Ausbildung des Co-Piloten Lufthansa ließ Lubitz psychiatrisch untersuchen

Was wusste die Lufthansa von einer psychischen Erkrankung des Germanwings-Co-Piloten? Wie jetzt bekannt wird, gab das Unternehmen 2009 ein Gutachten zu Andreas Lubitz in Auftrag. Zuvor hatte der Nachwuchsflieger seine Ausbildung unterbrochen.

Bergung der Trümmer: Kein Vermerk im Tauglichkeitszeugnis des Co-Piloten
AFP

Bergung der Trümmer: Kein Vermerk im Tauglichkeitszeugnis des Co-Piloten

Von , Düsseldorf


Der mutmaßliche Todespilot Andreas Lubitz ist nach seiner Ausbildungsunterbrechung im Jahr 2009 im Auftrag der Lufthansa psychiatrisch begutachtet worden. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen musste der Nachwuchsflieger sich einer eingehenden Überprüfung seiner körperlichen und geistigen Gesundheit stellen. Über den Vorgang hatte zuerst die "Welt" berichtet.

Im Anschluss an die erfolgreich absolvierten Checks konnte Lubitz seine für sechs Monate unterbrochene Ausbildung an der Flugschule in Bremen wiederaufnehmen. In seine Lizenz jedoch wurde in der Folge der Hinweis SIC eingetragen, der für "besondere regelhafte medizinische Untersuchungen" steht und auf eine chronische Erkrankung hindeutet. In Lubitz' Tauglichkeitszeugnis tauchte der Vermerk allerdings nicht auf.

Ob es sich dabei um ein Versehen handelte, ist noch unklar. Auch sein späterer Arbeitgeber Germanwings erhielt offenbar keine Informationen über die psychischen Probleme des Piloten.

Nach Angaben der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft war Lubitz damals in psychotherapeutischer Behandlung, weil eine Selbstmordgefährdung festgestellt worden war. Laut Lufthansa informierte Lubitz die Flugschule in dem Moment per E-Mail über eine "abgeklungene schwere depressive Episode", als er seine Ausbildung wiederaufnehmen wollte. In den vergangenen Jahren habe Lubitz weitere Ärzte konsultiert, jedoch ohne dass ihm Suizidalität oder Fremdaggressivität bescheinigt worden sei, teilten die Ermittler mit.

Auch die Lebensgefährtin des Piloten wusste von den psychischen Problemen ihres Freundes. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen war der 26-Jährigen bekannt, dass Lubitz sich einer entsprechenden Behandlung unterzog. Sie ging aber offenbar davon aus, dass er sich auf dem Weg der Besserung befand.

Bei der Durchsuchung seiner Düsseldorfer Wohnung hatten Beamte am Donnerstag zahlreiche medizinische Unterlagen sichergestellt, aus denen sich inzwischen eine Krankengeschichte rekonstruieren lässt. So hatte ein Psychiater den 27-Jährigen zuletzt für fast zwei Wochen krankgeschrieben. Nach Angaben der Ermittler zerriss Lubitz das Attest und trat seinen letzten Flug an.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll der Pilot zuletzt eine ganze Reihe verschiedener Ärzte aufgesucht haben. Noch vor wenigen Wochen ließ er in der Düsseldorfer Uni-Klinik seine Augen untersuchen, jedoch ohne dass ein körperliches Leiden festgestellt werden konnte. Die Ärzte gingen von einer psychosomatischen Störung aus, wie aus Ermittlerkreisen verlautete.

Die Ermittler gehen nach derzeitigem Kenntnisstand davon aus, dass Lubitz die Maschine mit 150 Menschen an Bord absichtlich zum Absturz gebracht hat.

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