New York - Wo früher die Zwillingstürme des World Trade Centers in den Himmel ragten, sind heute zwei große Wasserbecken in den Boden eingelassen. An den Rändern eingraviert: Die Namen der fast 3000 Menschen, die bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ums Leben kamen. Zehn Jahre nach 9/11 haben die USA mit einer bewegenden Zeremonie am Ground Zero an die Opfer erinnert.
Präsident Barack Obama und sein Vorgänger George W. Bush standen Seite an Seite, als ein Chor die Zeremonie mit der US-Nationalhymne eröffnete. Dort, wo Qaida-Terroristen das World Trade Center mit gekaperten Flugzeugen zum Einsturz brachten, verlasen Hinterbliebene die Namen der Getöteten.
"Du fehlst uns" - kaum ein Satz wurde bei der Gedenkfeier in Manhattan so häufig gesagt wie dieser. Die Hinterbliebenen fügten ihn hinzu, wenn sie die Namen der Opfer vorlasen. Oft blieb Müttern und Vätern oder Söhnen und Töchtern fast die Stimme weg: "Wir vermissen dich. Wir lieben dich. Es geht uns gut und unsere Kinder sind großartig, aber du fehlst uns so."
Viele Angehörige gingen offen mit ihrer Trauer um. Sie trugen T-Shirts mit den Namen der Opfer. Oder hatten Bilder der Verstorbenen bei sich. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, die Veranstaltung sei eine "Chance zum Nachdenken und zum Erinnern".
Hohe Sicherheitsvorkehrungen
"Sie waren unsere Nachbarn, unsere Freunde, unsere Ehemänner, Ehefrauen, Brüder, Schwestern, Kinder und Eltern", sagte Bloomberg in seiner Ansprache, "sie waren die, die zu Hilfe geeilt sind." Obama hielt keine Rede, sondern trug aus der Bibel den 46. Psalm vor: "Gott ist unsere Zuversicht und unsere Stärke."
Bush verlas einen Brief, den Abraham Lincoln 1864 an eine Mutter schrieb, die fünf Söhne im Bürgerkrieg verloren hatte. Von unermesslicher Trauer ist in dem Schreiben die Rede und vom Stolz, für die höchste Sache das höchste Opfer gebracht zu haben.
Mit sechs Schweigeminuten erinnerten die Teilnehmer an die tragischen Ereignisse von 9/11: die Einschläge der Passagierflugzeuge in die Twin Towers; den Einsturz des Nordturms und den des Südturms; den Einschlag eines Flugzeugs ins Pentagon in Washington; den Absturz einer vierten entführten Maschine nahe Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania (einen Überblick zu den dramatischen Ereignissen vor zehn Jahren finden Sie hier).
Über New York legte sich Stille: Der Verkehr in der Millionenmetropole stand still, sämtliche Bauarbeiten wurden für die Feierlichkeiten unterbrochen. Die Veranstaltung fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt, da es zuletzt neue Terrorwarnungen gegeben hatte. Die US-Behörden hoben die Warnstufe zwar nicht an, in New York und anderen Großstädten galten jedoch scharfe Sicherheitsvorkehrungen.
In Manhattan kontrollierte die Polizei Autos an Zufahrtsstraßen, Tunneln und Brücken, errichtete diverse Straßensperren und verlangte von Passanten Ausweispapiere. Obama wurde später am Tag auch bei Gedenkfeiern an den anderen Anschlagsorten in Washington und Pennsylvania erwartet.
hut/Reuters/AFP/dpa
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