Fukushima: Behörden lassen Tiere in der Sperrzone töten
4000 Kühe, 30.000 Schweine und 630.000 Hühner lebten vor der Katastrophe in der Region um das havarierte Fukushima-AKW. Die Bewohner der Sperrzone wurden evakuiert, die Tiere blieben dort. Jetzt will die Regierung das hungernde Vieh töten lassen.
Tokio - Sechs Mitarbeiter der Provinzregierung von Fukushima betraten am Montag in Strahlenschutzkleidung die abgesperrte Zone im Umkreis von 20 Kilometern um die Atomruine. Sie sollten sich ein Bild von den Tieren vor Ort machen. Das Ergebnis: Die Behörden wollen die hungernden Tiere töten lassen. Die Regierung begründete ihr Vorgehen mit dem Schutz der öffentlichen Gesundheit.
Es würden - mit dem Einverständnis der Besitzer - nur Tiere getötet, denen es sehr schlecht gehe, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Es sei allerdings schwer, alle Besitzer in den Notunterkünften ausfindig zu machen. Vor dem Atom-Unfall gab es in der Region 370 landwirtschaftliche Betriebe mit rund 4000 Kühen, 30.000 Schweinen und 630.000 Hühnern.
Nach dem Erdbeben und dem Tsunami, der am 11. März auch das AKW zerstört hatte, mussten die Bewohner der Sperrzone ihre Häuser verlassen, das Vieh und viele Haustiere wurden zurückgelassen. Die Sperrzone darf seit einigen Tagen nur noch mit staatlicher Genehmigung und in Schutzanzügen betreten werden. Die Regierung will den ehemaligen Bewohnern aber erlauben, persönliche Gegenstände zu holen.
Nach den am Montag präzisierten Auflagen der Regierung darf pro Haushalt jeweils nur ein Mitglied an einem der staatlich gesteuerten Sperrzonen-Besuche teilnehmen. Kinder unter 15 und Senioren sind ausgenommen. Der Aufenthalt in der Zone ist auf insgesamt fünf Stunden begrenzt. Es dürfen weder Lebensmittel noch Nutztiere mitgenommen werden. Ob bei Haustieren eine Ausnahme gemacht wird, stand noch nicht fest.
In fünf Stunden dürfen die Menschen das Wichtigste aus ihren Häusern holen
"Angesichts von mehr als 26.000 Haushalten können wir nicht allen auf einmal (den Zutritt) erlauben", wurde Ministerpräsident Naoto Kan zitiert. Die Rückkehraktion werde daher beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen. Ausgenommen sind Häuser im Umkreis von drei Kilometern um das AKW - sie dürfen gar nicht betreten werden.
In der Atomruine von Fukushima kämpfen derweil die Reparaturtrupps weiter gegen die Massen verstrahlten Wassers. Tepco muss derzeit fast 70.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Abwasser aus den Turbinengebäuden und aus Tunneln pumpen, das zur Notkühlung der beschädigten Reaktoren benutzt worden war. Das Wasser behindert die Reparaturarbeiten am Kühlsystem und gefährdet die Arbeiter.
Unterdessen hat eine neue groß angelegte Suchaktion nach noch immer vermissten Opfern der Naturkatastrophe begonnen. Rund 24.800 Einsatzkräfte wurden an die vom Beben und dem darauffolgenden Tsunami schwer getroffene Küste im Nordosten des Landes geschickt, teilte das Verteidigungsministerium in Tokio mit. Darunter waren Soldaten, Polizisten und Beamte der Küstenwache sowie Helfer aus den USA. 14.340 Menschen kamen bislang offiziell ums Leben. Rund 12.000 weitere Menschen werden noch vermisst. Viele von ihnen könnten im Pazifik ertrunken sein.
lgr/dpa/AFP
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- Montag, 25.04.2011 – 21:45 Uhr
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Wie qualvoll eine akute Strahlenkrankheit bei hoher Dosis enden kann, zeigen die Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki und der Tschernobyl-Katastrophe. Haarausfall, unkontrollierte Blutungen, ein zerstörtes Knochenmark, Koma, Kreislaufversagen und andere dramatische Auswirkungen können den Tod bringen.

Radioaktives Jod baut sich in der Umwelt allerdings schnell ab. Gefährlicher ist radioaktives Cäsium, es hat eine längere Lebensdauer und wirkt bei Aufnahme durch die Luft oder über Nahrungsmittel im ganzen Körper. Dagegen helfen keine Pillen. Bricht ein Reaktor, wie in Tschernobyl geschehen, auseinander, gelangen großen Mengen Cäsium in die Atmosphäre und verstrahlen die Gegend, in der die Partikelwolke niedergeht, auf viele Jahre.

7000 Millisievert, also sieben Sievert, die direkt und kurzfristig auf den Körper treffen, bedeuten den sicheren Tod (siehe Grafik). Zum Vergleich: Am Montagmorgen maßen die Techniker am Kraftwerk Fukushima I eine Intensität von 400 Millisievert pro Stunde. In Tschernobyl tötete die Strahlung von 6000 Millisievert 47 Menschen, die unmittelbar am geborstenen Reaktor arbeiteten.

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