Fußball-Weltmeister Spanien: Tore statt Tristesse

In dieser Nacht war kein Denkmal zu hoch: SPIEGEL-ONLINE-Redakteurin Katharina Peters erlebte in Madrid, wie Spanien zum ersten Mal Fußball-Weltmeister wurde. Der Triumph versöhnte ein deprimiertes Land mit sich selbst.

Ausnahmezustand: Fans in Madrid und Amsterdam Fotos
AFP

Sie saßen mitten auf der Straße, gehüllt in die spanische Nationalflagge. Um sie herum taumelten Massen von Menschen die Madrider Prachtstraße hoch, singend, grölend, trötend. Zehntausende, die "Campeones!" schrien, "Weltmeister!" Diese vier Spanier aber saßen einfach nur da, auf dem warmen Asphalt, und bestaunten den rot-gelb-roten Rausch. Spanien war Weltmeister. Das muss man erst mal verarbeiten.

Plötzlich war es wieder da: das lustige, feierfreudige, knallige Spanien. Vergessen die Euro-Krise, die Bauruinen und die Schlangen vor den Arbeitsämtern. Tore statt Tristesse. Hunderttausende feuerten bei fast 40 Grad auf der Madrider Fanmeile ihre Mannschaft an, und ich war mittendrin. Zugegeben, etwas geknickt, weil genau diese "rote Furie" die Deutschen aus dem Turnier geworfen hatte.

Aber Orakel Paul hatte das nun einmal prophezeit, und auch das Ergebnis des Finales stand damit ja schon fest: Spanien gewinnt. Entsprechend ehrfürchtig trugen die Madrilenen Kraken-Plakate durch die Stadt, gefolgt von tanzenden Toreros und in den Nationalfarben gewandeten Schoßhündchen.

116 Minuten mussten die Fans bangen, doch dann erlöste Andrés Iniesta die Menge mit seinem entscheidenden 1:0. Es waren nur Bruchteile von Sekunden, die Fiesta aber dauerte die ganze Nacht. Die Menschen warfen sich in Brunnen, tobten durch die Städte. Im Herzen von Madrid erklommen sie ein neun Meter hohes Reiterstandbild. Weil in so einem Moment nichts hoch genug ist.

