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Gedenktag für Opfer von Flug MH17: Gemeinsam wütend, gemeinsam still

Im Beisein der königlichen Familie hat in Amsterdam die Gedenkfeier für die 298 Opfer der abgestürzten Passagiermaschine MH17 begonnen. "Unser Zusammenhalt gibt uns die Kraft, weiterzumachen", sagte ein Angehöriger.

Amsterdam: Angehörige gedenken der Opfer von MH17 Fotos
DPA

Amsterdam - Ministerpräsident Mark Rutte sprach den mehr als 1600 Angehörigen im Namen der Niederlande sein Mitgefühl aus. "Gemeinsam sind wir entsetzt, gemeinsam sind wir wütend, gemeinsam sind wir still."

An der Gedenkfeier für die 298 Toten des Flugs MH17 nahmen auch Mitglieder der niederländischen Regierung und Botschafter anderer Herkunftsländer der Opfer teil. Die Flaggen auf den offiziellen niederländischen Gebäuden waren auf halbmast gesetzt worden.

Auch Angehörige der Opfer waren vertreten. "Unser Zusammenhalt gibt uns die Kraft, weiterzumachen", sagte Anton Kotte, der laut "Telegraaf" seinen Sohn Oscar, seine Tochter Miranda und sein Enkelkind bei dem Absturz verlor.

Der 13-jährige Gita Wiegel erinnerte an ihre Mutter. "Sie war ein wunderbarer Mensch, liebevoll, freundlich, fürsorglich, mein Kumpel, mein Vorbild. Kurz gesagt, mein Ein und Alles. Mit jedem Tag erkenne ich mehr, dass sie nicht mehr ist."

Tödliche Gefechte in Ostukraine gehen weiter

Die Passagiermaschine der Malaysia Airlines war am 17. Juli auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über der Ostukraine vermutlich von einer Rakete abgeschossen worden. Die Führung in Kiew, die USA und westliche Medien erklärten wenig später, prorussische Separatisten hätten den Flug MH17 vom Himmel geholt. Westliche Geheimdienste gaben an, sie hätten Beweise für eine Täterschaft der Separatisten. Russland fordert, dass diese vorgelegt werden. Bisher ist die Schuldfrage allerdings nicht abschließend geklärt. Die meisten Opfer kamen aus den Niederlanden.

Die Bergung von Leichen, Wrackteilen und Überresten hatte sich in den vergangenen vier Monaten überaus schwierig gestaltet, weil die Kämpfe zwischen ukrainischem Militär und prorussischen Separatisten an der Unglücksstelle unvermindert anhielten. Immer wieder mussten die Ermittler ihre Arbeit unterbrechen. Auch am Wochenende gab es in der Ostukraine bei heftigen Gefechten mindestens zwei Tote und mehrere Verletzte.

Die Ermittlungen zum Absturz der MH17 wurden schnell zum Politikum, beide Seiten instrumentalisierten sie. So beschuldigte der russische Präsident Putin am Montag die ukrainische Armee, das Gebiet um die Unglücksstelle "ständig" mit Artillerie zu beschießen. Für den Beschuss seien nicht die von Kiew abtrünnigen Rebellen, sondern die Regierungssoldaten verantwortlich, sagte Putin bei einem Treffen mit dem malaysischen Regierungschef Najib Razak in Peking. Dadurch werde die Arbeit der internationalen Experten am Absturzort beeinträchtigt.

Putin begrüßte es, dass den malaysischen Spezialisten "endlich" gestattet wurde, vollständig an den Ermittlungen teilzunehmen. Sie würden dabei sicherlich einen "unerlässlichen Beitrag" leisten, fügte er hinzu. Den Angehörigen der Opfer und dem malaysischen Volk sprach der Präsident erneut sein Beileid aus.

Bevor der Winter einbricht und der Schnee alles überdeckt, sollen die Wrackteile zusammengetragen und untersucht werden. Ermittler berichteten, dass an vielen Trümmern Einschläge von Geschosssplittern gefunden worden seien. Die Analyse dieser Löcher könnte klären, welche Waffe eingesetzt wurde, um die Maschine zu beschießen.

ala/dpa/AFP

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