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Ermittler zum Germanwings-Unglück: Co-Pilot ließ Maschine offenbar absichtlich abstürzen

REUTERS

Die französischen Ermittler haben die Audiodateien aus dem Stimmrekorder ausgewertet. Sie kommen zu dem Schluss, dass der Co-Pilot die Maschine steuerte und den Sinkflug bewusst einleitete. Einen terroristischen Hintergrund hatte der Mann offenbar nicht.

Marseille - In den letzten Minuten von Germanwings-Flug 4U9525 müssen sich an Bord dramatische Szenen abgespielt haben - das geht aus neuen Erkenntnissen hervor, die der ermittelnde französische Staatsanwalt Brice Robin in Marseille bekanntgab. Demnach war der Co-Pilot der Maschine alleine im Cockpit und leitete bewusst einen Sinkflug ein.

Der Flugkapitän versuchte derweil offenbar, zurück ins Cockpit zu gelangen, doch die Tür ließ sich nicht öffnen. Das legen laut Staatsanwalt die Aufnahmen des Stimmrekorders nahe.

"Es sieht so aus, als habe der Co-Pilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört", sagte Robin.

Den Angaben zufolge haben die Ermittler die letzten 30 Minuten der Unterhaltung der beiden Piloten ausgewertet. In den ersten 20 Minuten sei nichts Ungewöhnliches aufgefallen, sagte Robin. Das Gespräch sei ganz normal verlaufen - die Männer seien die Prozedur für die Landung in Düsseldorf durchgegangen.

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Germanwings-Absturz: Eindrücke vom Ort der Katastrophe
Dann habe der Kapitän den Co-Piloten gebeten, das Kommando über das Flugzeug zu übernehmen. Danach sind laut Robin das Geräusch eines zurückrollenden Sitzes und einer Tür, die geöffnet wird, zu hören. Man müsse davon ausgehen, dass der Pilot zur Toilette gegangen sei und der Co-Pilot alleine im Cockpit war.

Atemgeräusche aus dem Cockpit

Als der Co-Pilot allein gewesen sei, habe er den Sinkflug eingeleitet. Der entsprechende Knopf könne nicht durch Zufall betätigt werden, sagte Robin.

Man höre den Flugkapitän, wie er den Co-Piloten auffordere, ihn wieder in die Kabine zu lassen. Dieser habe nicht geantwortet und in der ganzen Zeit, in der er allein im Cockpit war, kein Wort mehr gesagt. Robin zufolge war die Tür durch einen Code gesichert - allerdings nicht zum Öffnen, sondern um sich als zugangsberechtigt zu identifizieren. Die Tür hätte immer noch von innen geöffnet werden müssen. (Mehr zur Cockpit-Verriegelung lesen Sie hier.)

"Der Pilot hat dann von außen an die Tür geklopft", sagte Robin. Von diesem Zeitpunkt an bis zum Aufprall höre man im Cockpit Atemgeräusche. "Das heißt, dass der Co-Pilot bis zum Schluss lebendig war." Es seien normale, regelmäßige Atemzüge gewesen.

Versuche anderer Flugzeuge und des Towers in Marseille, Kontakt zum Cockpit zu bekommen, seien erfolglos geblieben. Wie bereits bekannt, hatte das Flugzeug keinen Notruf abgesetzt.

"Dann hören wir, wie der Pilot von außen heftig gegen die Tür hämmert", sagte Robin. "Kurz vor dem endgültigen Aufschlag hört man, was eine erste Bodenberührung sein könnte." Erst in den letzten Sekunden vor dem Aufprall seien auf der Aufnahme auch Schreie von Passagieren zu hören.

Ermittler sind sicher: Außer Piloten war niemand im Cockpit

"Wir gehen davon aus, dass es sich um zwei vorsätzliche Aktionen handelt: dem Piloten den Zugang zum Cockpit zu verwehren und den Sinkflug einzuleiten", sagte Robin. Man sei hundertprozentig sicher, dass außer den beiden Piloten niemand anders im Cockpit gewesen sei.

Über mögliche Motive des Co-Piloten konnte der Staatsanwalt keine Angaben machen. Einen Terror-Hintergrund schloss er aber vorerst aus. "Nichts erlaubt es zu sagen, dass es sich um einen Terroranschlag handelt."

