Homophobes Gesetz Hollywood droht US-Bundesstaat Georgia mit Boykott

In Georgia soll ein Gesetz verabschiedet werden, nach dem Kirchenvertreter gleichgeschlechtliche Trauungen ablehnen dürfen. Nun geht Hollywood auf die Barrikaden.

Anne Hathaway
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Anne Hathaway


Es war ein historischer Moment, als der Oberste Gerichtshof der USA im Juni 2015 die Homo-Ehe erlaubte. Die gleichgeschlechtliche Ehe war damit - zumindest in der Theorie - überall im Land möglich. Die amerikanische Verfassung garantiere ein Recht auf gleichgeschlechtliche Eheschließungen, urteilten die Richter damals. Einzelne Bundesstaaten dürften sie nicht verbieten.

Doch vor allem in den südlichen Bundesstaaten gab es Widerstand. Für Schlagzeilen sorgte beispielsweise die Standesbeamtin Kim Davis aus Kentucky, die sich weigerte, ein homosexuelles Paar zu trauen - mit der Begründung, dass dies nicht ihren Überzeugungen entspreche.

In Georgia soll nun ebenfalls ein Gesetz verabschiedet werden, das potenziell diskriminierend ist. Es sieht unter anderem vor, dass Kirchenvertreter gleichgeschlechtliche Trauungen abweisen können, wenn dies ihren religiösen Überzeugungen widerspricht.

Kritiker warnen auch vor Diskriminierung Homosexueller am Arbeitsplatz und in sozialen Einrichtungen. Verfechter des Entwurfs "Free Exercise Protection Act" sprechen hingegen von einem Schutz der Glaubensfreiheit. Der Gesetzesentwurf liegt Gouverneur Nathan Deal zur Unterschrift vor. Bis zum 3. Mai muss der Republikaner über die Annahme oder Ablehnung des Entwurfs entscheiden.

Massiver Protest - auch aus Hollywood

Das Vorhaben hat massiven Protest ausgelöst, nun haben sich auch Parteien eingeschaltet, die Georgia tatsächlich zusetzen könnten: einige der größten Filmstudios und Stars Hollywoods.

In Georgia werden zahlreiche TV-Serien und Filme gedreht, darunter Blockbuster wie "Ant man", "Captain America" und "Die Bestimmung". Der Staat räumt Produktionsfirmen Steuervorteile ein.

Die Branchenriesen Disney und Time Warner kündigten nun einen Boykott an, sollte Gouverneur Deal unterschreiben. Und auch Filmgrößen wie Julianne Moore, Anne Hathaway und Harvey Weinstein schalteten sich ein. Zusammen mit anderen forderten sie Deal am Donnerstag (Ortszeit) in einem Brief auf, sein Veto einzulegen. Andernfalls wollten sie künftig nicht mehr in Georgia arbeiten. Ihr Schreiben wurde von der Bürgerrechtsgruppe Human Rights Campaign veröffentlicht.

gam/dpa



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