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Germanwings-Opfer: Lufthansa bietet 25.000 Euro Schmerzensgeld

Gedenkstelle in Frankreich: 150 Menschen starben beim Germanwings-Absturz Zur Großansicht
REUTERS

Gedenkstelle in Frankreich: 150 Menschen starben beim Germanwings-Absturz

Die Lufthansa hat Angehörigen der Germanwings-Opfer jeweils 50.000 Euro Soforthilfe gezahlt. Nun sollen die deutschen Hinterbliebenen noch einmal 25.000 Euro Schmerzensgeld bekommen. Viel zu wenig, meinen deren Anwälte.

Knapp 100 Tage sind vergangen, seit Germanwings-Flug 9525 in den französischen Alpen zerschellte. Alle 150 Menschen an Bord starben. Die Aufarbeitung der Katastrophe geht nun in eine neue Phase: In Berlin hat Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den Zwischenbericht einer Expertengruppe zur Verbesserung der Flugsicherheit vorgestellt. Und der Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa hat den deutschen Hinterbliebenen ein Entschädigungsangebot unterbreitet.

Demnach sollen die Rechtsnachfolger der Verstorbenen pauschal jeweils 25.000 Euro Schmerzensgeld bekommen, wie der Anwalt Elmar Giemulla, der Hinterbliebene vertritt, mitteilte. Nahen Angehörigen biete die Lufthansa jeweils 10.000 Euro. Giemulla bezeichnete das Angebot in einer Mitteilung als "völlig unangemessen". Der Anwalt Christof Wellens, der ebenfalls Hinterbliebene vertritt, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Ich kann mir kaum vorstellen, dass auch nur eine Opfer-Familie das annimmt."

Bisher hat die Lufthansa 50.000 Euro Soforthilfe an die Hinterbliebenen gezahlt. Am Nachmittag wollte Germanwings zum Thema der Opferentschädigung Stellung nehmen. Am Montag hatte das Unternehmen den Angehörigen empfohlen, sich für Entschädigungszahlungen auch an den deutschen Staat zu wenden - und auf das Opferentschädigungsgesetz verwiesen.

Der Germanwings-Airbus A320 war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen verunglückt. Die Ermittler gehen davon aus, dass Co-Pilot Andreas Lubitz allein im Cockpit war und die Maschine absichtlich abstürzen ließ. Lubitz hatte psychische Probleme und war für den Tag des Absturzes krankgeschrieben. Das hatte er seinem Arbeitgeber und dem beruflichen Umfeld offenbar verheimlicht: In seiner Wohnung fanden Ermittler später mehrere Krankschreibungen, darunter auch zerrissene Atteste.

Die Arbeitsgruppe, deren Zwischenbericht Dobrindt nun vorstellte, empfiehlt daher, die Anlaufstellen für Mitarbeiter mit psychischen Problemen bei den Fluggesellschaften zu stärken. Außerdem soll geprüft werden, wie die Kontrollen auf Medikamente, Drogen oder Alkohol intensiviert werden können, sagte Dobrindt.

Die Sicherheitsvorkehrungen der Cockpit-Tür wollen die Experten jedoch nicht verändern. Lubitz hatte den Flugkapitän, der mutmaßlich auf die Toilette gegangen war, nicht wieder hineingelassen - möglich wurde dies durch den Verriegelungsmechanismus der massiven Cockpit-Tür. Wie der SPIEGEL bereits im Mai berichtete, wurden Änderungen an den Türen verworfen, weil letztlich nicht zu verhindern wäre, dass Entführer eindringen könnten.

Blick ins Cockpit eines A320 Zur Großansicht
[M] DPA, Airbus, SPIEGEL ONLINE

Blick ins Cockpit eines A320

Schon in den Tagen nach dem Absturz hatte eine intensive Debatte über die Sicherheit in der zivilen Luftfahrt begonnen. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit empfahl noch im März das Vier-Augen-Prinzip im Cockpit - so wie es beispielsweise in den USA seit Jahren vorgeschrieben ist. Alle deutschen und viele internationale Airlines kündigten damals an, das neue Prinzip zu übernehmen. Diese Praxis, so Dobrindts Expertengruppe, solle beibehalten werden.


SPIEGEL TV Reportage

hut/trau/dpa

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