Katastrophe von Genua Brücke soll bis 2019 neu gebaut werden

Noch immer liegen unter den Trümmern der Morandi-Brücke in Genua bis zu 20 Vermisste - die Regierung verkündet derweil schon den Plan für den Wiederaufbau.

Arbeiten am Unglücksort
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Arbeiten am Unglücksort


Wenige Tage nach dem Brückenunglück von Genua planen die italienischen Behörden offenbar bereits den Wiederaufbau. Verkehrsstaatssekretär Edoardo Rixi und Regionalpräsident Giovanni Toti kündigten an, dass im kommenden Jahr eine neue Brücke anstelle des zusammengebrochenen Polcevera-Viadukts stehen solle.

Das Verkehrsministerium richtete zudem eine Kommission ein, die die zerstörte Brücke untersuchen soll. Die Ergebnisse sollen einer Mitteilung des Ministeriums zufolge dazu dienen, über eine Entziehung der Lizenz für den privaten Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia zu entscheiden.

Italienische Medien werteten das als Zurückrudern einiger Regierungsmitglieder, die die Verantwortung für die Katastrophe bereits am Mittwoch dem Betreiber zugewiesen hatten. Auch Regierungschef Giuseppe Conte hatte erklärt, dass bereits erste Schritte für den Entzug der Konzession eingeleitet worden seien.

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Brückeneinsturz in Genua: "Eine tiefe Wunde für ganz Italien"

Der Chef der Fünf-Sterne-Bewegung und Minister für Wirtschaftliche Entwicklung, Luigi Di Maio, bekräftigte im Sender La7, man werde dem Unternehmen nicht nur die Lizenz für die Autobahn entziehen, sondern auch eine Strafe von bis zu 150 Millionen Euro verhängen. Dafür werde die Regierung nötigenfalls auch vor Gericht ziehen.

Die frühe Festlegung der italienischen Regierung auf den Betreiber als Verantwortlichen löst in der Opposition Empörung aus. Die italienische Senatorin Laura Garavini hielt den Verantwortlichen vor, Falschinformationen zu verbreiten.

"Es ist ein Klima entstanden, wo Wahrheit, Seriosität und auch wissenschaftliche Erkenntnisse keine Rolle mehr spielen", sagte die Sozialdemokratin dem Bayerischen Rundfunk. "Und auch jetzt beim Einsturz der Brücke in Genua werden Fake News zur Regierungspolitik."

Als Beispiel nannte sie eine Aussage des stellvertretenden Ministerpräsidenten Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung. "Er behauptet, die Autobahngesellschaft Autostrade zahle Steuern nur in Luxemburg und habe uns im Wahlkampf unterstützt. Das ist definitiv falsch", sagte Garavini.

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Während eines Unwetters war am Dienstag ein etwa 180 Meter langer Abschnitt des vielbefahrenen Polcevera-Viadukts in Genua eingestürzt und hatte etliche Fahrzeuge in die Tiefe gerissen. Die Zahl der Todesopfer wurde von der Regierung zuletzt von 39 auf 38 korrigiert, die Zahl der Verletzten von 16 auf 15. Am Samstag um 11.30 Uhr soll ein Staatsbegräbnis für die Opfer stattfinden.

In der Nacht zu Freitag wurden keine weiteren Opfer geborgen. An der Unglücksstelle sind Hunderte Rettungskräfte im Einsatz, um nach Vermissten zu suchen. Die Chancen, Überlebende zu finden, sind fast drei Tage nach der Tragödie aber schwindend gering. Nach Angaben von Genuas Staatsanwaltschaft könnten noch zehn bis 20 Menschen unter den Trümmern sein.

Die Rettungskräfte wurden bei ihrer gefährlichen Suche in den instabilen Trümmern von Baggern und Kränen unterstützt. Spezialisten arbeiteten daran, die Trümmer in große Betonblöcke zu zerschneiden. "Wir werden dann Hunde und Rettungskräfte hineinschicken, um zu sehen, ob wir irgendwelche Lebenszeichen finden können", sagte Gissi.

Im Video: Warum dieser Lkw-Fahrer überlebte

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Aus Sicherheitsgründen waren insgesamt 13 Wohnhäuser evakuiert worden. 558 Menschen verloren der Präfektur zufolge ihr Zuhause. 117 seien in Hotels oder bei Privatleuten untergebracht.

mxw/dpa/AFP

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