Geiseldrama Überraschendes Treffen mit Entführern

Im Geiseldrama auf den Philippinen hat es jetzt doch geklappt: Unterhändler und Kidnapper sprachen über das Schicksal der 21 Geiseln. Zuvor war ein erstes Treffen gescheitert.


Familie Wallert wartet noch immer auf die Freilassung
AP

Familie Wallert wartet noch immer auf die Freilassung

Jolo - Der Gouverneur der Provinz Sulu, Abdusakur Tan, traf sich nach Augenzeugenberichten mit mehreren Kommandanten der Abu Sayyaf-Guerilla im Rathaus der Stadt Patikul auf der Insel Jolo. Zu den Ergebnissen des Gesprächs sagte einer der Rebellen: "Wenn es eine Übereinkunft gibt, wird es sofort zu einer Freilassung kommen." Weiter wollte er sich nicht äußern.

Während der Gouverneur von etwa 100 Sicherheitskräften eskortiert wurde, trafen die Abu Sayyaf-Kommandanten Mujib Susukan und Ghalib Andang alias "Commander Robot" in Begleitung von 50 schwer bewaffneten Guerillas ein. An dem Gespräch nahmen auch der Chef der Todesschwadron der Gruppe, Said Asppi, und zwei weitere Anführer teil. Sie sollen für die Verschleppung der 21 Menschen, unter ihnen drei Deutsche, von der malaysischen Ferieninsel Sipadan am Ostersonntag verantwortlich sein.

Nach Augenzeugenberichten übergab ein deutsches Fernsehteam an dem Treffpunkt Lieferungen für die Geiseln an die Kidnapper, darunter Bücher, Hemden, Spiele und Zigaretten. Einer Gruppe deutscher Mediziner, die am Montag auf Jolo eingetroffen waren, riet Gouverneur Tan von einem Besuch der Geiseln aus Sicherheitsgründen ab. Das Team unter der Leitung des Arzts Wolfgang Benkel wollte die Entführten untersuchen und mit weiteren Lebensmitteln versorgen.

Zuvor waren Verhandlungen zwischen den Entführern der militanten Moslemgruppe Abu Sayyaf und Aventajado geplatzt, nachdem starke Militärpräsenz die Kidnapper offenbar abgeschreckt hatte. Rund 500 bewaffnete Sicherheitskräfte hatten einen Ring um eine Dorfschule gebildet, wo sich Geiselnehmer und Unterhändler treffen sollten.



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