Gedenken an 9/11: "Wir vermissen dich. Wir lieben dich, aber du fehlst uns so"

Hinterbliebene verlasen die Namen der Getöteten, Präsident Obama trug einen Psalm aus der Bibel vor: Zehn Jahre nach 9/11 haben die USA der Opfer der Terroranschläge gedacht. Mit sechs Schweigeminuten erinnerten Tausende an die schrecklichen Ereignisse.

Gedenken an 9/11: New York hält inne Fotos
AP

New York - Wo früher die Zwillingstürme des World Trade Centers in den Himmel ragten, sind heute zwei große Wasserbecken in den Boden eingelassen. An den Rändern eingraviert: Die Namen der fast 3000 Menschen, die bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ums Leben kamen. Zehn Jahre nach 9/11 haben die USA mit einer bewegenden Zeremonie am Ground Zero an die Opfer erinnert.

Präsident Barack Obama und sein Vorgänger George W. Bush standen Seite an Seite, als ein Chor die Zeremonie mit der US-Nationalhymne eröffnete. Dort, wo Qaida-Terroristen das World Trade Center mit gekaperten Flugzeugen zum Einsturz brachten, verlasen Hinterbliebene die Namen der Getöteten.

"Du fehlst uns" - kaum ein Satz wurde bei der Gedenkfeier in Manhattan so häufig gesagt wie dieser. Die Hinterbliebenen fügten ihn hinzu, wenn sie die Namen der Opfer vorlasen. Oft blieb Müttern und Vätern oder Söhnen und Töchtern fast die Stimme weg: "Wir vermissen dich. Wir lieben dich. Es geht uns gut und unsere Kinder sind großartig, aber du fehlst uns so."

Viele Angehörige gingen offen mit ihrer Trauer um. Sie trugen T-Shirts mit den Namen der Opfer. Oder hatten Bilder der Verstorbenen bei sich. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, die Veranstaltung sei eine "Chance zum Nachdenken und zum Erinnern".

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

"Sie waren unsere Nachbarn, unsere Freunde, unsere Ehemänner, Ehefrauen, Brüder, Schwestern, Kinder und Eltern", sagte Bloomberg in seiner Ansprache, "sie waren die, die zu Hilfe geeilt sind." Obama hielt keine Rede, sondern trug aus der Bibel den 46. Psalm vor: "Gott ist unsere Zuversicht und unsere Stärke."

Bush verlas einen Brief, den Abraham Lincoln 1864 an eine Mutter schrieb, die fünf Söhne im Bürgerkrieg verloren hatte. Von unermesslicher Trauer ist in dem Schreiben die Rede und vom Stolz, für die höchste Sache das höchste Opfer gebracht zu haben.

Mit sechs Schweigeminuten erinnerten die Teilnehmer an die tragischen Ereignisse von 9/11: die Einschläge der Passagierflugzeuge in die Twin Towers; den Einsturz des Nordturms und den des Südturms; den Einschlag eines Flugzeugs ins Pentagon in Washington; den Absturz einer vierten entführten Maschine nahe Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania (einen Überblick zu den dramatischen Ereignissen vor zehn Jahren finden Sie hier).

Über New York legte sich Stille: Der Verkehr in der Millionenmetropole stand still, sämtliche Bauarbeiten wurden für die Feierlichkeiten unterbrochen. Die Veranstaltung fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt, da es zuletzt neue Terrorwarnungen gegeben hatte. Die US-Behörden hoben die Warnstufe zwar nicht an, in New York und anderen Großstädten galten jedoch scharfe Sicherheitsvorkehrungen.

In Manhattan kontrollierte die Polizei Autos an Zufahrtsstraßen, Tunneln und Brücken, errichtete diverse Straßensperren und verlangte von Passanten Ausweispapiere. Obama wurde später am Tag auch bei Gedenkfeiern an den anderen Anschlagsorten in Washington und Pennsylvania erwartet.

hut/Reuters/AFP/dpa

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1. Die Hinterblieben trauern
willem.fart 11.09.2011
Alle anderen können nur Mitleid empfinden. Aber diese von den gleichgeschalteten Medien verlangt Kollektivtrauer der Deutschen für die Attentate auf die USA ist verlogen. So verlogen wie die Ostentativ-Trauer der Medien, um damit Geld zu machen.
2. Glaubenskrieg
Gruselheini 11.09.2011
Zitat von sysopHinterbliebene verlasen die Namen der Getöteten, Präsident Obama trug einen Psalm aus der Bibel vor: Zehn Jahre nach 9/11 haben die USA der Opfer der Terroranschläge gedacht. Mit sechs Schweigeminuten erinnerten Tausende an die schrecklichen Ereignisse. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,785627,00.html
Damit haben die Terroristen nur eines wirklich geschafft: ein erbarmungsloser Hass auf den Islam. Ich selber hasse nicht. Ich verachte jeglichen Glauben.
3. Die andere Seite nicht vergessen
bobbykeitel 11.09.2011
Man sollte sich an einem solchen Tag auch an die Hundertausende zivilen Opfer der 9/11 folgenden Angriffskriege der Amerikaner denken. Für die angebliche Sicherheit der USA vor Terroranschlägen ist den Irakern und Afghanen unendliches Leid zugefügt worden.
4. Meine aufrichtige Anteilnahme
FMK 11.09.2011
Meine Aufrichtige Anteilnahme an die Hinterbliebenen - auch jetzt 10 Jahre nach dem Terroranschlag. Einen Vater, Ehemann, Bruder, Schwester, Ehefrau oder Mutter zu verlieren - eine Wunde die nicht schnell verheilt. Menschen wie Du und ich, die einfach nur ihrer Arbeit nachgehen wollten, um für ihre Familie zu sorgen. Nicht alles Heilige, aber eben darum Menschen wie Du und ich. Opfer eines blindwütigen Extremismus - einer Ideologie - im Namen Allahs. Doch der Wille zur Freiheit ist stärker!
5. Warum ?
gaga007 11.09.2011
Zitat von bobbykeitelMan sollte sich an einem solchen Tag auch an die Hundertausende zivilen Opfer der 9/11 folgenden Angriffskriege der Amerikaner denken. Für die angebliche Sicherheit der USA vor Terroranschlägen ist den Irakern und Afghanen unendliches Leid zugefügt worden.
Nicht das geringste Mitleid ! Diese Iraker und Afghanen zahlen den Preis für die unschuldigen Opfer von 9/11.
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