutschland erreichen. Dann sind vor allem in der Westhälfte und im Süden Neuschneemengen um zehn Zentimeter innerhalb von zwölf Stunden möglich. In den tiefen Lagen Westdeutschlands ist kurzzeitig auch Regen möglich. Die Höchstwerte liegen in der Osthälfte zwischen null und minus drei Grad, in der Westhälfte werden null bis drei Grad erreicht.

ffr/ddp/Reuters/dpa



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Seite 1
Volker Gretz, 11.01.2010
1.
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
Nö. Man sollte sich einfach vom aufgesetzten weibischen Gejammer der Medien nicht verunsichern lassen. Wie Sie richtig bemerken: Es ist Winter (und nicht einmal besonders schlimm). Mir kommte so vore als ob der ganze Irrsinn mit dem "Sommermächen 2006" (Spiel um die goldene Zitrone im eigenen Land) begonnen hatte. Das ging dann über den Medikamententod eines abgehaltreten Popstars (Verkaufsteigerung) bis zum unwürdig durch die Medien gezerrten Freitod eines Fußballers - und endet jetzt (vorläufig)im "Winterchaos 2010".
Volker Gretz, 11.01.2010
2.
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
Nö. Man sollte sich einfach vom aufgesetzten weibischen Gejammer der Medien nicht verunsichern lassen. Wie Sie richtig bemerken: Es ist Winter (und nicht einmal besonders schlimm). Mir kommte so vore als ob der ganze Irrsinn mit dem "Sommermächen 2006" (Spiel um die goldene Zitrone im eigenen Land) begonnen hatte. Das ging dann über den Medikamententod eines abgehaltreten Popstars (Verkaufsteigerung) bis zum unwürdig durch die Medien gezerrten Freitod eines Fußballers - und endet jetzt (vorläufig)im "Winterchaos 2010".
Mulharste, 11.01.2010
3.
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
ja, haben wir. Das was wir hier erleben, war doch "früher" ganz normal und ich verstehe nciht, wie hier alle szusammenbrechen kann. Insebesondere bei der Bahn. Unfassbar.
schensu 11.01.2010
4.
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
Haben wir ihn je "gekonnt"?
Rainer Helmbrecht 11.01.2010
5. .
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
Offensichtlich schn. In den Wintern 1965-70 war die Strasse d. 12. Junis so zugeschneit, dass Autos,die von den Schneeeräumern umfahren wurden, nach einigen Tagen nicht mehr zu sehen waren und erst bei Tauwetter vom Besitzer wiederentdeckt wurden. Da sprach kein Mnsch vom Caos, sondern vom strengen Winter, weiter nix. Hute wird nur noch in Superlativen gesprochen. Der grösste, der längste aber nie davon,dass das im Winter eben so ist. MfG. Rainer
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