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Gehirnschädigend: Korea sagt Langhaarigen den Kampf an

Die kommunistische Regierung Nordkoreas droht Langhaarträgern mit Bloßstellung, sollten sie nicht auf ihren bourgeoisen Kopfschmuck verzichten. Die hirnrissige Begründung: Lange Haare behindern die Gehirnaktivität, indem sie den Nerven Sauerstoff entziehen.

Seoul - Die Regierung Nordkoreas hat langhaarigen Männern den Kampf angesagt. Sie werden aufgefordert, ihr Haar in "sozialistischer Manier" zu tragen. Ansonsten gelten sie als "blinde Anhänger der Bourgeoisie" und "unhygienische, antisozialistische Dummköpfe". Machthaber Kim Jong Il, der selbst lange Jahre eine "wilde Frisur" trug, setzte kürzlich mit einem neuen Kurzhaarschnitt ein Zeichen.

Unterstützt wird die Aktion von Nordkoreas führendem Fernsehsender, der Langhaarsünder mit Namen und Adresse nennt und damit öffentlich bloßstellt. Die Aktion "Lasst uns unser Haar gemäß dem sozialistischen Lebensstil zurechtmachen" startete bereits im Oktober vergangenen Jahres und fordert, dass Haare nicht länger als fünf Zentimeter getragen werden sollen. Älteren Männern wird jedoch ein Zugeständnis gemacht: Um mögliche Glatzen zu kaschieren, dürfen sie die Haare bis zu sieben Zentimeter lang wachsen lassen.

Als Grund für das Kurzhaarschnitt-Plädoyer wird angeführt, dass lange Haare die Gehirnaktivität behinderten, indem sie den Nerven im Kopf Sauerstoff entzögen. Warum es Frauen dann allerdings immer noch erlaubt ist, ihre Haare lang zu tragen, bleibt unklar.

Hintergrund der Aktion ist die wachsende Besorgnis der Regierung, dass ausländische Einflüsse und Informationen in zunehmendem Maße in das Land kommen und dass sie die Kontrolle über die Bevölkerung verliert.

Auch in Südkorea waren in den siebziger Jahren zum Höhepunkt der Herrschaft des Machthabers Park Chung Hee lange Haare bei Männern verboten. Langhaarige Studenten wurden festgenommen und auf Polizeiwachen gebracht, wo ihnen zwangsweise die Haare geschnitten wurden. Erst nachdem sie schriftlich ihr Bedauern bekundet hatten, wurden die Haar-Sünder freigelassen.

Sang Hun Choe, AP

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