Eingestürzte Brücke in Genua Italien spricht sich gegen Wiederaufbaupläne des Betreibers aus

Nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua wird über deren Wiederaufbau und die Zukunft italienischer Autobahnen diskutiert. Verkehrsminister Toninelli hat eine konkrete Idee - und nennt Deutschland als Vorbild.

Trümmer der teilweise eingestürzten Autobahnbrücke
DPA

Trümmer der teilweise eingestürzten Autobahnbrücke


Wer wird die eingestürzte Brücke in Genua wieder aufbauen? Verkehrsminister Danilo Toninelli zufolge soll der Plan des Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia zum Wiederaufbau nicht berücksichtigt werden. Die Regierung werde den Vorschlag des Mutterunternehmens Atlantia zurückweisen, sagte er in einem Radiointerview.

Stattdessen sollten das staatlich kontrollierte Schiffsbauunternehmen Fincantieri und die staatliche Bank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) mit dem Bau einer neuen Brücke beauftragt werden. Autostrade per l'Italia werde aber die Kosten übernehmen müssen.

Zuvor hatte die italienische Regierung angekündigt, alle Lizenzen für Autobahnbetreiber zu prüfen. Dabei sollten die privaten Betreiber auch die Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen offenlegen, sagte Toninelli vor dem Parlament in Rom.

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Der Einsturz der Autobahnbrücke, bei dem vor zwei Wochen 43 Menschen ums Leben gekommen waren, sei "absurd" gewesen. "Eine Tragödie wie diese, die zu vermeiden gewesen wäre und zu vermeiden sein musste, ist nicht zu akzeptieren."

Den Straßenabschnitt, auf dem das marode Morandi-Viadukt liegt, betreibt das Unternehmen Autostrade per l'Italia, das von der Benetton-Familie kontrolliert wird. Toninelli kritisierte, dass die Betreiber Milliarden an Autobahngebühren kassiert hätten, aber wenig davon in die Straßen zurückgeflossen sei. Die Fünf-Sterne-Bewegung, der Toninelli angehört, hatte nach der Katastrophe angekündigt, private Straßen wieder verstaatlichen zu wollen.

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Als Vorbild nannte Toninelli Deutschland. "Es gibt andere Modelle in Europa, die unserer Meinung nach besser funktionieren als unseres. In Deutschland, Holland und Belgien sind die Autobahnen staatlich und teilweise gratis", so der Minister. "In Italien hingegen hat man entschieden, sie zu privatisieren, ... ohne richtige Konkurrenz. Ein Monopol ist von der öffentlichen in die private Hand übergegangen, ohne sofort eine wirkliche Regulierungsinstanz einzurichten."

sen/Reuters/dpa



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