Katastrophe in Italien Mental am Limit

Einsatzkräfte haben in den Trümmern der eingestürzten Morandi-Brücke in Genua etliche Tote geborgen. Die andauernde Suche nach weiteren Vermissten bringt sie an ihre Grenzen.

Unglücksstelle in Genua
DPA

Unglücksstelle in Genua


In Genua rechnen Experten damit, dass die Rettungsarbeiten nach dem Brückenunglück im Westen der italienischen Hafenstadt länger andauern werden. Es seien noch immer Autos in den gewaltigen Trümmerbergen zu sehen, sagte Federica Bornelli vom Roten Kreuz.

Auf die Frage, ob es noch Hoffnung auf Überlebende gebe, sagte Bornelli, man werde alles möglich machen, was möglich sei: "Der Einsatz hat sich nicht verlangsamt."

Die Bergungs- und Rettungsarbeiten gestalten sich allerdings äußerst schwierig. Ein einziges Auto zu bergen, habe zuletzt vier bis fünf Stunden gedauert. An jeder einzelnen Stelle müsse das Sicherheitsrisiko für die Einsatzkräfte neu bewertet werden, erst dann könne gearbeitet werden. Hinzu kommt, dass die Rettungsarbeiten für die Einsatzkräfte belastend sind, sagt Bornelli: "Die Arbeit ist in mentaler und physischer Hinsicht sehr anstrengend."

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Brückeneinsturz in Genua: "Eine tiefe Wunde für ganz Italien"

Während eines schweren Unwetters war am Dienstagmittag ein großes Stück des 40 Meter hohen Polcevera-Viadukts, das auch Morandi-Brücke genannt wird, eingestürzt. Die Brücke ist Teil der Autobahn 10, die Südfrankreich mit dem Piemont und der Lombardei verbindet.

Es werde erwartet, dass die Opferzahlen weiter steigen, sagte Regionalpräsident Giovanni Toti nach einem Besuch von Verletzten in einem Krankenhaus. Für den Großteil der Verletzten gebe es gute Heilungschancen, es werde aber unter der Brücke mit "zahlreichen Vermissten" gerechnet.

Im Video: Der Zusammenbruch der Morandi-Brücke

Vigili Del Fuoco / AP / DPA

Unter den Toten sind auch vier Franzosen sowie zwei Rumänen. Ob Deutsche unter den Opfern sind, ist bislang nicht bekannt. Aus dem Auswärtigen Amt heißt es, dass das deutsche Generalkonsulat in Mailand in engem Kontakt mit den italienischen Behörden stehe. Die Regierung in Rom will für alle Toten eine Staatstrauer ausrufen, wie Regionalpräsident Toti ankündigte.

SPIEGEL ONLINE; Foto: Google Earth

Die italienische Regierung macht bereits den Brückenbetreiber Autostrade per l'Italia für das Unglück verantwortlich, das Unternehmen weist diesen Vorwurf zurück (mehr über diesen Streit lesen Sie hier). Man habe die Brücke auf vierteljährlicher Basis entsprechend den gesetzlichen Vorgaben kontrolliert. Zudem habe die Regierung das Wartungs- und Unterhaltungsprogramm gutgeheißen.

mxw/dpa

insgesamt 16 Beiträge
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chamees 15.08.2018
1. Tunnel statt Brücken
Bei solchen Dimensionen von großen Brücken sollte man lieber über Tunnelbau diskutieren. Diese sind viel sicherer als überdimensionierte Brücken und werden wahrscheinlich im Endeffekt viel weniger kosten. Dazu wird der Blick ja noch verschönert, wenn solche hässlichen Brücken von der Bildoberfläche verschwinden.
freddygrant 15.08.2018
2. Wunde für ganz Italien!
Diese Cover trifft den gesamten aktuellen Zustand der italienischen Gesellschaft und Administration bestens! Es wird langsam Zeit, dass man sich in Italien von der historischen Kultur und Mentalität vom Süden bis in den Norden der Halbinsel mit diesem traurigen Geschehen und Signal endlich aus den Zeiten des alten Roms und Victor Emanuels löst und in den Neuzeit einer geordneten und glaubhaften Demokratie ankommt. Wenn wir dies von den Türken Erdogans verlangen, muss dies auch von den Italienern gefordert werden, die ja schon lange genug de- EU-Staatenbund anghören!
spon-3xb-jlt9 15.08.2018
3. Re: Tunnel statt Brücken
Bei solchen Dimensionen von großen Brücken sollte man lieber über Tunnelbau diskutieren. Sie kennen die Gegend offenbar nicht. Die Autobahnen an der ligurischen Küste sind eine stetige Abfolge von Tunneln und Brücken. Anders kommt man nicht auf gradem Weg durch die Hügel.
spon-facebook-10000448329 15.08.2018
4. Re: Tunnel statt Brücken
Das ist bei den geografischen Verhältnissen doch gar nicht möglich. Wenn Tunnels nötig sind, sind auch Brücken notwendig. Es sei denn, Sie senken den Planungshorizont auf die Höhe des niedrigsten Tales oder die Tunnels bestehen aus einem Wechsel maximal zulässiger Steigungs- und Gefällstrecken. Hört sich nicht sehr sinnvoll an.
From7000islands 15.08.2018
5.
Zitat von freddygrantDiese Cover trifft den gesamten aktuellen Zustand der italienischen Gesellschaft und Administration bestens! Es wird langsam Zeit, dass man sich in Italien von der historischen Kultur und Mentalität vom Süden bis in den Norden der Halbinsel mit diesem traurigen Geschehen und Signal endlich aus den Zeiten des alten Roms und Victor Emanuels löst und in den Neuzeit einer geordneten und glaubhaften Demokratie ankommt. Wenn wir dies von den Türken Erdogans verlangen, muss dies auch von den Italienern gefordert werden, die ja schon lange genug de- EU-Staatenbund anghören!
Verlangen ist das Problem in der EU. Kein Staat ist gewillt, die Mentalität seiner Bürger zu verändern, so dass alle erkennbar ein EU Bürger Verhalten hätten! Aber Italien ist doch gar nicht viel anders als Deutschland, wo Korruption eher leise geschieht. Natürlich wird in jedem Land ab und zu wegen Korruption geschlampt. Erinnern wir uns an das U.-Bahn-Einsturz-Desaster in Köln, und voriges Jahr die zusammengebrochene Bahnverbindung Mannheim - Basel wegen mutmasslich falscher Berechnungen der Ingenieure. Und der Stuttgarter Bahnhof ist eine ganz heikle Sache bevor sie überhaupt fertig ist. Schlamperei auch hier bei uns? Aber klar, die Hintergründe werden nie ans Tageslicht kommen.
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