Zwei Lamas, keine Nachbarn: US-Geisterstadt im Angebot

Woodside liegt mitten im Nirgendwo des US-Bundesstaats Utah. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten dort rund 300 Menschen, heute lediglich zwei freilaufende Lamas. Jetzt soll die Geisterstadt für 3,9 Millionen Dollar verkauft werden - am liebsten an einen Wild-West-Nostalgiker.

US-Geisterstadt: Mitten im Nirgendwo Fotos
dapd/ The Desert News

Salt Lake City - Der legendäre Gangster Butch Cassidy soll sich hier mit seiner Bande versteckt haben, es soll eine alte Goldmine geben und einen Geysir. Was nach einer Geschichte aus dem Wilden Westen klingt, ist in Wirklichkeit die Kurzbeschreibung einer Immobilienanzeige. 3,9 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 3,2 Millionen Euro) werden für eine Geisterstadt mitten im Nirgendwo des US-Bundesstaats Utah gefordert.

Anfang des 20. Jahrhunderts tummelten sich in Woodside noch rund 300 Einwohner, das Städtchen war Wasserstation für Dampfloks. Heute wohnen dort keine Menschen mehr, nur zwei freilaufende Lamas.

"Sie können Sheriff, Richter und Henker in ihrer eigenen Stadt sein", scherzt Makler Mike Metzger, der nach einem Interessenten für die Geisterstadt sucht. "Sie können Bürgermeister sein." Der Geysir stößt allerdings keine Fontänen mehr aus, seitdem Vandalen ihn verstopft haben. Früher kamen Touristen, um die gut 20 Meter hohe Wassersäule zu bewundern.

Aber ein Postamt gibt es noch in Woodside. "Sie können auch ihr eigener Postbote sein", sagt Metzger. Seit einigen Wochen kümmert er sich um das ungewöhnliche Angebot, das er am liebsten an einen Unternehmer mit Faible für den Wilden Westen vermitteln würde.

Ehefrau des Verkäufers fehlten die Nachbarn

Der Besitzer, Roy Pogue, will verkaufen, weil er sich nicht mehr um das Land kümmern kann und seine Frau Menschen mag - "aber wir haben da draußen keine Nachbarn". 1990 kaufte der heute 63-Jährige das Städtchen von einem Arzt. Ursprünglich wollte er dort Landwirtschaft betreiben.

Doch stattdessen half er immer öfter Reisenden, die Probleme mit ihren Fahrzeugen hatten. Da renovierte Pogue eine Tankstelle und eröffnete sie wieder. Das knapp 130 Kilometer entfernte Touristenzentrum Moab sorgte für Besucher, die einen Zwischenstopp einlegten. "In den Jahren, in denen ich die kleine Tankstelle geöffnet hielt, gab es kein Land in der Welt, aus dem ich nicht jemanden getroffen hätte", sagt Pogue.

Woodside liegt an der Fernstraße Route 6 im Bezirk Emery, umgeben von Bergen und Wüste. Das Städtchen selbst ist flach, vom Fluss Price durchzogen und von Gestrüpp umwuchert. Der erste Bewohner soll 1881 Henry H. Hutchinson gewesen sein, der - so lautet die Legende - in der Nähe eine spanische Goldmine gefunden hat.

Pogue erinnert sich an Besucher, die mit Schatzkarten und Büchern bewaffnet nach der Mine suchten. Doch niemand hat sie gefunden.

wit/dapd

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