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Forum - Niederlande gegen Spanien - das Traumfinale?
insgesamt 175 Beiträge
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1. Verdient
GerwinZwo 10.07.2010
So, wie das Turnier und das Halbfinale gelaufen ist, stehen beide völlig verdient und zu Recht im Finale. Gut finde ich auch, daß beide nun die Gelegenheit haben, den ersten "Stern" zu verdienen. Bei beiden überfällig. Beide Mannschaften haben mich alles in allem sehr überzeugt und die konstantesten Leistungen geboten. Hervorzuheben auch, daß es kein "Mauermeister" ins Finale geschafft hat, wie seinerzeit GR als Europameister oder oft genug Italien. NL und ESP haben alles in allem nach vorne gespielt. Ich gönne es beiden, hoffe aber auf NL. Oranje Boven... ;-)
2. ++
saul7 10.07.2010
Zitat von sysopNiederlande und Spanien im Finale der Fußball-WM 2010 in Südafrika. Haben es die besten Mannschaften so weit geschafft? Oder hätten es andere Teams mehr verdient?
Es ist das Ergebnis von 4 Wochen WM. Alle Mannschaften haben gezeigt, dass die Qualität des Weltfußballs sehr eng beieinander liegt und dass im Grunde jede Mannschaft mit ein wenig Glück auch hätte im Finale stehen können. Spanien und die Niederlande stehen nicht unverdient im Finale, und eine der beiden Mannschaften wird das erste Mal den Pokal ins Land holen. Gratulation vorab!
3.
Andr.e 10.07.2010
Zitat von sysopNiederlande und Spanien im Finale der Fußball-WM 2010 in Südafrika. Haben es die besten Mannschaften so weit geschafft? Oder hätten es andere Teams mehr verdient?
Persönlich wäre mein Traumfinale Honduras - Neuseeland gewesen. Spanien - Niederlande habe ich vorher so getippt, freut mich, dass es so gekommen ist. Verdient ist es für beide. Die Spanier, die schon seit Jahren auf hohem Niveau spielen können ihre Spielweise mit dem WM-Titel vergolden. Die Niederländer, die es endlich mal geschafft haben, nicht den allerschönsten, dafür aber mit den erfolgreichsten Fußball eines Turniers zu spielen.
4. müssige frage
deepocean 10.07.2010
die frage ist müssig, fakt ist wer im endspiel steht hat es auch irgendwie verdient.. wobei ;-) naja die niederlande hatten mehr glück als verstand gegen brasilien, die sich letzendlich selbst geschlagen haben , aber ; auch solche spiele muss man gewinnen und das haben die niederlande, von daher kein grund zu meckern,.,, über spanien, die 1:0 könige, ist genug geschrieben worden, und ja auch die haben es verdient.. wenn man die quali miteinbezieht, was man im prinzip tun sollte, haben es beide mannschaften klar verdient... was unsere mannschaft angeht, tja, auch das ist ist bis zum erbrechen woanders "analysiert" worden, gefühlt hätten sie es verdient, aber wer sich so , nennen wir es mal taktisch ungeschickt verhält, soll sich eben nicht wundern, wenn es am ende nur um die goldene ananas geht...
5. ++
saul7 10.07.2010
Zitat von Andr.ePersönlich wäre mein Traumfinale Honduras - Neuseeland gewesen. Spanien - Niederlande habe ich vorher so getippt, freut mich, dass es so gekommen ist. Verdient ist es für beide. Die Spanier, die schon seit Jahren auf hohem Niveau spielen können ihre Spielweise mit dem WM-Titel vergolden. Die Niederländer, die es endlich mal geschafft haben, nicht den allerschönsten, dafür aber mit den erfolgreichsten Fußball eines Turniers zu spielen.
Sie sollten Paul Konkurrenz machen!! Haben Sie diesen Tipp schon vor Beginn der WM abgegeben oder erst nach dem Viertelfinale?? Sie haben wirklich seherische Fähigkeiten und sollten diese Gabe ausbauen!!!;-))
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Bevölkerung: 46,196 Mio.

Fläche: 505.988 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

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Spaniens Geschichte
Spanischer Bürgerkrieg
AFP
Im spanischen Bürgerkrieg kämpften von 1936 bis 1939 faschistische und konservativ-katholische Kräfte gegen die demokratisch gewählte Regierung der Republik. Der General Franciso Franco führte den Putsch vom Juli 1936 an. An seiner Seite kämpfte auch die deutsche Legion Condor sowie italienische Soldaten und Freiwillige.

Doch die Republikaner wehrten sich und verteidigten die Regierung: Auf der Seite der "Roten" kämpften Kommunisten, Sozialisten, Liberale und antifaschistische "Internationale Brigaden". Sie wurden unterstützt von der Sowjetunion. Der Bürgerkrieg wurde auf beiden Seiten mit einem Höchstmaß an Einsatzbereitschaft, aber auch an Brutalität geführt.
Franco-Diktatur
AFP
Francos Truppen siegten 1939 und zogen in Madrid ein. Der General errichtete eine Diktatur, die fast 40 Jahre dauern sollte und sich auf Armee, Kirche und faschistische Falange-Verbände stützte. 150.000 politische Gegner wurden von 1936 bis 1943 ermordet. Hunderttausende Menschen flohen ins Exil.
Übergang zur Demokratie
Getty Images
Nach Francos Tod 1975 einigten sich die spanischen Parteien auf einen "Pakt des Schweigens", um einen friedlichen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen. Erst mit dem 2007 verabschiedeten "Gesetz der historischen Erinnerung" begann die Aufarbeitung der Geschichte: Symbole des Franco-Regimes sollen aus dem öffentlichen Leben entfernt und die Opfer der Repressionen entschädigt werden.