Comayagua - Hector Daniel Martinez schlief, als das Feuer ausbrach. Er lag auf seiner schmalen Metallliege in der engen Häftlingsbaracke, in der die Vierer-Stockbetten bis knapp unter die Decke reichten. Als die Gefangenen die Flammen bemerkten, brach Panik aus. Die Gefangenen schrien um Hilfe. Martinez stürzte zum einzigen Ausgang. Er war abgeschlossen. Die meisten anderen der 135 in die Baracke gepferchten Insassen rannten zum Waschraum am anderen Ende des Baus, wo es Wannen und Wasser gab, das sie vielleicht vor den Flammen schützen würde. Es war eine fatale Entscheidung.
Martinez blieb am Leben, einer von nur 28 Insassen seiner Baracke, die den verheerenden Brand in dem heillos überfüllten Gefängnis in Comayagua überlebten. "107 sind tot", sagt der 32-jährige Untersuchungshäftling. 107 von insgesamt 358 Menschen, die beim folgenschwersten Gefängnisbrand seit einem Jahrhundert starben. Zwischenzeitlich war sogar von noch mehr Opfern die Rede gewesen.
In Honduras hat die Aufarbeitung des Falles begonnen - und die birgt viel politischen Zündstoff: Die meisten der Opfer wurden nie zu einer Haftstrafe verurteilt, viele wurden sogar ohne Anklage festgehalten. Das geht aus einem Bericht hervor, der der Nachrichtenagentur Associated Press vorliegt.
Großteil der Opfer verbrannte in Zellen
Die Mitarbeiter des Gefängnisses hätten ihnen jedoch etwa eine halbe Stunde lang den Zutritt verwehrt, weil sie nach eigenen Angaben davon ausgegangen seien, dass es sich bei den Schreien aus den Zellen um den Versuch einer Meuterei gehandelt habe. Als die Feuerwehr schließlich hinein durfte, waren dem Bericht zufolge zunächst keine Schlüssel zum Öffnen der Zellen vorhanden.
Das Feuer fraß sich rasch von einer Baracke zur nächsten, genährt von leicht brennbaren Vorhängen und Matratzen. Ein Großteil der Opfer verbrannte qualvoll in den überfüllten Zellen, berichteten Überlebende. Die Zahl der Toten könnte nach Angaben der Ermittler noch weiter steigen. Viele der Gefangenen seien in dem Tumult aber offenbar auch entkommen.
Gelegt wurde der Brand nach bisherigem Stand der Ermittlungen von einem der Insassen selbst. Auch dies birgt Brisanz - denn es gab offenbar eine Warnung. Kurz vor dem Ausbruch des Feuers soll ein Insasse Gouverneurin Paola Castro angerufen und geschrien haben, er werde das Gefängnis abfackeln. Dann soll er seine Matratze angezündet haben.
"Ich sah nur Flammen"
Castro sagt, sie habe sofort das Rote Kreuz und die Feuerwehr alarmiert. Dafür spricht, dass die Einsatzkräfte innerhalb von Minuten am Gefängnis waren. Die Rettungs- und Löschtrupps von einem 15 Minuten entfernten US-Militärstützpunkt wurden nicht angefordert, sondern lediglich Atemmasken, Taschenlampen und Leuchtstäbe.
Als die Flammen endlich gelöscht waren, standen von mehreren Zellenblocks nur noch die Ziegelmauern. Die Waschräume wurden offenbar in mehreren Gebäuden zur Todesfalle. Einsatzkräfte fanden darin bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Körper, durcheinander, übereinander, von der Hitze verschmolzen. "In den anderen Zellenblocks haben wir sie in den gleichen Stellungen gefunden", sagt Staatsanwalt German Enamorado. Manche hätten offenbar versucht, übereinander nach oben zu klettern und aufs Dach zu kommen.
"Das war so entsetzlich", sagt der Gefangene Eladio Chicla. "Ich sah nur Flammen, und als wir endlich raus kamen, verbrannten da Männer an den Gittern, sie klebten daran fest."
ulz/dapd
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