"Braut von Belsen" Holocaustüberlebende Gena Turgel ist tot 

Gena Turgel hatte mehrere Konzentrationslager überlebt und Anne Frank gepflegt. Nach dem Krieg wurde sie als "Braut von Belsen" bekannt. Nun ist die gebürtige Krakauerin im Alter von 95 Jahren gestorben.

Gena Turgel (2004)
picture-alliance / dpa

Gena Turgel (2004)


Gena Goldfinger war 16 Jahre alt, als die deutsche Wehrmacht Polen überfiel. Zusammen mit ihrer Mutter und vier Geschwistern wurde sie ins Getto ihrer Heimatstadt Krakau gesteckt. Die SS erschoss einen ihrer Brüder, ein zweiter flüchtete und wurde nie wieder gesehen.

Für Goldfinger war das nur der Anfang eines langen Leidenswegs: Zunächst internierten die Deutschen die junge Frau und ihre überlebenden Angehörigen im Arbeitslager Plaszow am Stadtrand von Krakau. Im Winter 1944 zwangen die Nationalsozialisten Goldfinger, ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zu marschieren. Kurz darauf, im Januar 1945, mussten Goldfinger und ihre Mutter am sogenannten Todesmarsch ins KZ Buchenwald teilnehmen. Von dort wurden sie in einem Viehwagen ins KZ Bergen-Belsen gebracht.

In Bergen-Belsen arbeitete Goldfinger auf der Krankenstation. Dort pflegte sie unter anderem die 15-jährige Anne Frank, deren Tagebuch postum weltberühmt werden sollte. "Ich wusch ihr Gesicht, gab ihr Wasser zu trinken. Ich sehe ihr Gesicht und ihr Haar immer noch vor mir", erzählte Goldfinger später der BBC.

Im April 1945 eroberte die britische Armee das KZ. Unter den Befreiern war der Soldat Norman Turgel, den Goldfinger sechs Monate später heiratete. Das brachte ihr den Beinamen "Braut von Belsen" ein. Ihr Hochzeitskleid, genäht aus einem Fallschirm der britischen Armee, ist im Londoner Imperial War Museum ausgestellt.

In ihren Memoiren und in Vorträgen hielt Turgel die Erinnerung an den Holocaust lebendig. Am Donnerstag ist sie im Alter von 95 Jahren gestorben.

Der früherer britische Großrabbiner Jonathan Sacks würdigte die Verstorbene: "Sie war eine der bemerkenswertesten Holocaustüberlebenden, die ich kennenlernen durfte."



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.