Supermarkt in Los Angeles Geiselnehmer stellt sich der Polizei

Stundenlang hielt ein Mann Dutzende Menschen in einem Supermarkt in Los Angeles in seiner Gewalt. Eine Frau kam bei einem Schusswechsel ums Leben - dann stellte sich der Geiselnehmer der Polizei.

Polizeiabsperrung während der Geiselnahme vor einem Supermarkt in Los Angeles
AP

Polizeiabsperrung während der Geiselnahme vor einem Supermarkt in Los Angeles


Ein Gewalttäter hat sich in Los Angeles stundenlang mit Geiseln in einem Supermarkt verschanzt. Nachdem die Polizei mit Spezialeinsatzkräften angerückt war, stellte sich der Täter selbst.

Die ersten Schüsse fielen nach Angaben des Los Angeles Police Department (LAPD) bereits am Nachmittag im Süden der Westküstenmetropole. Bei einem Familienstreit soll der junge Tatverdächtige in einer Wohnung Schüsse auf seine Großmutter sowie eine junge Frau abgegeben haben. Anschließend zerrte er die verwundete Bekannte in ein Auto und trat mit ihr die Flucht an.

Polizisten nahmen die Verfolgung auf. In Hollywood sollen sie versucht haben, das Fahrzeug zu stoppen - vergeblich. Der Verfolgte habe durch die Heckscheibe seines Wagens auf die Polizisten geschossen, hieß es.

Vor einem Supermarkt der US-Lebensmittelkette Trader Joe's habe der Mann dann mit seinem Auto einen Laternenmast gerammt und sich eine Schießerei mit seinen Verfolgern geliefert - dabei wurde eine Frau im Supermarkt tödlich getroffen. Der Mann sei dann in das Geschäft gerannt, wo er mehrere Unbeteiligte als Geiseln nahm.

Verschiedene US-Medien wie die "Los Angeles Times" berichteten, dass während der mehrstündigen Belagerung des Supermarkts durch die Sicherheitskräfte immer wieder Menschen durch die Eingangstür oder Fenster ins Freie geflüchtet seien. Andere verbarrikadierten sich im Supermarkt, während vor der Tür Polizei, Feuerwehr und knapp 20 Krankenwagen in Stellung gingen.

Eine Frau am Tatort in Los Angeles
DPA

Eine Frau am Tatort in Los Angeles

Eine der Geiseln war der 91-jährige Don Kohles. Er betrat gerade den Supermarkt, als er sah, dass zwei Polizeiwagen "wie eine Fledermaus aus der Hölle" auf ihn zurasten. Er beobachtete, wie der Geiselnehmer in den Laternenmast krachte, aus dem Auto sprang und von den Beamten beschossen wurde, während er in den Trader Joe's rannte.

"Die Kugeln flogen direkt über meinen Rücken", sagte Kohles. Er habe sich sofort auf den Boden geworfen, die Menschen um ihn herum hätten geweint.

Der Immobilienmakler Christian Dunlop befand sich in der Nähe des Supermarkts, als er beobachtete, wie vier Personen herausgelaufen kamen. Ein Angestellter habe eine verletzte Frau an den Händen herausgezogen. "Sie sah leblos aus", sagte Dunlop.

Mehrere Supermarktangestellte hätten ein Fenster im zweiten Stock ausgehängt und sich auf den Boden hinabgelassen, weitere Personen seien über eine Hintertür aus dem Gebäude geflüchtet, darunter auch ein Polizist, der ein kleines Kind im Arm trug. "Ich kenne alle Angestellten, ich sehe sie ständig", sagte Dunlop. "Mein Herz klopfte wie wild, ich dachte an all das, was passieren könnte."

Polizeiunterhändler versuchten den Geiselnehmer davon zu überzeugen, die 40 bis 50 Menschen in dem Supermarkt freizulassen. Am Ende bat der Täter laut LAPD selbst darum, dass ihm Handschellen angelegt werden.

Die genauen Hintergründe und das Motiv des Täters waren zunächst unklar. Laut Polizei ist er 28 Jahre alt. Er wurde am Arm verletzt und sofort in Haft genommen. Die Großmutter des Tatverdächtigen wurde schwer verletzt, die Freundin trug eine Schürfwunde davon. Bei der Toten soll es sich laut CNN um eine Supermarktangestellte namens Melyda Corado handeln. Ihrem Bruder Albert Corado zufolge soll sie mehrere Jahre bei Trader Joe's gearbeitet haben.

Laut Feuerwehr wurden sechs Personen im Alter zwischen zwölf und 81 Jahren vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Keiner von ihnen hat Schussverletzungen davongetragen.

Der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti (links), mit dem Polizeichef Michel Moore
AP

Der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti (links), mit dem Polizeichef Michel Moore

Noch während der Geiselnahme hatte sich US-Präsident Donald Trump via Twitter zu Wort gemeldet und geschrieben, dass er die Entwicklung in Los Angeles "sehr genau" verfolge. Bürgermeister Mayor Eric Garcetti bedauerte den Tod der Frau im Supermarkt. Derzeit ist noch unklar, ob die Frau von Kugeln des Geiselnehmers oder der Polizei getroffen wurde. Garcetti bedankte sich bei Polizei und Feuerwehr für deren Einsatz und die erfolgreichen Verhandlungen mit dem Geiselnehmer, die offenbar Schlimmeres verhindert hätten.

Polizeichef Michael Moore erklärte, der Geiselnehmer habe eine Reihe von Forderungen gestellt, aber die Unterhändler der Polizei hätten die ganze Zeit fest daran geglaubt, ihn zum Aufgeben bewegen zu können.

ala/dpa/AP



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