Die Maschine war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf. Der Sinkflug begann kurz nachdem der Airbus die Reiseflughöhe erreicht hatte und dauerte rund acht Minuten. Bei dem Absturz in einer unwegsamen Bergregion kamen alle 150 Menschen an Bord ums Leben .

"Wenn das Flugzeug in Düsseldorf landen soll, wird der Sinkflug doch nicht schon kurz nach Toulon eingeleitet", sagte Robin. "Offenbar liegt ein individuelles Fehlverhalten des Co-Piloten vor und die Frage nach der Verantwortung der Fluggesellschaft Germanwings stellt sich derzeit überhaupt nicht." Es gebe keinerlei Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund. Diese Einschätzung bestätigte wenig später Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière.

Der Co-Pilot war 27 Jahre alt und stammte aus Montabaur in Rheinland-Pfalz.

Am Mittwochnachmittag haben die Einsatzkräfte am Absturzort die ersten Leichen geborgen. Man arbeite nun an der Identifizierung, sagte Staatsanwalt Robin. Hinterbliebene hätten die Möglichkeit, DNA-Proben abzugeben, um den Abgleich mit Proben von der Absturzstelle zu ermöglichen. Die Angehörigen der Opfer seien über die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft informiert worden.

Der Flugschreiber, der relevante technische Daten des Fluges aufzeichnet, sei bisher noch nicht gefunden worden.

Hinweis an unsere Leser: Die Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat sich entschieden, den Namen des Co-Piloten derzeit nicht vollständig zu nennen und ihn auch nicht im Bild zu zeigen.

hut/ulz/dpa/Reuters/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 904 Beiträge
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1. gesteuert hat der Autopilot ...
syracusa 26.03.2015
Nein, gesteuert hat der Autopilot. Der Copilot hat nicht gesteuert, sondern war derjenige, der die letzten Minuten alleine im Cockpit saß.
2. Wenn das stimmt..
lini71 26.03.2015
dann ist das hoch dramatisch, auch für die Angehörigen des Co Piloten...
3. was gibt
pennywise 26.03.2015
es zu diskutieren? SPON! Nehmt Euch mal Sascha zu Herzen
4. Eilmeldung?
vwl_marlene 26.03.2015
Ich dachte, SPON wollte sich wieder auf Qualitaetsjournalismus besinnen statt Toepfe-Klopfen?
5. Gestern ...
twistedtacco 26.03.2015
... noch den große "Bald wird alles besser"-Text gelesen, wo mir versprochen wurde, dass erst alles doppelt gecheckt und recherchiert und geschrieben wird. Heute macht Spiegel Online genauso weiter wie vorher. Schade.
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Notfallnummern Germanwings-Absturz
Auswärtiges Amt
030 / 50 00 30 00
Flughafen Düsseldorf
0800 / 77 66 350
Germanwings
0800 / 11 33 55 77
Flughafen Barcelona
0034 / 900 808 890
Flugzeugunglücke bei Lufthansa und Tochterunternehmen
 
Der letzte Absturz einer Passagiermaschine der Lufthansa liegt bereits mehr als 20 Jahre zurück. Das Unglück in Frankreich ist der erste Totalverlust eines Flugzeugs bei der Lufthansa-Tochter Germanwings. Hier eine Liste von Flugzeugunglücken des Lufthansa-Konzerns.
(Quelle: dpa)
Januar 1959
36 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Super Constellation in der Bucht von Rio der Janeiro (Brasilien)
Dezember 1961
3 Tote beim Absturz während des Testfluges einer Lufthansa-Boeing 720 B südlich von Mainz
Juli 1964
3 Tote beim Absturz während des Übungsfluges einer Lufthansa-Boeing 720 B nahe Petersdorf (Rheinland-Pfalz)
Januar 1966
46 Tote beim Absturz einer Convair 440 Metropolitan der Lufthansa am Flughafen Bremen
Dezember 1973
3 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Boeing 707 beim Landeanflug auf Neu Delhi (Indien)
November 1974
59 Tote beim Absturz eines Lufthansa-Jumbo Jets kurz nach dem Start vom Flughafen Nairobi (Kenia)
Juli 1979
3 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Boeing 707 an einem Berg nahe Rio de Janeiro (Brasilien)
Januar 1988
16 Tote beim Absturz einer Boeing 737 der Lufthansatochter Condor bei Izmir (Türkei)
Januar 1993
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September 1993
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Juli 1999
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Fotostrecke
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