Genua Experten stufen auch Westteil von Brücke als bedenklich ein

Experten haben ihre Einschätzung auf den westlichen Abschnitt der in Genua eingestürzten Brücke ausgeweitet: Der Zustand sei "bedenklich". Zuvor hatten sie geraten, den östlichen Teil zügig abzureißen oder abzustützen.

Die eingestürzte Autobahnbrücke
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Die eingestürzte Autobahnbrücke


Neben dem östlichen Teil der in Genua eingestürzten Autobahnbrücke befindet sich auch der westliche Rumpf in einem "bedenklichen" Zustand. Fachleute sollen das im Auftrag der Staatsanwaltschaft festgestellt haben, teilte Chefermittler Francesco Cozzi der Nachrichtenagentur Ansa zufolge mit. Cozzi sagte demnach auch, dass die Staatsanwaltschaft bislang noch nicht gegen konkrete Personen ermittele.

Experten hatten sich am Mittwoch für den schnellen Abriss oder die Absicherung der Überreste der sogenannten Morandi-Brücke ausgesprochen. Am Pfeiler, der den östlichen Rumpf stützt, ist die Korrosion des Materials hochgradig vorangeschritten. 43 Menschen waren bei dem Einsturz der Autobahnbrücke vor mehr als einer Woche ums Leben gekommen.

Widerstand gegen Teilverstaatlichung

Derweil zeichnet sich in der italienischen Regierung Widerstand gegen eine Teilverstaatlichung des Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia ab. Verkehrsminister Danilo Toninelli sagte in einem Interview mit der Tageszeitung "La Verita", er wisse von diesem Vorstoß nichts. Ministerpräsident Giuseppe Conte hält dagegen einem Vertrauten zufolge eine Teilverstaatlichung für "keine schlechte Idee".

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Brückeneinsturz: Das Leben in der "roten Zone"

Wie sehr die Koalition aus der rechten Lega und der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung mit ihrer Reaktion auf das Unglück ringt, zeigte sich auch an den Äußerungen von Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini. Er sei gegen eine Verstaatlichung des landesweiten Autobahnnetzes, sagte er in einem Radio-Interview. Er könne sich aber eine Mischung aus einem öffentlichen und privaten Management der Straßen vorstellen.

Die Regierung wirft dem Autobahn- und Brückenbetreiber Autostrade Sicherheitsmängel vor. Das Unternehmen, das mehr als die Hälfte aller italienischen Mautstraßen betreibt, gehört zu 88 Prozent der börsennotierten Holding Atlantia, die von der Unternehmerfamilie Benetton beherrscht wird. Gut zwölf Prozent der Anteile an Autostrade liegen bei internationalen Infrastruktur-Investoren, zu denen der deutsche Versicherungsriese Allianz zählt.

cop/dpa/Reuters

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